https://www.faz.net/-gtl-2id1

Fußball-Bundesliga : Vogts' „seriöse“ Leverkusener melden sich zurück

  • -Aktualisiert am

Drei Punkte für den Titelkampf: Berti Vogts Bild: AP

Dank einer engagierten Leistung hat Bayer Leverkusen gegen Werder Bremen mit 3:0 (1:0) gewonnen und einen wichtigen Sieg für den in die Kritik geratenen Berti Vogts errungen.

          3 Min.

          Bayer 04 Leverkusen meldete sich als Spitzenteam der Liga zurück, aber dies löste völlig unterschiedliche Reaktionen aus.

          Nach dem 3:0 (1:0) gegen den SV Werder Bremen, der als beste Rückrunden-Mannschaft angereist war, fand Bayer-Trainer Berti Vogts eine neue Lieblingsformulierung: „Wir haben seriös gearbeitet, auch in der Zeit, als wir dreimal verloren haben.“

          Den Begriff der „seriösen“ Arbeit führte der frühere Bundestrainer, an dessen Qualitäten als Clubcoach nach den drei Niederlagen in Rostock, gegen Cottbus und bei 1860 München schon leise Zweifel aufgekommen waren, nach dem Abpfiff ein halbes Dutzend Mal aus. Während der 54-Jährige sich, seine Assistenten und sein Spielerpersonal nachträglich vor der vorangegangenen Kritik in Schutz nahm, ging Manager Reiner Calmund weniger gnädig mit der Mannschaft um.

          Calmund: „Ich habe eine Riesenwut“

          „Schön, dass wir gewonnen haben. Aber da steigt in mir doch der Zorn hoch, wenn ich an die Niederlagen denke. Ich kann den Spielern nicht kameradschaftlich auf den Rücken schlagen und so tun, als wenn nichts gewesen wäre“, erregte sich der schwergewichtige Bayer-Geschäftsführer. „Ich sehe nicht, warum ich den Spielern ein Kompliment machen muss. Das war ein normales Spiel. Eigentlich habe ich eine Riesenwut, wenn ich an Rostock und Cottbus denke.“

          Denn mit Punktgewinnen gegen die beiden ostdeutschen Teams stünden die Leverkusener an der Spitze der Bundesliga. Dass sie das Vermögen dafür besitzen, bewiesen sie auch ohne die Stammkräfte Jens Nowotny (verletzt), Ulf Kirsten (gesperrt) und Diego Placente (erkrankt) gegen die Bremer. Nicht nur die Einstellung stimmte wieder, phasenweise blitze auch spielerische Brillanz auf.

          Werder-Trainer Schaaf: „Das war nichts“

          Vor 22 500 Zuschauern ließ der Vizemeister, für den Lucio (12.), Oliver Neuville (54.) und Thomas Brdaric (62.) die Tore schossen, dem SV Werder keine Chance. Nach der ersten Niederlage im Jahr 2001 traf Trainer Thomas Schaaf ein klares Urteil : „Das war von unserer Seite nichts. In den Bereichen, die uns zuletzt stark machten, haben wir Schwächen gezeigt. Kein Aggressivität gezeigt, keine Zweikämpfe angenommen, bei Standards schlecht verhalten - wir haben sehr viel falsch gemacht.“

          Der Erfolg der Rheinländer ginge „absolut in Ordnung“, meinte Schaaf. Als Berti Vogts auch etwas Kritisches zu seinem Team anmerkte, konnte der Werder-Coach nur nicken. „Ich bin unzufrieden mit der Chancenauswertung. Ein 5:0 oder 6:0 wäre richtig gewesen“, meinte der Bayer-Trainer. Vor allem Neuville hätte mehr als nur seinen zwölften Saisontreffer erzielen können, aber er scheiterte entweder am guten Werder-Torwart Frank Rost oder schoss, wie in der 82. Minute, den auf der Torlinie stehenden Andreas Herzog an.

          Herzog: „Wir hatten zu viel Selbstvertrauen“

          Der Österreicher war schwer verstimmt über das Ende der Erfolgsserie. Während der Woche hatten einige Werder-Akteure von der möglichen Qualifikation zur Champions League gesprochen. „Wenn sie solche Ziele nennen, müssen sie sich auch daran messen lassen“, sagte Schaaf, der in der Abwehr auf Frank Baumann verzichten musste. Aber an der Umstellung der Defensive lag es nicht, dass die Bremer überhaupt nicht ins Spiel kamen.

          „Wir hatten zu viel Selbstvertrauen. Da übernimmt man sich ein bisschen. Und es kommt ein Gegner, der mit dem Rücken zur Wand steht, und alles gibt“, skizzierte Herzog den entscheidenden Mangel. Exakt das gleiche Problem hatte die Leverkusener in den Vorwochen zurückgeworfen. Auch sie gingen bei den Niederlagen in Rostock und Cottbus nach dem umjubelten Start ins Jahr 2001 nicht mit der optimalen Einstellung ans Werk .

          Leverkusener Titel-Hoffnungen kehrten zurück

          „Danach hat sich jeder seine Gedanken gemacht. Und es war genug geredet worden. Wir haben uns zusammen gerissen“, sagte Carsten Ramelow. Der Leverkusener Nationalspieler schürte vor den schweren Spielen in Dortmund und gegen Schalke wieder sachte die Hoffnungen auf den Titel. „So lange wir die Chance haben, werde ich das Ziel nicht aus den Augen verlieren“, erklärte der Mittelfeldspieler, der zusammen Lucio die Abwehr organisierte und Herzog die Wirkung nahm.

          Lucio war erst am Morgen vor dem Spiel vom Länderspiel der Brasilianer in Mexiko (3:3) nach Leverkusen zurückgekehrt und hatte vor der Partie einige Stunden geschlafen. Doch anders als der SV Werder war der Brasilianer hellwach und zeigte, wie sehr er seinem Team gegen Cottbus und 1860 München gefehlt hatte. Dass sich bei Bayer 04 bei einer weiteren Niederlage die Krise ausgeweitet hätte, machte der seriös arbeitende Trainer Vogts deutlich: „Meine Mannschaft hat unter einem enormen Druck gespielt. Aber sie hat ihn zur Seite gelegt.“

          Bayer Leverkusen - SV Werder Bremen 3:0 (1:0)

          Leverkusen: Matysek - Zivkovic, Lucio (82. Vranjes), Kovac - Reeb, Ramelow, Schneider (86. Dzaka) -Ballack, Ze Roberto - Neuville, Rink (46. Brdaric)

          Bremen: Rost - Stalteri, Verlaat, Krstajic -Frings, Eilts (57. Dabrowski), Ernst (62. Lee), Bode - Herzog - Ailton (86.Trares), Pizarro

          Schiedsrichter: Stark (Ergolding)

          Zuschauer: 22 500 (ausverk.)

          Tore: 1:0 Lucio (12.), 2:0 Neuville (54.), 3:0 Brdaric (62.)

          Gelbe Karten: Schneider, Ze Roberto, Zivkovic / Ailton, Krstajic, Frings

          Beste Spieler: Lucio, Schneider, Neuville / Rost, Verlaat

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          EU-Unterhändler Michel Barnier

          Europäische Union : Hoffnung auf Gipfel-Deal zum Brexit

          Die EU und Großbritannien sind deutlich vorangekommen – und trotzdem ist ein neuer Brexit-Vertrag beim Treffen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel noch keine ausgemachte Sache. Es steht ein schwieriger Gipfel bevor.
          Sandra Maischberger

          TV-Kritik „Maischberger“ : Durcheinander als Unterhaltung

          Nun wird Sandra Maischberger künftig mehrere Themen einer Woche aufgreifen und in wechselnder Besetzung erörtern. Auch der neue Anlauf wirkt nicht überzeugend. Das gilt für das Arrangement ebenso wie für die Details.
          Unser Sprinter-Autor: Felix Hooß

          F.A.Z.-Sprinter : Britische Zwickmühle

          Ist heute der Tag der Einigung? Alles sieht danach aus, als würden Brüssel und Großbritannien doch noch zusammenfinden. Außerdem: VW versucht die betrogenen Kunden mit Vergleichen zufrieden zu stellen. Was heute sonst noch wichtig wird, der F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.