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Fußball : DFL will Liga-Pokal aufwerten

  • Aktualisiert am

          2 Min.

          Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) will den Liga-Pokal zu einem attraktiven und vollwertigen Wettbewerb mit 32 Teams ausbauen.

          Ziel der Reform ist, neue Einnahmequellen zu erschließen und ein reizvolles Produkt für das Fernsehen zu schaffen. „Dies ist ein Gedankenmodell, das den Charme hätte, die erste und zweite Liga einzubinden“, sagte DFL-Geschäftsführer Heribert Bruchhagen. Nach englischem Vorbild könnten danach von der Saison 2004/2005 an mit dem DFB-Pokal zwei Cup-Wettbewerbe parallel ausgespielt werden.

          Ein Platz im UEFA-Cup für den Sieger

          „Die Spiele des Liga-Pokals sollen in den Lücken im Sommer und Winter ausgetragen werden. Sie wären damit eine attraktive Vorbereitung auf Hin- und Rückrunde“, erläutert Bruchhagen das von ihm entwickelte Modell mit 18 Erst- und 14 Zweitligavereinen. Während die ersten beiden Runden in Hin- und Rückspiel ausgespielt werden sollen, würden die restlichen Partien im K.-o.-System gespielt. „Die Belastung ist da nicht so dramatisch“, meinte Bruchhagen angesichts der Diskussion über die Überbeanspruchung der Profis. Um den Reiz noch zu erhöhen, werde überlegt, einen UEFA-Cup-Platz für den Liga-Cup-Sieger auszuloben: „Dadurch würde noch mehr Musik reinkommen.“

          Allerdings stoßen die Pläne nicht nur auf Zustimmung. Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge zeigte sich überrascht von dem Vorschlag und äußerte Zweifel. „Ich weiß nicht, wann das gespielt werden könnte“, sagte Rummenigge. Er sehe wenig Möglichkeiten im Kalender.

          Da bisher nur die besten sechs Mannschaften der Bundesliga den 1997 eingeführten Wettbewerb bestreiten, der in diesem Jahr vom 16. bis 28. Juli veranstaltet wird, hat die DFL nach eigenen Angaben bei den großen Klubs bereits die mögliche Akzeptanz sondiert. „Da war keine Ablehnung zu spüren“, berichtete Bruchhagen von Vorgesprächen mit Uli Hoeneß (FC Bayern München), Rudi Assauer (FC Schalke 04), Michael Meier (Borussia Dortmund) oder Wolfgang Holzhäuser (Bayer 04 Leverkusen).

          Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld warnte zwar vor einer zu großen Terminbelastung, äußerte sich aber grundsätzlich positiv. Man müsse erst Details kennen, so der Trainer des deutschen Meisters und viermaligen Liga-Cup-Gewinners. „Zuviele Spiele wären sicherlich nicht gut. Aber ein, zwei Spiele mehr - das würde schon gehen.“

          Der Deutsche Fußball-Bund reagierte reserviert

          In die richtige Richtung geht die DFL-Initiative nach Auffassung von Leverkusens Geschäftsführer Holzhäuser. „Der Fußball muß sich telegener darstellen“, sagte das DFL-Vorstandsmitglied. „Wenn wir bei den Lizenzverhandlungen mit den Fernsehanstalten einen strategischen Preis erzielen wollen, müssen wir auch mehr bieten.“ Ein Befürworter des Reformkonzepts ist auch Dortmunds Manager Meier, der in dem neu gestalteten Liga-Cup einen „Solidarbeitrag für die ganze Liga“ sieht, weil alle Vereine an den Erlösen beteiligt würden. Konflikte über die künftige Verteilung der TV-Gelder aus der Bundesliga ließen sich so leichter lösen. Zumal es im kommenden Jahr einen starken Einbruch bei den Einnahmen aus der Vergabe der Fernsehrechte geben wird: Statt der mit KirchMedia vor deren Insolvenz ausgehandelten 460 Millionen Euro erhalten die Bundesligen in der Saison 2003/2004 nur 290 Millionen.

          Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagierte reserviert auf die Planspiele der DFL. „Wir sind von den Überlegungen in dieser Form überrascht worden“, sagte DFB-Pressesprecher Harald Stenger. Noch am Mittwoch fand ein Gespräch zwischen DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und Wilfried Straub, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der DFL, statt. Dabei wurde vereinbart, daß der Dialog bei ohnehin geplanten Termingesprächen fortgesetzt wird, wenn sich die DFL-Pläne konkretisiert haben. Vorschläge über mögliche Änderungen und Neuerungen „bedürfen auch einer juristischen Prüfung“, betonte Stenger.

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