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Fußball-Bundesliga : Zittersieg für den HSV im "Derby des Grauens"

  • Aktualisiert am

Wieder da: Torschütze Milan Fukal (re.) jubelt mit Landsmann Tomas Ujfalusi Bild: AP

Das 4:3 des Hamburger SV über den Lokalrivalen St. Pauli verschaffte dem Sieger Luft zum Tabellenende, während Verlierer St. Pauli mit nur sieben Punkten den Anschluss verliert.

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          Der „Krisengipfel des Nordens“ machte seinem Namen alle Ehre. Nach sieben Toren, acht Gelben Karten und 90 Minuten Spannung pur feierten sogar die Fans des FC St. Pauli, die nach dem 3:4 im Lokalderby gegen den HSV fast schon auf Abschiedstour in der Bundesliga gehen können.

          „Es war kein Derby des Grauens, man hat gesehen, dass auch in Hamburg guter Fußball gespielt wird“, stellte HSV-Coach Kurt Jara nach dem verdienten Erfolg im 127. Stadtduell erleichtert fest: „Wir sind die bessere Mannschaft, das war vorher schon klar.“ Nach zuletzt fünf sieglosen Spielen ging es für den Hamburger SV aber nicht nur um die Hierarchie in der Hansestadt.

          Gelungenes Comeback für Fukal

          Es ging auch darum, sich spielerisch vom Bundesliga-Schlusslicht abzusetzen und den Sturzflug in der Bundesliga zu beenden. „Das war ein kleiner Befreiungsschlag, auch wenn die Partie bis zuletzt auf des Messers Schneide stand“, sagte Holger Hieronymus, der als Sportdirektor des HSV seit Wochen in der Kritik steht. Mit Genugtuung registrierte der Ex-Profi, dass die zusammen mit dem geschassten Trainer Frank Pagelsdorf getätigten Einkäufe nicht nur für negative Schlagzeilen sorgen. Neben Jörg Albertz (9,5 Millionen Mark/5 Millionen Euro), der mit seinen guten Pässen Übersicht bewies, feierte der zweitteuerste HSV-Einkauf (5,7 Millionen Mark) der Geschichte, Milan Fukal, ein gelungenes Comeback.

          Der 26-jährige Fukal war schon fast nach Nürnberg weiterverkauft, da stürmte er von der Tribüne in die Torschützenliste. „Warum sollen wir ihn wegschicken, wenn er sich aufdrängt“, meinte Hieronymus zur Zukunft des tschechischen Nationalspielers. Erst durch den Ausfall von Kapitän und Abwehrchef Nico-Jan Hoogma (Sehnenverletzung im Fuß) rückte er ins Team und stabilisierte die neue Viererkette. Mit seinem Kopfballtor (8.) aus kurzer Distanz rechtfertigte er seinen Einsatz in seinem zweiten Saisonspiel nach neunwöchiger Pause.

          St. Pauli: Leidenschaftlicher Kampf trotz Rückstand

          Sogar nach den Blitztoren - Erik Meijer traf schon nach vier Minuten - bekam die Kulisse von 54.800 Zuschauern einen HSV zu sehen, der an Entschlossenheit wenig zu wünschen übrig ließ. Nach drei Versuchen gelang Collin Benjamin fast mit dem Pausenpfiff des 3:0 - so hoch hatte der Traditionsverein zur Halbzeit noch nie gegen den kleinen Nachbar geführt. „Die erste Halbzeit war der Horror“, stellte Christian Rahn fest, denn der Rückstand hätte sogar noch höher sein müssen. Der St. Paulianer wird in der kommenden Saison wohl mit Sicherheit in der ersten Liga kicken: Das Talent wechselt die Seiten, wie zuvor schon Bernd Hollerbach, der gegen den Kiez-Club zu den Besten gehörte.

          Doch St. Pauli wäre nicht St. Pauli, wenn sich die Mannschaft danach aufgegeben hätte. Mit leidenschaftlichem Kampfgeist versuchte die Multi-Kulti-Truppe in den zweiten 45 Minuten alles, um noch einen Punkt aus der AOL-Arena mitzunehmen. Sergej Barbarez (52. Minute) beantwortete zwar den Anschlusstreffer von Thomas Meggle (47.) schnell mit dem 4:1, doch André Trulsen weckte mit einem Doppelpack (79./82./Foulelfmeter) noch einmal die Hoffnungen der 18.000 anfeuernden St. Pauli-Anhänger.

          „Wir haben die Alternative, die Mannschaft nun abzumelden, aber das tun wir natürlich nicht. Wir werden weiterkämpfen“, sagte Manager Stephan Beutel, der nun sicher mit den Planungen für die 2. Liga beginnt. Denn auch im Heimspiel gegen die Mannschaft der Stunde, den SV Werder Bremen, wird es kaum etwas zu holen geben: Nach der fünften Gelben Karte fehlt neben vielen Verletzten nun auch Meggle.

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