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Fußball-Bundesliga : Leverkusen unterstreicht seine Ambitionen

  • -Aktualisiert am

Torgefährlich: Lucio Bild: dpa

Die erste Saisonniederlage in Barcelona hat Bayer Leverkusen gut weggesteckt. Gegen den VfB Stuttgart gab es ein verdientes 4:1.

          3 Min.

          Aus dem Häuschen, das die Trainerbank vor Regen schützt, stiegen kleine Rauchwölkchen auf. Klaus Toppmöller kauerte in der Ecke und zog ein paarmal hastig an der Zigarette. Dann machte er den halb gerauchten Glimmstengel schnell aus, entstieg seinem "Versteck" und setzte sich wieder auf seinen Stuhl neben der Trainerbank mit besseren Übersicht auf das Spielfeld.

          Der Trainer von Bayer Leverkusen, der am Rosenmontag zum Nikotin-Abstinenzler geworden war, raucht wieder. "Aber mit Sicherheit nicht aus Frust wegen Bayer", meinte Toppmöller. Zum Paffen aus Stress hat der 50-Jährige, der früher als Kettenraucher täglich zwei Packungen Marlboro Lights konsumierte, auch keinen Grund. "Die Mannschaft macht mir viel Freude und Spaß. Damit hat das nichts zu tun", sagte der Trainer.

          Toppmöller spricht "von einem Titel"

          Zuvor hatte seine Mannschaft beim 4:1 (1:1) gegen den VfB Stuttgart trotz der zunehmenden Belastungen in der Champions League eine Klasseleistung dargeboten, die Toppmöller so überzeugte, dass er die Ansprüche an sein Team spontan höher schraubte. "Wir sind gesteuert, um in dieser Saison etwas zu erreichen - einen Titel", benutzte er eine etwas seltsame Formulierung.

          Denn der Fußball-Lehrer aus dem Moselstädtchen Rivenich selbst ist der Steuermann, der genau ein Jahr nach dem rufschädigenden Desaster um Christoph Daum, der in der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober 2000 wegen der Entlarvung als Kokain-Konsument entlassen worden war, Zuversicht und Selbstbewusstsein beim dreimaligen Vizemeister entfacht hat. "Unsere Ausgangslage ist glänzend", freute sich Manager Reiner Calmund, "aber das sind nur Momentaufnahmen, da es pausenlos weitergeht."

          Personalsorgen für die Champions League

          Bereits am Sonntagnachmittag traf sich der Bayer-Tross, um nicht einmal 24 Stunden nach dem Erfolg über die Stuttgarter die Reise zum vorentscheidenden Duell in der Champions League bei Fenerbahce Istanbul anzutreten. Gegen den türkischen Meister muss erneut eine schwierige Personallage gemeistert werden, denn mit Lucio ist der überragende Bayer-Spieler gesperrt. Auch der kleine Argentinier Diego Placente, der sich zu einem der besten Linksverteidiger der Liga entwickelt hat, wird wegen einer Gelbsperre fehlen, und der Einsatz von Jens Nowotny ist wegen einer Knieverletzung höchst gefährdet.

          Dass aber personelle Ausfälle nicht mehr unbedingt wie früher zu Einbrüchen führen, hatten die Leverkusener entgegen allen Unkenrufe gegen den VfB bewiesen. Das Bayer-Team könnte vier Tage nach dem 1:2 beim FC Barcelona und dem Ende der Serie mit 15 Pflichtspielen ohne Niederlage einbrechen, lauteten die Leverkusener Bedenken und die Stuttgarter Hoffnungen.

          Bayer bleibt stabil und selbstbewusst

          "Leverkusen war doch eine Nummer zu groß für uns ist. Ich hätte nicht gedacht, dass sich Bayer von dem schweren Spiel in Barcelona so schnell erholt hätte. Ich hatte mir jedenfalls mehr erhofft", sagte Trainer Felix Magath, dessen Team immerhin mit der Empfehlung eines 3:0 über Schalke angetreten war. Doch nach dem Führungstor der Schwaben durch Viorel Ganeas fünften Saisontreffer (10.) legten die Gastgeber ihre Ermüdungserscheinungen und Unkonzentriertheiten ab und kamen durch die vor Spielfreude sprühenden Brasilianer Ze Roberto (23.) und Lucio (63.) sowie den Kroaten Boris Zivkovic (59.) und den Bulgaren Dimitar Berbatow (85.) zum fünften Bundesliga-Heimsieg in Folge.

          Auch ohne die gesperrten Carsten Ramelow und Zoltan Sebescen sowie den verletzten Nowotny, die zuvor bei allen neun Ligaspielen mitgewirkt hatten, blieb Bayer 04 stabil. "Wir haben in den vergangenen Wochen viel Selbstvertrauen getankt. Wir haben hervorragende Ergebnisse erzielt und stehen in der Meisterschaft und auch in der Champions League sehr gut da. Das macht in schwierigen Situationen zusätzliche Kräfte frei", sagte Michael Ballack, der im Verein wesentlich bessere Leistung bietet als in der Nationalelf.

          Rüssmann: " Reif für den Titel"

          Körperlich ist das Toppmöller-Personal bestens präpariert. "Es war sehr beeindruckend, was Leverkusen uns hier vorgeführt hat. Von unserer Mannschaft hätte schon etwas mehr kommen können, aber dieses Spiel gegen diesen hochklassigen Gegner konnte sie nicht gewinnen", sagte VfB-Manager Rolf Rüssmann. "Diesmal kann Bayer Meister werden. So aggressiv, geschlossen und kreativ habe ich die Mannschaft seit Jahren nicht mehr gesehen. Sie haben das Zeug, diesmal die Bayern abzulösen."

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