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Fußball-Bundesliga : Lockerer Sieg in Trainingskleidung

  • -Aktualisiert am

Zweifacher Torschütze: Claudio Pizarro Bild: dpa

Auch ohne acht verletzte Spieler hat Titelverteidiger Bayern München beim 1. FC Köln mit 2:0 gewonnen. Der Druck auf Ewald Lienen wächst.

          3 Min.

          Über das Gesicht von Ottmar Hitzfeld huschte kurz ein Ausdruck des Mißfallens. "Das war eine peinliche Geschichte", sagte er. Der korrekte Trainer des FC Bayern München, der als Dressman für einen Herrenausstatter wirbt, empfand die falsche Kleiderordnung seiner Mannschaft als wenig würdig für den Rekordmeister.

          Vor dem 2:0 (1:0) seiner Mannschaft beim 1. FC Köln hatten die Münchner in der Kabine hektisch eine Kurzlektion im Haushaltsfach Textilbearbeitung absolvieren müssen. Draußen vor der Kabine stand Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich und drohte, unter diesen Umständen könne er die Partie nicht anpfeifen. Denn die Kölner und auch der FC Bayern hatten beabsichtigt, mit roten Trikots aufzulaufen. "Das war unser Fehler. Unser Zeugwart hatte diesmal nicht zwei verschiedene Trikotsätze eingepackt", sagte Manager Uli Hoeneß. "Da haben alle geholfen, von den Trainingstrikots einfach die Ärmel abzuschneiden."

          Bayern cool und clever

          Nach der hektischen, sauber ausgeführten Schneiderarbeit wurde die "Trainingsleibchen" über die normalen Jerseys gestreift. "Das ist nicht gerade optimal und bundesliga-like", meinte Fröhlich, schickte die Mannschaften aufs Feld und pfiff die Partie mit zehn Minuten Verspätung an. Am neuen Bayern-Outfit fehlten die vorgeschriebenen Rückennummern und die Spielernamen, so dass die Münchner für viele der 42.000 Zuschauer im ausverkauften Müngersdorfer Stadion ein ziemlich schwer zu identifizierbares Kollektiv blieben.

          Locker und ruhig, ganz der Trainingskleidung entsprechend spielten, schaukelten die anonymen Bayern dank der Saisontreffer fünf (27.) und sechs (70.) von Claudio Pizarro den achten Sieg in der Bundesliga in Folge nach Hause. Trotz der Personalnöte reichte dem Meister eine Leistung von cooler, cleverer Machart, mit der er sich für die Champions-League-Partie um den Gruppensieg bei Sparta Prag am Mittwoch schonte. "Ein Trainingsspiel war es aber nicht. Die Spieler waren hoch konzentriert und im Angriff sehr effizient. Sie haben die Fehler der Kölner konsequent ausgenutzt", kommentierte Hitzfeld den Erfolg.

          Neben Fink nur Nationalspieler

          Denn die Bayern können (derzeit) machen, was sie wollen, es endet positiv. Eine Strafe seitens des DFB wird es nicht geben, im Gegenteil. Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel meinte: "Es ist doch ganz sympathisch, dass es im durchorganisierten Profi-Fußball noch Pannen gibt."

          Auf dem Rasen blieben sie allerdings aus, obwohl mit Effenberg, Jeremies, Scholl, Jancker, Niko Kovac, Salihamidzic, Elber und Lizarazu insgesamt acht Akteure aus gesundheitlichen Gründen nicht einsatzfähig waren. Mit drei Ergänzungen ließe sich aus dieser Ausfallliste wohl eine Mannschaft formen, die in der Bundesliga an der Spitze mitmischen würde. Doch auch auf dem Feld stand noch immer eine Bayern-Elf, die bis auf Thorsten Fink nur aus Nationalspieler bestand.

          Sichone ohne Praxis mit Fehlern

          "Ich hatte befürchtet, dass die Mannschaft etwas überheblich werden könnte nach den Erfolgen der vorigen Wochen. Dafür gab es gewisse Anzeichen", verriet Uli Hoeneß: "Zudem war sie etwas müde, aber die Kölner haben zu wenig Druck gemacht. So war es dann doch relativ leicht für uns."

          Denn die Tore von Pizarro bezeichnete Hitzfeld "als Geschenk". Bei der fünften Niederlage in Folge hatte FC-Trainer Ewald Lienen erstmals seit zehn Wochen wieder Moses Sichone aufgeboten. Der 24 Jahre alte Innenverteidiger aus Sambia, in der vorigen Saison noch ein Leistungsträger des Geißbock-Klubs, produzierte ohne Wettkampfpraxis die entscheidenden Fehler.

          FC nur mit Zweitliga-Niveau

          Hitzfeld wunderte sich über die Leichtigkeit des Führungstreffers, als Pizarro einen 40-Meter-Freistoß von Michael Tarnat ins Netz wuchtete: "Er kam allein zum Kopfball, was in der Bundesliga nicht passieren darf. Man kennt Pizarro doch." Vor dem 0:2 bolzte Sichone an der Mittellinie zunächst einen Ball unkontrolliert in die Luft, um anschließend die Kugel für seinen peruanischen Gegenspieler zu stoppen. Pizarro hatte freie Bahn auf das Kölner Tor und überwand Markus Pröll mit einem Flachschuss.

          Lienen tobte verzweifelt an der Seitenlinie und erklärte später alles Ernstes, "die Fehler von Moses sind eine Investition für die Zukunft, denn daraus lernt er". Dass sein FC-Team derzeit nur Zweitliga-Niveau besitzt, möchte der 47-Jährige noch nicht wahrhaben. Erkannt hat Lienen indes, dass es in dieser Saison nur darum geht, den zweiten Abstieg nach 1998 abzuwenden.

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