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Fußball-Bundesliga: Hamburger SV - Hertha BSC : Alarmstimmung in Hamburg

  • Aktualisiert am

Gestoppt: Hamburg und Stig Töfting Bild: dpa

          2 Min.

          Nichts ist es mit der Besserung beim Hamburger SV. Der Traditionsverein, der als einziger Bundesligist noch als Gründungsmitglied dabei ist, spielt endgültig gegen den Abstieg. 1:2 auf eigenem Platz gegen Hertha BSC Berlin verloren, eine Überzahl nicht genutzt, am Ende geschlagen, da blieb den Beteiligten die Sprache weg.

          „Es muss uns bewusst sein, dass es schnell nach unten gehen kann“, räumte Torwart Hans-Jörg Butt ein. Trainer Frank Pagelsdorf war sichtlich niedergeschlagen: „Wir haben die Situation nicht ausgenutzt.“ Sportchef Holger Hieronymus: „Wir sind nicht in der Verfassung wie zu Beginn der Saison. Mir hat ein bisschen Aggressivität gefehlt.“

          Röber erleichtert

          Alarmstimmung hier, Aufbruchstimmung dort: Die Wege der vermeintlichen UEFA-Cup-Konkurrenten Hamburger SV und Hertha BSC haben sich getrennt. „Ich bin nicht nur über die drei Punkte froh, sondern vor allem über die Art und Weise, wie die Mannschaft sich präsentiert hat. Sie hat Charakter gezeigt, das war klasse“, verteilte Hertha-Trainer Jürgen Röber ein Sonderlob. Seinem Kollegen Frank Pagelsdorf standen dagegen Ratlosigkeit und Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. „Wir müssen erst einmal sehen, dass wir uns so schnell wie möglich aus der Abstiegszone entfernen und den Anschluss an das Mittelfeld finden“, ließ der Coach Sinn für die beim HSV viel zu lange verdrängte Realität erkennen.

          Von internationalem Format ist der Champions-League-Teilnehmer, der mit 21 Zählern nur einen Punkt vor einem Abstiegsrang steht, derzeit meilenweit entfernt. Vor allem taktisch mussten sich die HSV-Akteure vom Trainer die Note Ungenügend ausstellen lassen. Der bezeichnete die Führung durch einen von Torwart Hans-Jörg Butt verwandelten Elfmeter (29.) nach Handspiel und folgender Roter Karte für Rob Maas als Knackpunkt der Partie. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit bis zum Feldverweis für den schwachen Regisseur Rodolfo Cardoso („Die Rote Karte war zu hart“) in der 76. Minute verstand es der HSV nicht, das Spiel in geordnete Bahnen zu lenken.

          Preetz eingeladen

          Vielmehr wurde Hertha-Stürmer Michael Preetz durch individuelle Fehler förmlich zu seinen Saisontoren zehn und elf (63./81.) eingeladen. „Wir haben die Freiräume nicht genutzt“, haderte Pagelsdorf, dessen Team nach dem Höhenflug im Vorjahr in dieser Saison höchstens Mittelmaß verkörpert. Dies hat auch die Führungsriege des Vereins erkannt, die trotz des bisher schwachen Abschneidens fest hinter Pagelsdorf steht. Eine Trainerdiskussion sei überhaupt kein Thema, beteuerten HSV-Boss Werner Hackmann und Sportdirektor Holger Hieronymus unisono. Dafür gingen sie hart mit der Mannschaft ins Gericht. „Ich bin enttäuscht von der bitteren Niederlage. Mir hat das spielerische und kämpferische Element gefehlt. Wir müssen den Blick eher nach unten als nach oben richten und aufpassen, dass wir nicht im Abstiegsstrudel versinken“, meinte Hackmann. Und Hieronymus stellte fest: „Wir stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand.“

          Bei der Hertha darf man sich nach der Beendigung der Negativserie von vier sieglosen Spielen in Folge dagegen wieder nach oben orientieren. „Wir haben schwere Wochen hinter uns, deshalb tut der Sieg besonders gut“, meinte Manager Dieter Hoeneß erleichtert.

          Statistik

          Hamburger SV - Hertha BSC Berlin 1:2 (1:0)

          Hamburg: Butt - Ujfalusi (56. Fukal/83. Heinz), Hoogma, Panadic - Präger (66. Mahdavikia), Groth, Töfting, Hollerbach - Cardoso - Meijer, Yeboah

          Berlin: Kiraly - Konstantinidis, Sverrisson,
          Simunic - Deisler, Maas, Dardai, Wosz (85. Sanneh), Hartmann - Preetz, Alves (46. Tretschok)

          Schiedsrichter: Fandel (Kyllburg)

          Tore: 1:0 Butt (29., Handelfmeter), 1:1 Preetz (63.), 1:2 Preetz (81.)

          Zuschauer: 40.057

          Beste Spieler: Butt, Töfting - Preetz, Dardai

          Rote Karten: Maas wegen absichtlichen Handspiels (28.), Cardoso wegen groben Foulspiels (77.)

          Gelb-Rote Karten: keine

          Gelbe Karten: Ujfalusi (2), Meijer - Hartmann (3), Konstantinidis

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