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Euro-Kommentar : Sparprogramm mit Griechenland

Wenn aus der Last eine Lust wird: Sieg der Griechen über Russland Bild: AFP

Während der Heimvorteil sich immer mehr in einen Heimnachteil wandelt, jüngstes Beispiel Polen, können politische Lasten für ein Fußballteam geradezu befreiend wirken - siehe Griechenland.

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          Eine Europameisterschaft lebt nicht nur von Fußballern, auch von Fans. Nicht nur von Toren, auch von Stimmung und Umsätzen. Bei den Toren ist die Ausbeute hervorragend, sie übertraf nach 18 von 31 Spielen mit 48 Treffern den Durchschnitt aller vormaligen EM-Endrunden. Dagegen hätte die erste Halbzeit des Turniers für die weitere Stimmung und vor allem die Umsätze kaum schlechter verlaufen können. Gerade die Teams, deren EM-Expeditionen kaufkräftige Völkerwanderungen aus der Heimat nach sich zogen, erleben zumeist die zweite Turnierhälfte nicht mehr.

          Als Erste hatten am Donnerstag die Iren, deren fröhlicher Anhang auf 30.000 nach Polen mitgereiste Landsleute geschätzt wurde, die Chance auf die K.-o.-Runde verpasst; sie werden an diesem Montag ihren EM-Abschied geben. Dann verdarb sich am Freitag Schweden, ebenfalls von einem mehr als zehntausendköpfigen stimmungsvollen Anhang begleitet, als zweites Team die Chance auf das Viertelfinale. Der größte Schlag ins Kontor kam am Samstag. Da verabschiedete sich erst Russland, dessen 20 000 Fans die Gastronomie in Warschau zuvor mit Höchstumsätzen beglückt hatten. Laut einer Umfrage bei Wirten bestellten die Russen „immer den teuersten Alkohol, immer große Mengen und gaben die höchsten Trinkgelder“. Und dann war die EM in Polen auch noch für Polen beendet.

          Der Heimvorteil, von dem man im Fußball gern redet, wandelt sich zumindest bei den großen Turnieren mehr und mehr in einen Heimnachteil. Bei der vergangenen EM scheiterten beide Ausrichter, Österreich und die Schweiz, schon in der Vorrunde, was nun eine Wiederholung erleben wird, sollte nicht der Ukraine im letzten Gruppenspiel ein Sieg gegen England gelingen. Dazwischen war bei der WM 2010 auch Südafrika mit der doppelten Last überfordert, zugleich die globalen Erwartungen an eine gelungene Ausrichtung des Turniers und die nationalen Erwartungen an einen Erfolg des eigenen Teams zu erfüllen. Die polnische Mannschaft schien, ähnlich wie die Schweiz 2008, nahezu gelähmt vom Erwartungsdruck, den Trainer Franciszek Smuda einräumte. Sie konnte sich von dieser Last nie befreien.

          Geradezu befreiend können dagegen politische Lasten sein, denn Fußballer schaffen es zumeist, sie nicht als ihre eigenen zu empfinden, also nicht als sportliche Last. Und schon wird, wenn das gelingt, aus der Pflicht eine Kür, aus der Last eine Lust und aus dem Sieg der Griechen über Russland, einen Tag vor der gespannt erwarteten Parlamentswahl in Athen, eine doppelte Botschaft. Die eine geht in die Heimat: Wir zeigen es den Großen, wir gehören noch dazu in Europa. Die andere ins Gastland, nach Polen: Die Zeiten, da der Rubel rollt, sind für diese EM vorbei. Die Russen sind weg, die Griechen sind noch da. Sie haben den kleinsten Anhang der Europameisterschaft. Sie sind ein Gewinner, mit dem kein Gewinn zu machen ist.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

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