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Fußball : Eingewöhnen beim FC Bayern

  • -Aktualisiert am

Demichelis - stolz mit Bayern-Trikot Bild: dpa/dpaweb

Martin Demichelis und Tobias Rau sind in ihren ersten Wochen beim FC Bayern München mit Staunen beschäftigt.

          Die ersten Eindrücke waren ganz unterschiedlich, die ersten Reaktionen dagegen sehr ähnlich. Martin Demichelis und Tobias Rau sind in ihren ersten Wochen beim FC Bayern München mit Staunen beschäftigt, neben der täglichen Trainingsarbeit natürlich. Und immer wieder fällt das Wort „beeindruckend“.

          Für den Argentinier Demichelis hat der Dienst beim deutschen Fußball-Meister mit dem Trainingslager in Rottach-Egern begonnen. Konditionseinheiten vor der Postkartenkulisse des Wallberges, Abendessen mit Blick auf den idyllischen Tegernsee. „Es ist schön“, ließ er übersetzen. „Und die Luft ist gut, das macht das Training leichter.“

          Rau bewundert professionelles Umfeld

          Beim deutschen Nationalspieler Rau zeigten weniger die landschaftlichen Schönheiten Bayerns Wirkung, sondern vielmehr das professionelle Umfeld beim neuen Arbeitgeber. „Man muß sich um nichts Sorgen machen. Das ist sehr angenehm.“ Sein ehemaliger Teamkollege beim VfL Wolfsburg, Stefan Effenberg, hatte ihn zwar darauf vorbereitet, was ihn in München alles erwartet. Aber es übertraf dann doch die Erwartungen. Was den Unterschied zwischen seinem früheren Verein und dem FC Bayern ausmache, wurde er bei der Saisoneröffnungspressekonferenz im Festsaal einer Traditionsgaststätte gefragt. Seine Antwort: „In Wolfsburg hätte die Bühne als Raum gereicht.“

          Rau - Gefühl für den FC Bayern bekommen

          Der erst 21 Jahre alte Defensivspieler hat nicht nur sportlich im vergangenen Jahr ein recht hohes Niveau erreicht. Mit erstaunlicher Eloquenz bewältigte er bisher scheinbar mühelos den Medienrummel in München. Er tritt selbstbewußt auf, ohne überheblich zu wirken. „Eine große Nummer bin ich auf keinen Fall, aber mit fünf Länderspielen im Gepäck kann man schon ein bißchen frecher auftreten.“ Er weiß, was er kann, ohne Ansprüche zu stellen. „Niemand erwartet, daß ich im ersten Jahr Bixente Lizarazu verdränge.“ Wenn sein lädierter Rücken es zuläßt, wird Rau aber zumindest beim Saisonauftakt am 1. August gegen Eintracht Frankfurt den Vorzug vor dem Franzosen erhalten. Lizarazu hat erst in dieser Woche nach einem verlängerten Urlaub mit dem Training begonnen, das erste Bundesligaspiel kommt für ihn noch zu früh. Danach wird Rau wohl auf das Rotationsprinzip von Trainer Ottmar Hitzfeld und die vielen englischen Wochen mit Beginn der Champions League Mitte September hoffen müssen. Er wird gerne gelesen haben, daß Rudi Völler seine Bedenken zerstreute, die Nationalmannschaftskarriere könnte einen Knick bekommen, wenn er bei Bayern nicht regelmäßig spiele. „Auf der linken Seite gibt es bei uns nicht so viele Alternativen“, verkündete der Teamchef. „Tobias Rau ist ein Spieler der Zukunft.“ Für Völler und für die Bayern.

          Demichelis in Europa noch witgehend unbekannt

          Auch für Demichelis ist das erste Jahr in München wohl in erster Linie Schnupperkurs, denn mit Thomas Linke, Robert Kovac, Samuel Kuffour und dem Argentinier bewerben sich nun vier Innenverteidiger um zwei Plätze. Der 22 Jahre alte Abwehrspieler hat sich im Gegensatz zu Rau in Europa noch keinen Namen gemacht. Er war in Argentinien zwar beim erfolgreichsten Klub des Landes unter Vertrag, bei River Plate Buenos Aires, wurde aber noch nie in die Nationalmannschaft berufen. Das hofft er nun, beim FC Bayern zu schaffen. „Wenn ich mich hier durchsetze, habe ich auch gute Chancen in der Nationalmannschaft.“

          Daran denkt er im Moment aber noch nicht. Für ihn gilt es erst einmal, sich zu integrieren in der neuen Umgebung und Deutsch zu lernen. Ein paar Wörter kann er schon, und jeden Tag werden es mehr, aber es sind noch zu wenig, um auf dem Platz seine Position auszufüllen, wie er es sich vorstellt. „Ich bin es gewohnt, 90 Minuten lang lautstark die Kommandos zu geben.“ Beim Training ist er auf Übersetzungshilfe der südamerikanischen Teamkollegen angewiesen, bei den bisherigen Testspielen behalf er sich mit wildem Gestikulieren. Vielleicht ist es deshalb ganz gut, daß es bis zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz noch ein bißchen dauern kann. Demichelis kam mit nur einer Woche Urlaub nach Ende der argentinischen Meisterschaft in München an. Behutsam aufbauen, so der Rat der medizinischen Abteilung des Rekordmeisters. Da bleibt also noch ein wenig Zeit, das Vokabular zu vergrößern.

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