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Fußball : Deisler zahlt Handgeld zurück

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Der Trainer steht Sebastian Deisler zur Seite Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Über zehn Millionen Euro hat Sebastian Deisler vom FC Bayern als Darlehen vorab erhalten. Weil das aber steuerliche Nachteile bringt, hat der Berliner das Geld wieder zurückgezahlt.

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          Vorauszahlungen, Handgelder, Darlehen: Die Bundesliga-Vereine sind seit jeher einfallsreich, wenn es darum geht, erfolgreich neue Spieler anzuwerben. Das war in der Vergangenheit so und wird auch in Zukunft so sein.

          Spektakulärster Fall in dieser Reihe war fraglos Sebastian Deisler. Als per Banküberweisung bundesweit sichtbar schwarz auf weiß bewiesen worden war, dass 20 Millionen Mark (10,23 Millionen Euro) Handgeld an den Spieler für einen erst zum 1. Juli 2002 vollzogenen Wechsel flossen, ging ein Aufschrei der Empörung durch das Fußball-Land. Am Pranger: der FC Bayern München.

          Deisler: "Normaler Vorgang"

          Das Medien-Echo erschreckte Spieler wie Verein gleichermaßen. Bayern-Manager Uli Honeße gab schließlich kleinlaut die Zahlung als "Darlehen" zu. Dennoch ist die Sache nicht ausgestanden. Denn Deisler wird das von Bayern München kassierte Handgeld an seinen neuen Verein zurückzahlen. Das meldete die Fachzeitschrift Kicker am Montag.

          Geld zurückgezahlt: Sebastian Deisler

          Steuerliche Gründe seien für diesen Schritt ausschlaggebend gewesen. Denn beim Finanzamt stößt man sich an einem "geldwerten Vorteil"; will heißen: Es werden Steuern fällig.

          „Ich bin zwar kein Steuerexperte. Aber es ist doch ein normaler Vorgang, dass ein Darlehen zurückgezahlt wird“, erklärte Deisler im Hertha-Trainingslager in Marbella lapidar. „Jetzt bin ich in dieser Sache schon abgehärtet. Doch als das mit dem Darlehen damals herauskam, da war das ein Schlag für mich. Das hatte mich sehr getroffen.“

          Wechsel steht nicht in Frage

          Auf den Wechsel von Hertha zum deutschen Rekordmeister hat die Rückzahlung keinen Einfluss. Der 22-Jährige spielt ab dem 1. Juli 2002 für die Bayern. Hertha kassiert für den begehrten Mittelfeldmann eine festgeschriebene Ablösesumme von rund neun Millionen Euro. Deislers Kontrakt läuft bis 2006.

          Deisler überwies offensichtlich die 20 Millionen Mark (10,23 Millionen Euro), die er vom Weltpokalsieger im vergangenen Jahr als „Darlehen“ für den Wechsel zur neuen Saison kassiert hatte, an die Münchner zurück. Frage ist nun, ob die Bayern den Betrag auf andere Art an den Spieler überweisen.

          Auch Kehl zahlte Geld zurück

          Deisler tat auf alle Fälle exakt das, was auch Nationalspieler Sebastian Kehl bereits gemacht hatte. Denn auch der vom FC Bayern umworbene Kehl, der inzwischen bei Borussia Dortmund unter Vertrag steht, hatte von den Münchnern ein Handgeld in Höhe von 1,5 Millionen Mark (767.000 Euro) kassiert.

          Die hatte der Ex-Freiburger ebenfalls - inklusive Zinsen - an den FC Bayern zurückgezahlt. Dann wechselte Kehl allerdings nicht nach München, sondern heuerte zum Ärger der Münchner in Dortmund an. Hertha-Manager Dieter Hoeneß hielt sich im Trainingslager der Berliner im spanischen Marbella bedeckt: „Ich habe die Zahlung damals nicht kommentiert und werde deshalb auch die Rückzahlung nicht kommentieren."

          DFL geißelt Praxis

          Allerdings bezieht die Deutsche Fußball-Liga (DFL) eindeutig Stellung. Als "verwerflich und absolut nicht in Ordnung" wertet Heribert Bruchhagen, DFL-Direktor Spielbetrieb, die gängige Praxis, dass "Spieler in der laufenden Saison bereits Gelder von ihrem künftigen Arbeitgeber in Empfang nehmen".

          Wie aber will sich die DFL gegen solche Vereinbarungen, meist im stillen Kämmerlein ausgehandelt und ausgetüftelt, schützen? Von Sperren oder Geldstrafen ist die Rede. Doch die Geschichte der Bundesliga hat eines gezeigt: Diese Machenschaften und Methoden waren fast nie zu unterbinden.

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