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Fußball-Bundesliga : Neubarth: Auf Schalke angeheuert, in Bremen ausgemustert

  • -Aktualisiert am

Neuer Trainer auf Schalke: Frank Neubarth Bild: AP

Frank Neubarth wird zur nächsten Saison neuer Trainer beim FC Schalke 04. "Der Vertragsabschluss wird diese Woche über die Bühne gehen", sagte der 39-Jährige zu FAZ.NET.

          Frank Neubarth muss sich ein bisschen wie im Märchen vorkommen. Bei Werder Bremen wird sein Vertrag am Saisonende nicht verlängert - als Trainer der Amateure wohlgemerkt. Nun hat der 39-Jährige eine viel bessere Perspektive: Er wird neuer Trainer bei Schalke 04 - für die Profis natürlich.

          "Der Vertragsabschluss wird diese Woche über die Bühne gehen", erklärte Neubarth am Montag gegenüber FAZ.NET. Noch heute wird er mit Rudi Assauer weitere Gespräche führen.

          Schalkes Teammanager: Intelligent, ruhig und vernünftig

          "Es geht in die Richtung"; bestätigt Andreas Müller, "wir verhandeln mit keinem anderen." Der Schalker Teammanager lobt den "Neuen" schon überschwänglich: "Er ist sehr intelligent, ruhig und vernünftig. Schon in seiner aktiven Zeit als Spieler hat er strategisch und wie ein Trainer gedacht." Die Einigung ist nur noch Formsache.

          Holt mit Frank Neubarth einen Bremer Bekannten: Rudi Assauer

          "Das wird relativ schnell gehen", sagt Neubarth, der sich mit gewohnter hanseatischer Zurückhaltung nicht viel von seiner Freude anmerken lässt. "Viel gibt es eigentlich nicht zu sagen."

          Risikoreiche Variante

          Ganz so ist es allerdings nicht: Der Trainerposten bei FC Schalke 04 ist nicht erst nach der Vizemeisterschaft im Vorjahr, dem Bau der Arena AufSchalke und der sechsjährigen Zusammenarbeit mit Huub Stevens einer der schwierigsten der Liga. Neubarth hat dagegen nach seiner aktiven Karriere zwar das Diplom als Fußball-Lehrer in Köln erworben, jedoch vergleichsweise wenig Erfahrung: drei Jahre Coach der Bremer B-Junioren, drei Jahre Trainer der Werder-Amateure.

          Das weiß auch Assauer, der mehrere Varianten der Stevens-Nachfolge durchspielte. Der mächtige Manager entschied sich für den risikoreichsten Weg: einem jungen, relativ unbekannten deutschen Trainer das Vertrauen zu schenken. Eben Neubarth. Die Ansprüche sind hoch: Schalke will und muss bald wieder international spielen, dazu verlangt Assauer nach dem Schweiger Stevens einen Coach, der sich gegenüber den Medien öffnet. Ob allerdings der eher wortkarge und zurückhaltende Neubarth dieses Kriterium erfüllt, erscheint zumindest zweifelhaft.

          "Auch zu Fuß nach Gelsenkirchen"

          Der Auserkorene berichtet mit nüchtern-sachlicher Art vom Zustandekommen der Zusammenarbeit, "die am 1. Juli beginnen soll" (Neubarth).

          "Wir haben vor Weihnachten das erste Mal miteinander gesprochen. Rudi Assauer hat mich angerufen. Dann bin ich nach meinem Ski-Urlaub am Samstag zur Geschäftsstelle gefahren und habe mit Assauer verhandelt." Beide Seiten fanden schnell zueinander, zumal Neubarth aus seinem Interesse keinen Hehl macht. "Ich würde auch zu Fuß nach Gelsenkirchen gehen."

          "Assauer wollte mich schon 1994 als Spieler holen"

          Die Wertschätzung auf der Gegenseite ist ebenfalls groß. Müller hat bei Neubarth den Eindruck, als könne ihn nichts aus der Ruhe bringen. "Zudem hat er Grips im Kopf und großen Fußball-Sachverstand."

          Assauer, der vor dreieinhalb Jahren bereits den Bremer Oliver Reck und zur neuen Saison Frank Rost in den Westen lotste, hat zum gebürtigen Hamburger über Jahre Kontakt. "Er wollte mich ja auch 1994 als Spieler zu Schalke holen. Nur da hatte ich gerade meinen letzten Vertrag in Bremen unterschrieben." Nun aber steht kein Vertrag mehr im Wege, Vorstandsmitglied Klaus-Dieter Fischer gibt gar zu verstehen, dass die Bremer selbst einen sofortigen Amtsantritt in Gelsenkirchen nicht verhindern würden. "Dann können wir schnell miteinander reden. Wir stellen uns da nicht quer."

          In Bremen abgeschoben

          Was Fischer so deutlich nicht sagen will: Die Bremer haben Neubarth ohnehin zum Saisonende abgeschoben. Was der ehemalige Vizepräsident als "unterschiedliche Auffassungen über Jugend- und Nachwuchsarbeit" beschreibt, wird hinter den Kulissen als Vertrauensbruch für Neubarth gewertet: Denn ihm werden zur neuen Saison mit Thomas Wolter (Amateure) und Dieter Eilts (A-Junioren) zwei ehemalige Mitspieler vorgezogen.

          "Wir sind im Trainerstab gut besetzt", führt Fischer aus, der Neubarth attestiert, "ein guter Trainer zu sein, doch es gab noch fünf andere Aufträge für einen Amateurtrainer." Und die hat der Ex-Profi offenbar nicht zur vollen bremischen Zufriedenheit erfüllt - unter anderem wird ihm vorgeworfen, den mittlerweile bei Hannover 96 etablierten Innenverteidiger Dame Diouf bei den Amateuren auf die Bank verbannt zu haben.

          Nette und überraschende Gespräche

          Neubarth hat es entsprechend mächtig geärgert, im November vergangenen Jahres abgeschoben zu werden. "Die Art und Weise war enttäuschend. Die Gründe haben ja ständig gewechselt." Auch deshalb war "ich sehr überrascht, dass Rudi Assauer mich angerufen hat."

          Assauer lobt den guten Eindruck, den er nach einem langen Gespräch gemeinsam mit Vizepräsident Josef Schnusenberg und Geschäftsführer Peter Peters von Neubarth gewann. Nett miteinander geredet habe man, erklärte Assauer, "wir sind uns weitgehend einig", erläuterte Neubarth, offensichtlich soll der Vertrag vom 1. Juli 2002 bis 2004 datiert werden.

          "Jungen Trainern eine Chance"

          Vielleicht ändert sich indes der Amtsantritt noch. Wenn nämlich sich der Verdacht erhärtet, dass der bislang noch bis zum Saisonende vorgesehene Stevens doch schon länger mit Hertha verhandelt hätte, würde Assauer Konsequenzen ziehen und Stevens sofort entlassen. Neubarth hat sich mit dieser Möglichkeit noch nicht beschäftigt. "Wir werden uns noch unterhalten. Ich gehe vom 1. Juli aus."

          Bremens Klaus-Dieter Fischer hält die Gelsenkirchener Wahl gründsätzlich für eine richtige: "Es dürfen in der Bundesliga doch nicht immer die gleichen Trainer arbeiten. Deutschland hat gute Trainer: Nur müssen Matthias Sammer oder Thomas Schaaf auch die Chance bekommen. Und in Bremen zeigen wir doch gerade, wie weit man mit einem jungen, unverbrauchten Trainer kommen kann, der Vertrauen erhält."

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