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Französischer Stürmerstar : Griezmann ist ein Kerl zum Knuddeln

Nicht nur wegen seiner Tore ist Griezmann der Liebling im Team der Franzosen Bild: AFP

Wachheit, Schnelligkeit, Mobilität: Der Franzose Antoine Griezmann hat alles, was aus kleinen Männern große Stürmer macht. Im EM-Viertelfinale gegen Island will er sich aber keinesfalls an seinem Spitznamen orientieren.

          3 Min.

          Ist „Grizou“ das „neue Chouchou“ der Franzosen? Der neue Liebling der Nation? Fragt L’Équipe, die große Sportzeitung. Grizou, so nennen ihn die Mitspieler – ausgesprochen wie Grisu, der kleine Zeichentrick-Drache, der zum Entsetzen seines Vaters nicht Feuer spucken, sondern Feuerwehrmann sein will. Auch Antoine Griezmann legt keine Brände, er löscht sie. Zuletzt mit seinen beiden Toren zum 2:1-Sieg gegen Irland, der die „Grande Nation“ vor ihrer größten Fußball-Blamage bewahrte. An diesem Sonntag soll er das im EM-Viertelfinale gegen Island (21 Uhr / live im ZDF und im EM-Ticker auf FAZ.NET) ein weiteres Mal tun.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Der kleine Blonde mit den schönen Augen und dem unbekümmerten Lachen hat etwas, auf das sich alle einigen können - als wäre er die Quersumme dessen, wie sich der Franzose den netten, normalen Burschen von nebenan vorstellt. Die Werbeindustrie reißt sich um ihn. Laut Umfragen ist „Griäzmann“ der mit Abstand Beliebteste im Nationalteam. Und das, obwohl er nie für einen Klub in Frankreich gespielt hat. Und obwohl ihn der französische Verband wegen eines Pariser Nachtklub-Bummels nach einem Junioren-Qualifikationsspiel einst für über ein Jahr sperrte. Griezmann sagte später, er habe aus dieser Affäre, seiner einzigen, gelernt, professionell zu leben.

          Mit Füßen und Phantasie

          Auch heute, mit 25, da ihn sein Klubtrainer Diego Simeone „einen der drei besten Stürmer der Welt“ nennt, hat Griezmanns Erscheinung auf dem Platz nichts Einschüchterndes. Neben den isländischen Gestalten wird er besonders schmächtig wirken. Dafür hat er die Dinge, die aus kleinen Männern große Stürmer machen: Wachheit, Schnelligkeit, Präzision im Abschluss und die ständige, geschmeidige Mobilität zwischen Linien und Gegnern. Einer, der Haken schlägt, mit den Füßen und der Phantasie.

          Der Mangel an äußerlicher Größe hätte beinahe die Karriere verhindert. Vier große französische Klubs, bei denen er als Dreizehnjähriger vorspielte, lehnten ab, weil er ihnen zu klein war. Ein Scout, der dann sein Ziehvater wurde und heute sein Agent ist, sah es bei einem Jugendturnier besser und holte den Halbwüchsigen, nach langer Überzeugungsarbeit bei dessen Eltern im Burgund, zu Real Sociedad San Sebastian im spanischen Baskenland. Er ist nie nach Frankreich zurückgekehrt.

          Verstecken will er sich nicht: Antoine Griezmann beim Abschlusstraining der Franzosen
          Verstecken will er sich nicht: Antoine Griezmann beim Abschlusstraining der Franzosen : Bild: AFP

          2014 war er Atlético schon dreißig Millionen Euro wert. Heute wird das Dreifache geboten. Aber Griezmann, Vater einer drei Monate alten Tochter, will nicht weg und hat in Madrid verlängert. Bei Atlético war man wuchtige Mittelstürmer wie Torres, Agüero, Falcao oder Diego Costa gewohnt. Deshalb gab es Vorbehalte. Doch „Pollito“, das Hühnchen, so sein spanischer Spitzname, setzte sich durch und schoss in beiden Spielzeiten, seit er in Madrid ist, je 22 Liga-Tore.

          In der Champions League traf er den FC Bayern im Halbfinale ins Herz, mit einem Tor, das seine ganze Cleverness zeigte. Während die meisten Stürmer im Eins-zu-eins mit dem mächtigen Manuel Neuer scheitern, wählte er für seinen Abschluss genau die Mitte zwischen flach und halbhoch, die nötig war, um zwischen dem ausgestreckten Bein und dem abgewinkelten Arm des sich breit machenden Torwarts den toten Winkel zu finden.

          Das brachte Atlético ins Finale gegen den Lokalrivalen Real - und Griezmann an den bisherigen Tiefpunkt seiner Karriere. Er verschoss einen Elfmeter, sein Team verlor. Doch das mentale Tief, das man dreizehn Tage später noch im ersten EM-Spiel gegen Rumänien spürte, scheint überstanden, seit er als Joker in der zweiten Partie gegen Albanien traf. Körperlich wirkt er selbst nach 67 Saisonspielen noch frisch.

          Das Band der Sympathie zwischen Nation und ihrem neuen „Chouchou“ ist es auch. Nach der „Meuterei“ von Ribéry & Co. bei der WM 2010, die die „Équipe Tricolore“ massiv Sympathien in der Heimat kostete, sind mit Typen wie Griezmann oder Payet neue Sympathieträger aufgetaucht, die das langsam vergessen lassen. Spieler, die sich selbst nicht unnötig wichtig nehmen.

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          Als der zwischen zwei Systemen schwankende Trainer Didier Deschamps ihn fragte, wo er denn lieber spiele, zentral im 4-2-3-1 oder rechts im 4-3-3, sagte Griezmann, er spiele da, wo es der Trainer entscheide. Aber Deschamps weiß natürlich, dass sein bester Mann im Zentrum, hinter Olivier Giroud, am besten aufgehoben ist, und wird sich wohl für den Rest der EM danach richten.

          Egal wo er spielt, Griezmann tut das übrigens gern in Comic-Unterhosen. Nicht mit Grisu, dem kleinen Drachen. Sondern mit Sponge Bob, dem berühmtesten Schwamm der Welt. Zum Knuddeln, der Kerl. Ein echtes Chouchou.



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