Entscheidung der Uefa : EM-Ausschluss auf Bewährung für Russland
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Randale russischer Fans: beim nächsten Mal Turnierausschluss - für die Mannschaft! Bild: AP
Die Uefa verhängt wegen der Ausschreitungen russischer Fans eine Geldstrafe von 150.000 Euro gegen Russland und droht im Wiederholungsfall mit Ausschluss vom Turnier. 43 vermeintliche Hooligans sollen indes ausgewiesen werden.
Die Disziplinarkommission der Uefa hat EM-Teilnehmer Russland für die Fan-Ausschreitungen im Stadion von Marseille hart bestraft. Im Wiederholungsfall wird die Mannschaft sofort aus dem Fußball-Turnier ausgeschlossen, zudem wurde eine Geldstrafe von 150.000 Euro verhängt, wie die Uefa am Dienstag in Paris mitteilte. Die Disqualifikation wurde für die gesamte Dauer der EM zur Bewährung ausgesetzt.
Der russische Fußball-Verband (RFU) könnte gegen das Urteil Berufung einlegen, will dies nach Aussage seines Vorsitzenden Witali Mutko aber nicht tun. „Wir werden der Entscheidung der Uefa folgen, es darf keine andere Haltung in der RFU geben“, sagte Mutko in einer ersten Reaktion der Nachrichtenagentur Tass. „Wir warten auf die offizielle Mitteilung und werden die Entscheidung akzeptieren“, sagte Mutko. Zudem habe er Verständnis dafür, dass EM-Gastgeber Frankreich Problemfans abschiebe. „Sie werden deportiert, weil sie nicht gekommen sind, um Fußball zu sehen. Es wird Zeit, dass Ruhe einkehrt. Es läuft eine EM, das ist ein Feiertag für den Fußball, aber alle reden nur über Schlägereien und Strafen.“
Nur für Randale im Stadion gültig
Die Androhung gilt nur für Ausschreitungen innerhalb des Stadions und nicht für Hooligan-Aktionen außerhalb der EM-Arenen. Dies sehen die Disziplinarregeln der Uefa so vor. Das Exekutivkomitee hatte allerdings bereits am Sonntag eine Warnung ausgesprochen, dass ein Turnierausschluss auf Grundlage der Verbandsstatuten auch droht, wenn es nochmals zur Ausschreitungen in Spielorten kommen sollte. Die gleiche Botschaft erhielt auch der englische Fußballverband, dessen Fans an den mehrtägigen Straßenschlachten in Marseille auch beteiligt gewesen waren. Einen Ausschluss hat es während einer Fußball-EM noch nie gegeben. England war 2000 wegen Ausschreitungen in Belgien ebenfalls mit einer Warnung belegt worden.
Russland spielt am Mittwoch in Lille gegen die Slowakei (15 Uhr / Live im ZDF und im EM-Ticker auf FAZ.NET). England trifft 24 Stunden später im benachbarten Lens auf Wales, was die Sorge vor neuen Ausschreitungen geschürt hat. Das letzte russische Gruppenspiel gegen Wales findet am Montag in Toulouse statt, England spielt dann parallel in St. Etienne gegen die Slowakei.
Fußball-EM in Frankreich : Das Hooligan-Problem
Russische Anhänger hatten nach der Partie gegen England am Samstagabend englische Fans im Stadion Velodrome kurz vor Ende der Partie attackiert. Hooligans aus Russland hatten bereits bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine randaliert. Der russische Verband war dafür mehrfach mit Geldstrafen belegt worden und gilt deshalb als Wiederholungstäter.
Unterdessen hat die französische Polizei am Dienstag bei Cannes einen Autobus russischer Fußballanhänger gestoppt. Der Gruppe von 43 Personen drohe die Ausweisung, hieß es bei der zuständigen Präfektur des Départements Alpes-Maritimes in Südfrankreich. Einige der mutmaßlichen Hooligans seien in Abschiebehaft gekommen.
Der Vorsitzende des Allrussischen Fanverbandes, Alexander Schprygin, schrieb auf Twitter, schwer bewaffnete Polizisten hätten den Bus nur deswegen nicht gestürmt, weil ein russischer Konsul gekommen sei.
Die Angriffe auf englische Fans in der Altstadt von Marseille und nach dem Spiel im Stadion am Samstag waren nach Ermittlungen französischer Behörden von etwa 150 gut organisierten Russen ausgegangen. Schprygin gilt mit seinem Fanverband als ein Drahtzieher der Ultras in Russland, dem Gastgeberland der WM 2018. Ihm werden auch enge Beziehungen zur rechten Szene vorgeworfen.
Die russische Fußballföderation RFS in Moskau erklärte auf Anfrage, Schprygin habe weder mit dem Verband noch mit der offiziellen EM-Delegation zu tun. Russlands Sportminister Witali Mutko kommentierte die Lage nicht, wie die Agentur Interfax meldete.
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