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Fußball-Bundesliga : Glanzlosen Bayern bleibt Schalke auf den Fersen

  • Aktualisiert am

Ballarbeit: Bayerns Torschütze Elber Bild: dpa

Bayern, Leverkusen und Schalke haben ihre Titelambitionen in der Fußball-Bundesliga untermauert, Dortmund und Berlin haben dagegen daheim die Gunst der Stunde nicht genutzt.

          Der Titelkampf verspricht Spannung: Schalke 04 und Bayer Leverkusen hoffen, dass den Bayern auf Grund der Belastung durch die Champions League über kurz oder lang die Luft ausgeht. Denn von den Top-Teams ist nur noch Tabellenführer und Titelverteidiger Bayern München im Europapokal beschäftigt - eine mentale und physische Doppelbelastung mit englischen Wochen bis Mitte März.

          Beckenbauers ungutes Gefühl

          Kein gutes Gefühl scheint Bayern-Präsaident Franz Beckenbauer zu haben. Trotz des 1:0-Sieges über Angstgegner VfB Stuttgart, gegen den es in den vergangenen drei Spielen drei Niederlagen setzte, grantelte der „Kaiser“: „Ich habe mir das anders vorgestellt, vielleicht bin ich immer auf der verkehrten Veranstaltung. Ich möchte auch mal wieder ein gutes Spiel sehen. Wenn wir gegen Moskau so spielen, werden wir wenig Freude haben.“ Doch Trainer Ottmar Hitzfeld wollte die biedere Vorstellung seiner Truppe vor dem Zwischenrunden-Duellen der Champions League mit dem russischen Meister nicht überbewerten: „Man hat es der Mannschaft angesehen, dass die Spiele schon in den Köpfen sind.“

          Assauers Kritik an den Fans

          Der Bundesliga-Konkurrenz soll's recht sein. Doch obwohl Pokalfinalist Schalke erstmals seit 1937, als Ernst Kuzorra und Fritz Szepan noch für Königsblau „kreiselten“, der Gewinn des Doubles winkt, stapeln die Verantwortlichen tief, als würden sie es der Mannschaft nicht zutrauen. Vielleicht ein Grund, warum Manager Rudi Assauer nach dem 2:0 über 1860 München enttäuscht feststellte: „Die Fans lassen uns im Stich. Nur 33.705 Zuschauer sind eine einzige Enttäuschung. Wir haben doch nichts verbrochen. Ich verstehe nicht, was in den Köpfen unserer Anhänger vorgeht.“ Die Leistung jedenfalls stimmte, obwohl die „Löwen“ den Westfalen das Leben nach dem Platzvereis des Norwegers Vidar Riseth (41.) relativ leicht machten. Der überragende Andreas Möller sieht Parallelen zu den Dortmunder Glanzzeiten: „Auch damals sind wir von der Euphorie getragen worden. Nicht die beste, sondern die konstanteste Mannschaft wird deutscher Meister.“

          Vogts mag die Jägerrolle

          Zu denen zählt sicherlich auch Leverkusen. Beim 4:1-Sieg über den rheinischen Rivalen 1. FC Köln glänzten besonders die Brasilianer. Neuerwerbung Lucio tanzte mit den Kölnern Samba und bewies nicht nur durch zwei Tore seine Extraklasse. Zum dritten Mal erzielte Bayer vor heimischer Kulisse vier Tore. Selbstbewusst kommentierte deshalb Trainer Berti Vogts: „Wir fühlen uns in der Jägerrolle sehr wohl, wir haben noch viel vor. Bayern und Schalke kommen noch zu uns. Wir haben es selbst in der Hand.“

          Hoeneß tief enttäuscht

          Dagegen scheint Hertha BSC Berlin seine Chance auf einen Spitzenplatz ausgerechnet im Olympiastadion zu verspielen. Drei Niederlagen in Folge, 20 Gegentore im eigenen Stadion und nur 19 Punkte aus elf Spielen im deutschen „Wembley“ stehen für die Hertha nach dem 1:3 gegen den VfL Wolfsburg in der Statistik. „Das war ein Spiel, in dem einfach gar nichts ging. Da war keine Leidenschaft, kein Feuer zu sehen“, wetterte Manager Dieter Hoeneß. In Kaiserslautern haben die Fans nach dem 4:0 über die SpVgg Unterhaching wieder Appetit auf mehr bekommen. So imponierend die Art und Weise war, wie sich die Pfälzer für die 1:6-Klatsche in Stuttgart rehabilitierten, so erschreckend war die Leistung der Gäste. Wie will sich Unterhaching retten? Ein Rezept hat derzeit niemand parat, denn auch im heimischen Sportpark ist der Aufsteiger von 1999 längst keine Macht mehr.

          Zumdick und die Ratlosigkeit

          Für Haching und erst recht Schlusslicht Bochum wird die Not immer größer. Denn Frankfurt (1:0 gegen Cottbus) und auch der HSV, der die Westfalen mit 3:0 vom Rasen fegte und sich selbst ein wenig freischwamm, beweisen Substanz. Ratlosigkeit prägt die Stimmung in Bochum, wo auch die Luft für Trainer Ralf Zumdick immer dünner wird, zumal Präsident Werner Altegoer weiß: Der Abstieg wäre auch aus wirtschaftlichen Gründen fatal, denn ein vierter Bundesliga-Aufstieg „würde brutal schwer“.

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