https://www.faz.net/-gtl-399k

Fußball-Bundesliga : Lehmanns Tritt schmerzt Borussia Dortmund

  • -Aktualisiert am

Betreten nach dem Tritt: Jens Lehmann Bild: dpa

Der BVB muss im Titel-Kampf auf Torwart Jens Lehmann verzichten. Nach seinem Tritt gegen den Freiburger Coulibaly droht eine lange Sperre.

          3 Min.

          Als die Chartermaschine gegen Viertel vor zehn in der Nacht auf dem Regional-Airport Dortmund aufsetzte, war die Leichtigkeit des 5:1-Sieges dahin. Schwere Gedanken gingen durch die Köpfe der Herren in den Clubanzügen der Aktiengesellschaft BVB. Was wird mit Jens Lehmann passieren?

          Daheim schalteten viele der Borussen erst einmal den Fernseher an und ließen die Szene aus der 21. Minute vor und zurück laufen. Schöner wurde der Tritt ihres Torhüters gegen den Freiburger Coulibaly nicht, die meisten hatten die Tätlichkeit nicht gesehen.

          Liga-Endspurt ohne Lehmann

          Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird wohl Anklage erheben und Lehmann für ein paar Wochen sperren. In einem ähnlich Fall sperrte das DFB-Sportgericht den Bielefelder Artur Wichniarek zuletzt für vier Spiele. Lehmann wird es als Wiederholungstäter, der bereits vergleichbaren Ausrastern gegen Ulf Kirsten, Giovane Elber und Victor Agali hatte, härter treffen. Der BVB wird die Saison wohl ohne seine Nummer eins beenden müssen. Und Lehmann selbst wird in der Liga keine Chance mehr haben, sich für die WM zu präsentieren. Der Kontrollausschuss-Vorsitzende des DFB, Horst Hilpert, ermittelt. Lehmann und Coulibaly können ihre Stellungnahmen bis Dienstag einreichen.

          Darum kreisten die Gedanken der schwarz-gelben Familie. Vielleicht wäre das alles nicht so schlimm, gäbe es ausgerechnet jetzt nicht den Endspurt um die Meisterschaft bei einem Punkt Rückstand auf Bayer Leverkusen.

          „Ich habe im Affekt getreten“

          Viele haben sich gefragt, ob Philipp Laux, der mit dem SSV Ulm einst aus der Bundesliga abstieg, und seit Monaten auf der Ersatzbank hockt, die nötige Klasse hat, wenn es bis Anfang Mai an jedem Spieltag um die Wurst geht.

          „Wir haben in Freiburg lange nicht gut gespielt. Lassen sie die anderen von der Meisterschaft reden, wir tun das nicht“, sagte Lars Ricken. Sie tun es natürlich doch. Matthias Sammer will nun mit dem Übeltäter sprechen: „Das muss er mir erklären.“ Es wird sich nicht anders anhören als in Freiburg. Der Spieler Coulibaly habe mit gestrecktem Bein seine Kniescheibe getroffen. „Ich dachte die ist gebrochen. Ich habe im Affekt getreten. Ich dachte gleich, oh weh, bloß nicht. Ich glaube, ich habe ihn leicht getroffen. Das darf mir nicht passieren, aber er konnte ja weiter machen, dann kann das alles nicht so sehr schlimm gewesen sein", sagte Lehmann.

          BVB befürchtet Hetzjagd

          Die Verteidigungsreden werden ihm nicht viel nützen. Beim Frühstück am nächsten Tag lagen die Zeitungen mit den Bildern seiner Tat auf dem Tisch. Sein grimmiger, aggressiver Gesichtsausdruck in Großaufnahme. „Man muss das auch verstehen, ich werde oft angegangen“, sagte er. Beim BVB befürchten sie nun „eine Hetzjagd, die schon am Sonntagabend im Fernsehen los ging. Arbeiten sie mal auf, was Oliver Kahn in den letzten Wochen gemacht hat“ (Pressesprecher Josef Schneck).

          Für Lehmann könnte das Ganze auch einen Rückschlag in den Vertragsverhandlungen mit der Borussia bedeuten, die ihm nicht den gewünschten Dreijahresvertrag geben will.

          Poesie im Abstiegskampf

          Schiedsrichter Herbert Fandel, der Mann der gerne Klavier spielt, stand umringt von vier, fünf Bodyguards da wie eine traurige Gestalt. „Das war ein großer Fehler, einer von uns muss das wahrnehmen. Dafür darf es keine Ausrede geben. So etwas müssen wir sehen, dafür sind wir da.“ Es klang wie ein Geständnis. „Vertrauenswürdige Personen haben mir bestätigt, dass es eine Tätlichkeit war“, sagte der Mann aus Kyllburg und senkte sichtbar betroffen den Kopf.

          1:5 verloren, da gestattete sich auch Freiburgs Trainer Volker Finke schwere Gedanken. Im Stadionheft hatten sie im Editorial einen Satz von Friedrich Hölderlin abgedruckt, der so bleiern schwer und hoffnungsvoll zugleich klang wie Finke in den Minuten nach der Niederlage aussah: „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Poesie im Abstiegskampf.

          „Alles Schlechte an einem Spieltag“

          Die Szene mit Jens Lehmann sei spielentscheidend gewesen. „Ich habe sie gesehen und mich deshalb sehr aufgeregt.“ Und jetzt habe man sich auch noch das Torverhältnis kaputt gemacht, klagte Finke. „Die Mannschaft ist stark gefrustet“, berichtete er.

          Nächstes Wochenende muss Freiburg gegen Mönchengladbach spielen. Endspiel? „Bis dahin muss sich etwas drehen. Jetzt haben wir alles Schlechte an einem Spieltag gesammelt. Heute haben wir den Kopf verloren. Bis Samstag muss der wieder frei werden.“ Ob es dazu etwas von Hölderlin gibt?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Twitter-Fenster ist auch im Beruf bei vielen geöffnet.

          Die Karrierefrage : Was darf ich bei der Arbeit twittern?

          Von Trump bis zum einfachen Angestellten: Viele twittern während der Arbeit – und über sie. Das kann günstige Werbung sein oder ein PR-Albtraum. Chefs können wenig reinreden.

          Offensive in Nordsyrien : Erdogan verspottet Trump

          Der türkische Präsident verspottet nicht nur den deutschen Außenminister Maas, sondern auch den amerikanischen Präsidenten Trump für dessen Tweets. Verwirrung gab es über ein Treffen mit Vizepräsident Pence und Außenminister Pompeo in Ankara.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.