https://www.faz.net/-gtl-2hej

Fußball : Die Königlichen sind tot, es leben die Königlichen

  • Aktualisiert am

Arena der Sensationen: Das Bernabeu-Stadion Bild:

Über eine halbe Milliarde Mark Schulden, aber mit Abstand der größte und beliebteste Verein der Welt. Bei Real Madrid will man die Fußball-Welt regieren, koste es was es wolle.

          Weit über eine halbe Milliarde Mark Schulden, erste Anflüge von Größenwahn, aber über jeden Zweifel erhaben: Die „Königlichen“ von Real Madrid wollen die Fußball-Welt regieren und machen nicht den geringsten Hehl daraus. „Real ist und bleibt der mit Abstand größte und erfolgreichste Verein der Welt. Wir wollen weiterhin den Ton unter den Spitzenklubs angeben“, sagte Klub-Präsident Florentino Perez.

          Höhepunkt des Gigantismus soll die 100-Jahr-Feier des Champions-League-Siegers im kommenden Jahr werden. Zu Ehren Reals sollen an einem Tag im Jahr 2002 der Spielbetrieb in der ganzen Welt ruhen. Eine offizieller Antrag von Perez liegt Fifa-Präsident Joseph Blatter bereits vor. 120 Millionen Mark will sich die Klubführung die Party kosten lassen - ein Werbefeldzug bis in die entlegensten Ecken der Welt inklusive. Die Kosten für die Feierlichkeiten übernimmt allerdings die Agentur Carat Group, die trotzdem auf Grund der Vermarktungsmöglichkeiten mit einem satten Gewinn rechnet.

          Auch für Michael Ballack ist Real „ein Traum“

          Teilnehmer an einer gigantischen Party in der spanischen Hauptstadt sollen auch alle noch lebenden Ex-Präsidenten der USA sein. Einladungen des Klubs, der in Spanien auch „la casa blanca“ („Das Weiße Haus“) genannt wird, sind bereits verschickt. Perez: „Das Fest wird die Dimensionen des amerikanischen Super Bowls um ein Vielfaches übertreffen.“

          Dem „Mythos Real“ können sich auch deutsche Profis kaum entziehen. „Als Profi ist es ein Traum, bei Real zu spielen. Von meiner Seite aus bin ich für Real offen“, meint Bayer Leverkusens Mittelfeldstar Michael Ballack, nach dem Real bereits die Fühler ausgestreckt hat. Nationaltorwart Oliver Kahn wird noch deutlicher: „Irgendwo finde ich das geil. Das ist Glamour. Jeder erzählt, was die für irre Schulden haben, und dann holen die mal schnell einen Figo für 116 Millionen. Die können noch so viel Schulden haben und werden nie untergehen.“ Beim Stichwort Figo bekommt der Real-Fan glänzende Augen.

          Erzfeind Barcelona demütigen

          Präsident Perez holte den portugiesischen Superstar und teuersten Fußballer der Welt ausgerechnet vom Erzfeind FC Barcelona und ist durch den Mega-Deal unantastbar geworden. Seit dem Wechsel von Europas „Fußballer des Jahres“ kauften eine Million Anhänger Figos Trikot mit der Nummer „10“, womit ein Drittel des Kaufpreises bereits wieder in der Vereinskasse liegt. Doch mit dem größten Wechsel der Fußball-Geschichte sollen die Demütigungen gegen „Barca“ noch lange kein Ende haben. Denn der achtmalige Europapokalsieger der Landesmeister wildert noch in ganz anderen Revieren. Mit sieben Millionen Mark Startkapital soll ein Handball-Team gegründet werden, mit dem Generaldirektor Jorge Valdano Champions-League-Sieger FC Barcelona „Paroli bieten will“.

          Und Real meint es ernst: Ausgerchnet Inaki Urdangarin, der baskische Ehemann von Spaniens Königstochter Cristina, soll reaktiviert werden und ab 2002 das neue Handball-Team anführen. Der 178-malige Nationalspieler („Die Aufgabe würde mich reizen“) begann seine Karriere 1987 in Barcelona und gewann mit den Basken alles, was es im Handball zu gewinnen gibt.

          Opfer Bodo Illgner

          Es gibt aber auch Opfer des Gigantismus von Real Madrid, wenn auch gut bezahlte. In den Planspielen der Madrilenen spielt der Name Bodo Illgner keine Rolle mehr. Der ehemalige deutsche Nationaltorwart und Weltmeister von 1990 steht bei Real auf dem Abstellgleis und darf sich mit dem Titel „Unrentabelster Spieler der Primera Division“ schmücken. Für das Absitzen seines Vertrages bis ins Jahr 2002 kassiert Illgner 3,4 Millionen Mark netto im Jahr.

          Weitere Themen

          Kältekammer für müde Pferdebeine Video-Seite öffnen

          Cryotherapie : Kältekammer für müde Pferdebeine

          Auch Rennpferde sind Hochleistungssportler. Was bei den Menschen das Eisbad nach einem harten Training ist, ist für Pferde neuerdings die Cryokammer. Die Tiere werden in einen Behälter geführt, in dem die Temperatur auf -140 C° heruntergekühlt wird.

          Topmeldungen

          Ein Straßenschild mit der Aufschrift „Willkommen in Nordirland“ steht am Straßenrand an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.

          Brexit-Streit : Auf gar keinen Fall Kontrollen

          Boris Johnson und die EU sind sich zumindest in einem Punkt einig: Grenzkontrollen zwischen Irland und Nordirland dürfen nicht sein. Doch wie soll das ohne Backstop-Klausel gehen?
          Frankfurts David Abraham (l.) und Goncalo Paciencia (r.) können Lebo Mothiba von Racing Straßburg nicht stoppen.

          Frankfurt patzt in Straßburg : Alle Hoffnung auf Teil zwei

          Eintracht Frankfurt muss um den Einzug in die Gruppenphase der Europa League bangen. Im Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg konnte der Bundesligist vor allem in der ersten Hälfte nicht überzeugen und verlor mit 0:1.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.