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Fußball : BVB siegte 6:1, aber Sammer war sauer - Frankfurt wieder am Abgrund

  • -Aktualisiert am

Frankfurt unterliegt in Dortmund Bild: dpa

Borussia Dortmund darf wieder vom Titel in der Fußball-Bundesliga träumen - und steht für einen Tag an der Spitze.

          Borussia Dortmund errang den höchsten Sieg seit viereinhalb Jahren, steht zumindest für einen Tag ganz vorne in der Tabelle. Und was macht der Trainer? Er schimpft und schimpft. Und redet sich in Rage.

          Matthias Sammer: „Wir haben eine katastrophale Leistung abgeliefert nach der gelb-roten Karte für Frankfurt bis zum 2:1“, sagte der 33-Jährige und meinte damit die Spielphase vom Platzverweis von Alexander Schur (26. Minute) bis zum ersten Tor von Lars Ricken (65.). Statt gnädig über die entdeckten Schwächen hinwegzusehen, machte der Trainer-Neuling sie zum Hauptthema. „Wir hätten nach dem Platzverweis für den Gegner unsere Linie halten müssen. Stattdessen sind wir rumgelaufen wie ein Hühnerhaufen“, sagte Sammer.

          Meisterliche Gesänge

          Die Fans im mit 62 000 Zuschauer gefüllten Westfalenstadion stimmten Jubelgesänge an und intonierten: „Deutscher Meister wird nur der BVB.“ Beim Mediengespräch trieb es Sammer dennoch die Zornesröte ins Gesicht: „Wir sind noch keine Spitzenmannschaft. Ich hätte meine Elf sehen wollen, wenn sie nach dem 1:1 auch noch einen Treffer zum 1:2 hätte hinnehmen müssen.“ Tatsächlich hatten die Dortmunder ihre personelle Überlegenheit nach dem überzogenen Platzverweis von Schur (Festhalten von Ricken im Mittelfeld) durch Schiedsrichter Uwe Kemmling wirkungsvoll umzusetzen.

          Nationalspieler Christian Wörns (30.) hatte per Kopfball die Führung der Westfalen erzielt, bevor der Chinese Chen Yang mit einem von Jürgen Kohler abgefälschten Schuss für den überraschenden Ausgleich für die Hessen (48.) gesorgt hatte. Kurz danach bot sich Pawel Kryszalowicz die sogar die große Chance, für das dezimierte Eintracht-Team den zweiten Treffer zu erzielen. Im Alleingang stürmte der Pole auf BVB-Keeper Philipp Laux zu, der in diesem Moment bewies, dass er ein hochklassiger Vertreter des gesperrten Jens Lehmann war.

          Sammer-Kritik an Ricken trotz zwei Toren

          Es folgte ein Tore-„Doppelschlag“ durch Lars Ricken (64. und 67. Minute), die Saisontreffer sechs und sieben von Fredi Bobic (72. und 90.) sowie ein Tor des eingewechselten Otto Addo (79.). Doch statt Lob verteilte Sammer kleine „Backpfeifen“ zum Nachdenken. „Ich hoffe, dass Lars Ricken noch stärker wird. Er muss noch mehr Einfluss nehmen in der Mannschaft.“

          Den Auftritt von Tomas Rosicky, der nach einem Länderspieleinsatz während der Woche für Tschechien etwas müde wirkte, aber erneut klug Regie führte, kommentierte Dortmunds Trainer so: „In einer Phase der zweiten Halbzeit hat er gut gespielt. Aber in der ersten Halbzeit hat er seinen Gegenspieler dreimal laufen lassen. Ich weiß seine Leistung genau einzuschätzen. Man soll die Kirche mal im Dorf lassen.“ Dementsprechend reagierten später auch seine Spieler. Von Titelambitionen will man nach wie vor in Dortmund nichts hören. „Aber alle sagen, dass wir oben mitspielen können“, erklärte Wörns: „Doch über Meisterschaft brauchen wir nicht reden. Davor kann ich nur warnen.“

          Jedlicki: „Trainersuche ist aktuell, aber für nächste Saison“

          Bei den Frankfurtern hörte sich dies anders an. Rainer Falkenhain, der langjährige Teambetreuer, war sich sicher: „Der BVB wird Meister.“ Die eigene prekäre Situation kennt man genau. Nach zwei Siegen und einem Unentschieden unter Teamchef unter Teamchef Rolf Dohmen und Assistent Armin Kraaz setzte es nach dem 1:2 gegen Bremen die zweite Niederlage hintereinander. „Man sich doch nicht am Ende so wehrlos ergeben, auch wenn man in Unterzahl ist“, sagte Horst Heldt: „Man muss doch auch an das Torverhältnis denken und ein 1:3 über die Zeit bringen können.“

          Besonders die Frankfurter müssten sich über die Bedeutung eines jeden Gegentores im Klaren sein, meinte Heldt in Hinblick auf den Abstiegskampf vor zwei Jahren, in dem die Eintracht schließlich nur um einen Treffer besser lag als Nürnberg. Tatsächlich fiel die Eintracht-Mannschaft am Ende auseinander, aber lange Zeit kämpfte sie aufopferungsvoll und spielte gut mit.

          Dummheit von Schur

          Pech hatte sie beim zu harten Platzverweis gegen Schur, obwohl Dohmen meinte: „Das war Dummheit von Alexander. Ich hatte ihm gesagt, er muss vorsichtiger spielen nach der ersten Gelben Karte.“ Dazu fiel das vorentscheidende 1:2 durch Ricken aus klarer Abseitsposition. Erst danach verloren die Hessen den Faden. „Mit so einem Debakel wird es ganz schwer“, räumte Dohmen ein.

          Der nächste Gegner heißt Schalke 04. Steven Jedlicki, der starke Mann bei der Eintracht, versicherte, dass Dohmen weiter verantwortlich bleiben werde. Er habe die Aufgabe übernommen, einen neuen Cheftrainer zu finden, „damit sich Dohmen auf die Mannschaft konzentrieren kann“. Jedlicki: „Die Trainersuche ist aktuell, aber für die nächste Saison.“ Fünf Wochen nach der Magath-Entlassung wäre ein nochmaliger Wechsel in der sportlichen Leitung unnötig, betonte er.

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