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Frankreichs Held Griezmann : „Grizou“ lässt Deutschland wieder trauern

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Strahlendes Siegerlächeln: Antoine Griezmann schießt Frankreich ins EM-Finale. Bild: Reuters

Mit zwei Toren schießt Antoine Griezmann Frankreich im Alleingang ins EM-Finale – und sorgt dabei schon zum zweiten Mal in dieser Saison für das bittere Aus eines deutschen Teams. Im Endspiel hat er dann die Chance auf eine Revanche.

          Die bitteren Tränen von 2014 sind vergessen. Antoine Griezmann hat sich gerächt. Er hat den Deutschland-Fluch der französischen Fußball-Nationalmannschaft gebrochen. Eiskalt und nervenstark und wieder gegen Manuel Neuer. Am 3. Mai sorgte sein Tor in München beim 1:2 von Atlético Madrid für das Aus des FC Bayern im Halbfinale der Champions League. Am 7. Juli erledigte Griezmann, den in Frankreich fast alle nur noch „Grizou“ nennen, Fußball-Weltmeister Deutschland im Halbfinale im Alleingang mit seinem zweiten Doppelpack.

          Es sind die Tore Nummer fünf und sechs für den 25-Jährigen bei dem Turnier, das für ihn alles andere als gut begann, das er nun aber zu seiner EM macht: Im ersten Spiel geht Griezmann leer aus, wirkt müde. Tor Nummer eins gelingt ihm im zweiten Gruppenspiel beim 2:0 gegen Albanien ebenfalls in Marseille, gegen Irland brilliert er im Achtelfinale mit einem Doppelpack. Griezmann wendet den 0:1-Rückstand praktisch im Alleingang. Und dann auch noch ein Tor beim 5:2-Viertelfinalsieg gegen Island.

          Und schließlich krönt der 1,75 Meter große Griezmann, der während der EM seinen Vertrag bei Atlético bis 2021 verlängert, seine bisherigen Vorstellungen und bringt die Équipe tricolore ins Finale an diesem Sonntag (21 Uhr / live in der ARD und im EM-Ticker auf FAZ.NET). Sechs Tore in sechs Spielen – bei 435 Minuten Einsatzzeit. Dazu kommen noch zwei Vorlagen. Der Endrundenrekord liegt bei neun Toren. Aufgestellt von Michel Platini bei der Heim-EM 1984. Ansonsten gelangen keinem anderen Spieler bei einem EM-Turnier so viele Treffer wie diesmal Griezmann.

          Im Stade de France kommt es gegen Portugal zum abermaligen Torjäger-Duell Griezmann vs. Cristiano Ronaldo – auch da hat Griezmann, der vor zwei Jahren beim WM-Aus im Viertelfinale gegen Deutschland kaum mehr zu trösten gewesen war, etwas gutzumachen: Im Champions-League-Finale gegen Real Madrid hatte er in der regulären Spielzeit einen Elfmeter verschossen, Real holte die Trophäe. Als er danach verspätet zum Nationalmannschaftskader stieß, nahmen ihn die Kollegen im EM-Quartier in Clairefontaine erst einmal in den Arm.

          Gegen Deutschland war dann alles vergessen: Griezman traf nicht nur, er war auch ständiger Unruheherd. „Griezmann ist im Eins-gegen-Eins ein starker Spieler, da muss ich mich drauf vorbereiten“, hatte Manuel Neuer einen Tag vor dem Wiedersehen mit dem Bayern-Schreck gesagt. Diesmal überwand Griezmann Neuer zunächst vom Punkt. Mit seinem linken Fuß und einem strammen Schuss ließ er Neuer keine Chance. Und schließlich ein blitzsauberes Abstauber-Tor nach einem Neuer-Fehler.

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          Nach dem Spiel erklärte der Held des Abends: „Ich wollte einen Elfmeter in einem großen Spiel wie diesem schießen. Und ich bin sehr froh über meine Entscheidung, die dann zum Tor geführt hat. Beim zweiten Tor hoffte ich auf einen Fehler des Torwarts und dann landete der Ball vor meinen Füßen. Und ich hab' geschossen. Es war aber eine Mannschaftsleitung von allen, Trainer, Betreuer und auch denen, die nicht gespielt haben. Ich bin äußerst glücklich und stolz. Wir haben aber noch ein Spiel vor uns, das sehr schwer wird.“

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          Und auch Trainer Didier Deschamps war nach der Partie voll des Lobes über seinen schmächtigen Stürmer: „Er ist ein großer Spieler. Er hat das in allem bewiesen, was er gemacht hat“, sagte Frankreichs Nationalcoach und blickte gleichzeitig zurück und voraus: „Als wir zum Stadion gefahren sind, haben wir die Fans gesehen. Die Begeisterung war Wahnsinn. Am Sonntag wird sie noch größer sein“, meinte Deschamps. „Wir können jetzt weiter träumen vom 10. Juli“, betonte auch Griezmann und kündigte an: „Den Abend genießen wir jetzt.“ Dann aber gehöre die volle Aufmerksamkeit dem Finale.

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