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Fußball : Der Tod eines Skandalprofis: Hirnschlag mit 36

  • Aktualisiert am

Andreas Sassen spielte für Bayer Uerdingen, den HSV und Dynamo Dresden in der Bundesliga. Er galt als großes Talent, verfiel aber immer mehr dem Alkohol. Jetzt starb er verarmt in seiner Heimatstadt Essen.

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          Er galt einst als begnadetes Talent, als Instinkt-Fußballer, als möglicher Nationalspieler - doch nach zahlreichen Fehltritten abseits des Platzes hat Andreas Sassen heimlich, still und leise auch seinen letzten Kampf verloren. Am Sonntag verstarb Sassen mit 36 Jahren einsam in der Uni-Klinik in Essen an den Folgen eines Gehirnschlags. Er hatte mit Ruhm und Reichtum nie umgehen können. Seine Karriere endete nach zahlreichen Alkoholeskapaden viel zu schnell.

          Skandale pflasterten seinen Weg, schon 1989, als Sassens Profi-Laufbahn in seiner Heimatstadt bei Rot-Weiß Essen begann. Nach einer Zechtour mit Mario Basler stand der Pegel bei 1,9 Promille, der Führerschein war weg. „Ich habe noch nie den Führerschein verloren, ich habe gar keinen“, posaunte Sassen damals.

          Zechtouren, Schlägereien, Entlassungen

          Fortan fuhr er als Beifahrer - mit ihm aber weiter der Geist aus der Flasche. 1993, mittlerweile bei Bayer Uerdingen angekommen, kam es zum nächsten Skandal. Mitten im Abstiegskampf leistete sich Sassen eine feuchtfröhliche Alkoholtour mit seinem Teamkollegen Sergej Gorlukowitsch. Diemal war der Russe seinen Führerschein los, Sassen wurde von Trainer Friedhelm Funkel für ein Vierteljahr suspendiert.

          Auf dem Platz wurde der Aufstieg des begnadeten Fußballers aber nur kurz unterbrochen. Es folgte im Sommer 1993 der Wechsel zum Traditionsklub Hamburger SV. Dort wurde Sassen auf Anhieb Stammspieler. Der Klub freute sich über den „Volltreffer“ - bis sich das „enfant terrible“ im Oktober 1993 mit der fast schon legendären Taxi-Affäre selbst ins Abseits beförderte. Nach einer feuchtfröhlichen Nacht mit Harald Spörl auf der Reeperbahn kam es im Taxi zum Eklat. „Fahr schneller, Ali“, forderte Sassen von dem türkischen Fahrer. Als dieser nicht reagierte, schlug Sassen zu. Eine Strafanzeige, eine Abmahnung vom Klub sowie eine Geldstrafe in Höhe von 12.500 Mark waren die Folge. Ein Jahr später verließ der Mittelfeldspieler den HSV, der Schlachtruf „Taxifahr'n mit Sassen“ ist dagegen heute noch in der HSV-Nordkurve zu hören.

          „Ich habe alles versoffen und verzockt“

          Sassen zog es im November 1994 weiter zu Dynamo Dresden. Mit ihm kamen die Skandale. Für 700.000 Mark gekommen, wurde er bereits nach 13 Tagen suspendiert. Nächtliche Diskothekenbummel, geschwänzte Trainingseinheiten, dazu ein Autounfall als Beifahrer von Ersatztorhüter Marc Schwarzer unter Alkoholeinfluß - Trainer Horst Hrubesch hatte schnell die Nase voll. Sassen wurde nochmals begnadigt, doch als er im Frühjahr 1995 häufiger in der Kneipe als auf dem Trainingsplatz gesichtet wurde, war das Kapitel in Sachsen endgültig beendet.

          Es folgt die Flucht in die Ukraine zu Dnjpr Dnjpropetrowsk, bis ihm Zweitligaverein Wattenscheid 09 eine neue Chance gab. Alles sollte nun anders werden. Doch im Trainingslager an der Algarve im Februar 1996 folgte der nächste Eklat: Der gebürtige Essener brannte mit einer niederländischen Bardame durch, war tagelang spurlos verschwunden, und die Mannschaft reiste ohne ihn ab. Daheim saß Ehefrau Petra mit dem neun Wochen alten Sohn.

          Es kam, wie es immer kam: Sassen wurde entlassen, und seine Profikarriere war nach 79 Bundesliga- und 48 Zweitligapartien vorbei. Nicht vorbei war aber dessen Absturz. „Ich habe alles versoffen und verzockt“, sagte Sassen einmal, der sich zum Schluß mit gelegentlichen Aushilfsjobs über Wasser hielt.

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