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Fußball-Bundesliga : Perfektionist Toppmöller: „Rückschlag“ trotz Auswärtssieg

  • -Aktualisiert am

Vermittelt Bayern-Bewusstsein: Klaus Toppmöller Bild: AP

4:1 bei 1860 München gewonnen, dennoch war Leverkusens Trainer Klaus Toppmöller nicht ganz zufrieden. Er misst sich an den Bayern.

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          Am Mannschaftsbus von Bayer Leverkusen herrschte ein lebhaft-lautes Stelldichein. Ursache dafür war das 4:1 beim TSV München 1860. „Der Kühlschrank ist voll, nehmt euch nur", spornte der Busfahrer die Crew zu einem Bier an.

          Es herrschte ausgelassene Stimmung. Allein Klaus Toppmöller blieb zurückhaltend. Und übte trotz des Sieges Kritik an seiner Mannschaft: „Das war heute ein kleiner Rückschlag", dozierte der Diplom-Sportlehrer. „Wir haben das Spiel nicht so dominiert, wie ich mir das vorstelle. Es war eines unserer schwächsten Spiele in dieser Saison, wenn nicht das schlechteste. Im Mittelfeld war teilweise so viel Platz, dass man da mit einem Lkw hätte wenden können."

          Immerhin, der Trainer wartete mit einem kleinen Freispruch auf: „Man hat deutlich gesehen, dass die, die Mitte der Woche im Spiel der Champions League in Istanbul alles gegeben haben, schwere Beine hatten. Deshalb werde ich meiner Mannschaft auch nicht den Kopf abreißen."

          Als Chefcoach noch ohne Punkt: Peter Pacult
          Als Chefcoach noch ohne Punkt: Peter Pacult : Bild: dpa

          In Unterzahl den Sieg herausgespielt

          Was wohl auch noch schöner wäre. Denn trotz gelegentlicher - kaum einmal zwingender - Chancen beherrschten die Leverkusener die Partie vor 25.000 Zuschauern bis auf 20 Minuten ab Wiederanpfiff. Nach Toren von Thomas Häßler (31.) und einem Eigentor ausgerechnet durch den ehemaligen Leverkusener Torben Hoffmann (33.) leitete der Platzverweis für Leverkusens Brasilianer Lucio wegen Foulspiels und Meckerns die Wende ein.

          Linksverteidiger Placente (78.), Schneider (84.) und schließlich Neuvillle (90.) sorgten für klarste Verhältnisse. „Sagenhaft, was wir zurzeit für ein Selbstbewusstsein haben“, sagte Bernd Schneider. „Die Abwehr ist so gut wie unüberwindlich, und die Stürmer machen die Tore genau zum richtigen Zeitpunkt.“

          Bayern-Bewusstsein eintrichtern

          Ebenso bemerkenswert wie der Torvollzug ist bei Bayer Leverkusen das virtuose Mittelfeldspiel. Es bildet den Grundstein für Toppmöllers System: „Wir trainieren seit Wochen jeden Tag das Direktspiel auf engstem Raum. Nicht nur, dass die Mannschaft damit das Rüstzeug für die entscheidende Dominanz im Mittelfeld bekommt. Die Spieler verinnerlichen so das Gefühl der Überlegenheit und des Sieges."

          Das Geheimnis der Erfolge vom FC Bayern München etwa sei, „dass diese Mannschaft das Spielfeld betritt mit der Gewissheit, nur sie kann gewinnen“, so Toppmöller. „Und deshalb gewinnen sie auch. Ich arbeite in Leverkusen mit Hochdruck daran, genau dieses Bewusstein in die Mannschaft zu bringen. Und sie ist auf genau dem richtigen Weg."

          Ballack: „Plus gegenüber den Bayern“

          Ein Blick auf die Tabelle gibt Toppmöller Recht. Bayer Leverkusen dürfte in dieser Saison der einzige ernsthafte Konkurrent für den FC Bayern sein. Dazu Mittelfeldass Michael Ballack, in München deutlich von Müdigkeit gezeichnet: „Ich glaube sogar, wir haben ein Plus gegenüber den Bayern. Während die Bayern relativ häufig rotieren, spielen wir seit Wochen immer mit der gleichen Startformation. Obwohl das schlaucht, sind wir damit erfolgreich. Das ist ein Plus gegenüber dem FC Bayern."

          Und Bernd Schneider meint: „Unser Kader ist genauso gut besetzt wie der vom FC Bayern. Was die voraus haben, ist alleine die Erfahrung. Vor denen brauchen wir uns nicht zu verstecken."

          Noch kein Punkt für Pacult

          Während Leverkusen voller Zuversicht ist, verließen die Spieler der Münchner Löwen deprimiert und desillusioniert das Spielfeld. Keinen einzigen Punkt hat Trainer Peter Pacult in zwei Spielen nach Werner Lorant verbuchen können - das ist ein bedenkliches Resultat. Leidet die Mannschaft an Realitätsverlust?

          „So, wie wir aus der Halbzeit gekommen sind, hätten wir nie verlieren dürfen", klagte Torben Hoffmann. Der Eigentorschütze vergaß dabei, dass Häßlers 1:0 lediglich ein Glücksschuss, dass sämtliche Löwen-Möglichkeiten nicht zwingend und die Dominanz lediglich zu einem Viertel bei den Hausherren waren.

          Die gegenüber der Lorant-Ära verbesserte Einsatzbereitschaft täuschte über gravierende substanzielle Mängel hinweg. Die Probleme der Hausherren waren den Leverkusenern freilich einerlei. „Wir sind auf einem verdammt guten Weg“, sagte Bernd Schneider. „Wir haben noch kein Saisonspiel verloren, vor dem FC Bayern brauchen wir überhaupt keine Angst zu haben."

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