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Fußball-Bundesliga : Toppmöller ersetzt geschassten Vogts

  • Aktualisiert am

Neu bei Bayer: Klaus Toppmöller Bild: AP

Klaus Toppmöller wird neuer Trainer des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen und Nachfolger von Berti Vogts.

          3 Min.

          Klaus Toppmöller soll nach dem „Missverständnis Berti Vogts“ Bayer Leverkusen wieder auf Erfolgskurs bringen und den Traum von der ersten deutschen Fußball-Meisterschaft wahr werden lassen.

          Nur 17 Stunden nach der Bekanntgabe der Trennung vom ehemaligen Bundestrainer wurde der 49 Jahre alte Toppmöller als Nachfolger präsentiert. Der ehemalige Bundesliga-Coach von Eintracht Frankfurt und des VfL Bochum unterschrieb einen Vertrag bis 30. Juni 2003. Neue Assistenten werden der bisherige Bayer-Amateurtrainer Peter Hermann und Ralf Minge, zuvor Nachwuchskoordinator in Leverkusen.

          Toppmöller will begeistern

          „Ich freue mich auf die Riesenaufgabe bei Bayer Leverkusen. Ich will eine neue Aufbruchstimmung wecken. Ich will keine Prognose über eine Platzierung abgeben, aber wir wollen erfolgreich Fußball spielen und die Leute begeistern“, sagte Toppmöller, der ehemalige Bundesliga-Profi des 1. FC Kaiserslautern (204 Spiele/108 Tore), bei seiner Präsentation in der BayArena.

          Entlassen: Vogts und Littbarski

          Am Sonntagabend hatte der Werksklubs die 189-tägige Kurz-Ära Vogts beendet, der trotz des Erreichens der Champions-League-Qualifikation zusammen mit seinen Assistenten Pierre Littbarski und Wolfgang Rolff vorzeitig gehen musste.

          Rolex tragen und Dreck fressen

          Manager Reiner Calmund hatte am Montagmorgen die Bayer-Stars im Mannschaftsbus über die Entscheidung informiert und ihnen nochmals eindringlich die Leviten gelesen. „Sie können gerne Rolex-Uhren und Gucci tragen, aber wenn sie trainieren, dann sollen sie auch Dreck fressen. Uns ist klar, dass wir massiv an die Mannschaft ran müssen. Sie ist zu 85 Prozent für Erfolg und Misserfolg verantwortlich“, meinte der Bayer-Macher, den die Ereignisse der letzten Wochen und Monate nach eigener Aussage nervlich mehr mitgenommen haben als die Fast-Abstiegssaison 1996.

          Toppmöller soll der zuletzt deutlich unter ihren Möglichkeiten gebliebenen Bayer-Truppe neues Leben einhauchen. Bereits im vergangenen November war „Toppi“ als neuer Chefcoach unter dem Bayer-Kreuz als Nachfolger von Interims-Teamchef Rudi Völler gehandelt worden. Damals galt er sogar als Wunschkandidat Nummer eins vor Vogts. Allerdings scheiterte die Verpflichtung an der 20-Millionen-Mark-Ablöseforderung von Toppmöllers damaligem Arbeitgeber 1. FC Saarbrücken.

          Kontakt schon vor 14 Tagen

          „Schon damals waren wir uns fast einig. Vor 14 Tagen hat es dann wieder Kontakt zu Bayer gegeben. Calmund hat mich gebeten, vor dem 20. Mai nicht bei einem anderen Verein zu unterschreiben“, erklärte der neue Coach. Er geht davon aus, das Leistungspotenzial der Leverkusener Truppe voll abrufen zu können: „Die Mannschaftsführung gehört zu meinen Stärken.“

          In Leverkusen trifft Toppmöller voraussichtlich im Bochumer Yildiray Bastürk einen alten Bekannten wieder. Diesem hatte er unlängst geraten, zu Bayer und nicht nach Hamburg zu wechseln. Außerdem verstärkt sich Bayer mit Abwehr-Ass Michael Zepek (Karlsruher SC), der Robert Kovac (Bayern München) ersetzen soll, dem österreichischen „U21“-Nationalspieler Emanuel Pogatetz (FC Kärnten) und Torwart Jörg Butt (Hamburger SV).

          Vogts wäscht keine schmutzige Wäsche

          Heimlich, still und leise war zuvor Vogts von der Bundesliga-Bühne wieder abgetreten. Trotzdem blickte er keineswegs zurück im Zorn und macht auch seinem Freund Calmund keinen Vorwurf. „Man muss klar trennen zwischen Job und Freundschaft. Ich tue das, ich hoffe, Reiner Calmund auch“, sagte der beurlaubte Fußball-Lehrer. „Ich kann gut damit leben.“

          Das kurze Gastspiel des Ex-Bundestrainers wird den Uefa-Cup-Sieger von 1988 aber teuer zu stehen kommen, denn Vogts besitzt noch einen Vertrag bis 30. Juni 2003 und dürfte schätzungsweise 3,5 Millionen Mark Abfindung erhalten. „Ich bin beurlaubt. Eine solche Angelegenheit ist nicht von heute auf morgen zu regeln“, äußerte Vogts zu den Spekulationen über die Abfindung. Mit dem ehemaligen Cheftrainer des Deutschen Fußball-Bundes (1990 bis 1998) mussten auch seine Assistenten Pierre Littbarski und Wolfgang Rolff vorzeitig gehen.

          Schumacher darf bleiben

          „Den Spielern hat die Orientierung gefehlt. Wenn der Cheftrainer 20 Minuten auf der Tribüne sitzt und dann runter zur Spielerbank kommt, das hat zu Irritationen geführt“, kommentierte „Litti“. Torwarttrainer Toni Schumacher, der sich zuletzt mit Äußerungen sehr zurückgehalten hatte, darf hingegen bleiben. Calmund: „Das war eine andere Baustelle.“

          Vogts hat trotz des schnellen Endes seiner ersten Bundesliga-Trainerstation den Humor nicht verloren. An Urlaub denkt der ehemalige „Bundes-Berti“ nicht: „Ich habe doch schon zwei Jahre nach meinem Rücktritt als Bundestrainer Urlaub gemacht. Außerdem war es für mich fast Urlaub, wenn ich mit den Spielern auf dem Platz arbeiten durfte. Am Mittwoch fliege ich erstmal nach Mailand zum Champions-League-Finale. Ich hoffe, dort ein tolles Spiel zu erleben.“ Es sei ihm gegönnt, denn von den Bayer-Stars wurde er zuletzt in dieser Hinsicht alles andere als verwöhnt.

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