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Fußballturnier in ganz Europa : Diese EM ist ein Spiel mit dem Feuer

Prominenz in EM-Gruppe F: Portugals Coach Santos (links), Bundestrainer Löw und Deschamps aus Frankreich Bild: AFP

Die DFB-Elf spielt bei der EM gegen Frankreich und Portugal. Der dritte Gegner steht noch nicht fest. Das Format ist mehr als „eine Schande“. Was niemand braucht, ist ein Turnier als Wanderzirkus mit unsinnigen Regeln.

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          Die Fußball-EM im kommenden Jahr hat ein Gesicht erhalten. Und was für eines! Die deutsche Nationalmannschaft trifft in der Vorrunde auf Frankreich (16. Juni), Portugal (20. Juni) und am 24. Juni auf einen in den Play-offs noch zu ermittelnden Gegner. Die drei Gruppenspiele werden in München ausgetragen, es wird eine Mini-Heim-EM für die Mannschaft von Trainer Joachim Löw. Und eine Aufgabe, die es in sich hat: Frankreich ist Weltmeister, Portugal Europameister, Löws Team weiter in der Findungsphase. Es ist nicht das einzige Fragezeichen vor der EM.

          Das liegt nicht allein an den zwölf Ausrichterländern, den zehn verschiedenen Sprachen und vier verschiedenen Zeitzonen, die sich durch das EM-Gebiet ziehen. Das Problem ist das Format selbst. Erst Ende März steht fest, wer beim paneuropäischen Turnier dabei sind wird. Zehn Wochen vor dem Eröffnungsspiel kämpfen noch 16 Mannschaften um vier verbleibende Startplätze. Georgien, Weißrussland, Nordmazedonien und Kosovo? Eines dieser Teams wird dabei sein. Aber zählt es wirklich zur Crème de la Crème auf dem europäischen Fußball-Kontinent? Gewiss nicht.

          Am Format bestehen Zweifel. Deutschland hätte alle vier Partien in der Nations League und alle acht EM-Qualifikationsspiele verlieren können und hätte doch noch die Chance, sich über die Play-offs zu qualifizieren. Belgien wusste schon vor der Auslosung am Samstagabend, dass es in der Vorrunde in St. Petersburg auf Russland und in Kopenhagen auf Dänemark treffen würde. Zwar hätte auch die Ukraine in Gruppe B gelost werden können, doch das Team kann aus politischen Gründen nicht in Russland spielen.

          Und alle anderen Teams aus dem ersten Lostopf genießen Heimrecht. Logisch ist das nicht. Kevin de Bruyne, der belgische Fußball-Star, nannte die Auslosung „eine Schande“. Sie ist mehr. Denn das, was der ehemalige Uefa-Präsident Michel Platini einmal als seinen Traum verkaufen wollte – eine EM „vom Osten bis zum Westen, vom Norden bis zum Süden“ – ist vor allem der Versuch, noch mehr Profit aus dem zu ziehen, was die Menschen begeistern soll. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Was niemand braucht, ist eine EM als Wanderzirkus mit unsinnigen Regeln.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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