https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball-em-1/deutsches-team/em-2016-analyse-toni-kroos-ueberragt-bei-2-0-gegen-ukraine-14283569.html

EM-Analyse : Warum Kroos so wichtig ist

Applaus, Applaus: Toni Kroos spielte stark gegen die Ukraine. Bild: dpa

Beim 2:0-Sieg über die Ukraine zum EM-Start übersteht die DFB-Elf eine schlechte Viertelstunde. Danach nutzen sie die Schwachstelle des Gegners konsequenter. Ein Spieler ist besonders stark.

          2 Min.

          Fußball ist nicht immer planbar. Das mussten schon viele andere Trainer vor Joachim Löw feststellen. Beim 2:0-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft über die Ukraine zum Start in die Europameisterschaft 2016 aber konnte der Bundestrainer damit ganz hervorragend leben. „Eigentlich war nicht geplant, dass Schweinsteiger so weit vorne auftaucht“, sagte Löw mit einem Lächeln, nachdem der zuletzt lange verletzte Kapitän der DFB-Elf spät eingewechselt worden war und dann beim Konter kurz vor Abpfiff das Tor zum Endstand erzielte.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Wie erwartet saß Schweinsteiger knapp zwei Stunden zuvor beim Anpfiff in Lille erstmal nur auf der Bank. Andere Personalfragen waren mit mehr Spannung erwartet worden. Löw beantwortete sie so: In der Innenverteidigung agierte Shkodran Mustafi neben Jerome Boateng. Rechts außen sicherte Benedikt Höwedes ab. Auf der linken Offensivseite setzte Löw auf Julian Draxler. Und Mario Götze agierte als spielender Stürmer anstelle des wuchtigeren Mario Gomez. So weit die Theorie, in der Praxis sah es doch ein wenig anders aus, wie die Grafik der Durchschnittspositionen verrät:

          Deutlich wird, dass nur Mustafi und Boateng als Verteidiger agierten, alle anderen verbrachten mehr Zeit in der gegnerischen als in der eigenen Hälfte. Die sehr hoch stehenden Außenverteidiger Hector und Höwedes machten aus dem nominellen 4-2-3-1-System eher eine 2-5-3-Anordnung, da sich Julian Draxler und Mesut Özil mit Götze fast auf einer Höhe befanden, während sich Thomas Müller oft ins Mittelfeld zurückfallen ließ. Der Defensivplan ging insofern auf, dass Hector und Höwedes die Seiten gegen die gefährlichen Außen Jewhen Konopljanka und Andrej Jarmolenko gut absicherten.

          Die gefährlichste Situation der ersten Halbzeit gab es allerdings nicht aus dem Spiel heraus, sondern nach ruhenden Bällen. Nach einem Freistoß aus dem rechten Halbfeld von Toni Kroos köpfte Mustafi zur deutschen Führung ein (19. Minute). In der ersten halben Stunde dominierte das DFB-Team die Partie mit viel Ballbesitz durch sichere Pässe und gutem Positionsspiel. Die Viertelstunde vor der Pause gehörte den Ukrainern (siehe nächste Grafik). Aber entweder parierte Torwart Manuel Neuer glänzend oder Boateng verhindert sein Eigentor selbst durch eine spektakuläre Rettungsaktion (37.). Insgesamt bekamen die Ukrainer zu viele Eckbälle, bei denen sie immer wieder gefährlich wurden.

          Wählen Sie die Zeiträume über das Pull-Down-Menü aus:

          Nach der Pause bekamen die Deutschen das Spiel wieder besser in den Griff. Das lag auch daran, dass sie die Schwachstelle der Ukrainer – die rechts Abwehrseite – nun noch konsequenter suchten. Hector und Draxler, die sowieso außen positioniert waren, aber auch Özil schoben sich immer wieder in diesen Bereich. Ein beliebtes Stilmittel war die Spielverlagerung mit einem langen Ball. Boateng tat sich da als rechter Innenverteidiger mit weiten Diagonalschlägen hervor. Nicht immer kam der Pass an. Wenn er es tat, ergeben sich hier aber große Räume für die Deutschen.

          Wählen Sie einen Zeitraum über das untere Menü aus:

          Dass sich das deutsche Spiel mehr nach links verlagerte, hatte aber noch einen Grund: Toni Kroos. Der Champions-League-Sieger von Real Madrid war neben Neuer und Boateng der herausragende Spieler des EM-Auftakts, auch wenn er weniger als die anderen durch spektakuläre Aktionen auffiel. In der ersten Halbzeit ließ er sich noch oft auf Höhe der Innenverteidiger zurückfallen, um das Spiel zu ordnen, in der zweiten schob Löw ihn wieder weiter nach vorne. Das tat dem deutschen Spiel gut. Kroos legte eine enorme Ballsicherheit an den Tag, fast jeder Pass war klug und ließ die Ukrainer hinterherlaufen. Diese Müdigkeit merkte man ihnen gegen Ende deutlich an.

          Die “Heatmap” (wählen Sie in der Grafik oben einen Spieler aus) verdeutlicht, wo Kroos vorwiegend agierte. Dieser Bereich deckt sich stark mit dem der gesamten Mannschaft. 112 Ballkontakte hatte er, die Passquote von 93 Prozent war beeindruckend. Selbst zwei Grätschen streute er ein, um verlorene Bälle zu verteidigen. Herausragend waren auch sechs Torschussvorlagen. Nur bei der Schlusspointe war Kroos nicht mehr direkt beteiligt: Özil flankte bei einem Konter auf den zuvor eingewechselten Schweinsteiger, der per Drop-Kick das 2:0 erzielte (90.).

          Vergleichen Sie die Werte aller Spieler über die Menüs:

          Mann im Netz, Ball nicht: Boateng klärt in höchster Not Bilderstrecke
          Die Bilder des Spiels : Ein Rückkehrer, ein Artist – und ein T-Shirt
          Öffnen
          Interaktives Spiel : Das Star-Quartett zur Fußball-EM 2016

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.