https://www.faz.net/-gtl-3eme

Fußball-Bundesliga : FC Bayern glaubt wieder an Titelchance

  • -Aktualisiert am

Der Anfang vom Ende - Rot für Berlins van Burik Bild: AP

Die Saison könnte für den Meister noch ein versöhnliches Ende nehmen. Nach dem Sieg gegen Hertha ist sogar der Titel für Bayern München greifbar.

          2 Min.

          Es wären sicher interessante Streitgespräche geworden. Zwischen den Brüdern Uli und Dieter etwa oder zwischen Dieter Hoeneß und Schiedsrichter Uwe Kemmling aus Burgwedel.

          So aber trat jeder alleine in den Zeugenstand und ließ Dampf ab. „Wer zum Schiedsrichter `Leck mich am Arsch` sagt, der muss runter. Sollen die sich beleidigen lassen“, meinte Uli, Manager des 3:0-Siegers Bayern München.

          „Ich wurde beleidigt“

          Vier Meter neben ihm berichtete Bruder Dieter, Manager des Verlierers aus Berlin. „Mit so was entscheidet ein Schiedsrichter eine Saison. Solche Sätze fallen in jedem Spiel, der Platzverweis ein Witz. Wir können Platz drei und die Champions League jetzt abschreiben.“

          (Luft-) Kampf um einen Champions-League-Platz
          (Luft-) Kampf um einen Champions-League-Platz : Bild: dpa

          Und Schiedsrichter Uwe Kemmling stellte nüchtern fest: „Ich wurde beleidigt.“ Was sich im Olympiastadion in München zutrug wird in die besonders exotischen Geschichten der Bundesliga einfließen. „Das hab ich noch nie erlebt“, sagte Dieter Hoeneß. Widerwillig und laut schimpfend kletterte er nach der Pause auf die Tribüne.

          Hertha fühlt sich benachteiligt

          Die Partie musste minutenlang unterbrochen werden, weil Hoeneß dem „Bankverweis“ von Kemmling nicht Folge leistete. Der Stadionsprecher musste den „Schiedsrichter-Manager“ (Hoeneß) Aaron Schmidhuber rufen, der den Hertha-Manager mit der Drohung, die Partie abzubrechen, nach oben bat. Im Kabinengang hatte sich Hoeneß mit Kemmling angelegt. „Herr Kemmling habe ich gesagt, wenn das Rot war, können sie in jedem Spiel 20 vom Platz stellen.“

          Dieter Hoeneß wollte sich gar nicht mehr beruhigen. Mit rotem Kopf berichtete er, man werde Kemmling künftig ablehnen und einen entsprechenden Antrag beim DFB stellen. Was alle so erregte, geschah gute zehn Minuten vor der Pause. Dick van Burik zupfte Giovane Elber am Trikot, Kemmling pfiff und zeigte ihm nach lautstarken Protesten gelb, worauf der Niederländer akzentuiert: „Leck mich am Arsch“ rief.

          Berlin ohne viel Mut

          Kemmling zog die rote Karte aus der Tasche, die Hertha-Spieler stürmten erbost auf ihn zu und der Münchner Thorsten Fink stellte sich „schützend vor den Schiri“ (Fink). Das wiederum nahmen ihm die Herthaner übel und Josip Simunic verpasste Fink einen Schlag mit der Faust. „Wir fühlen uns hier eindeutig benachteiligt“, sagte Herthas Trainer Falko Götz.

          Uli Hoeneß hatte kein Verständnis für den Frust der Berliner, die ohne viel Mut in München auftraten und durch ein Eigentor von Michael Hartmann (67.), Giovane Elber (82.) und Claudio Pizarro (83.) auf die Verliererstraße gerieten. „Die Spieler und ihre Vereine müssen die Konsequenzen für solche Sätze tragen“, sagte er.

          Bayern glauben an den Titel

          Viel lieber als mit den hitzigen Streitereien aber beschäftigte sich der 50-Jährige mit den neuen Aussichten nach der Heimniederlage von Tabellenführer Bayer Leverkusen. „Jetzt“, meinte er und legte den Kopf angriffslustig zur Seite, „halte ich von Platz eins bis drei alles für möglich. Die Nächsten zwei Wochen werden sehr spannende, da bin ich sicher.“

          Thorsten Fink war plötzlich überzeugt, „dass wir es schaffen können. Jetzt sind es nur noch vier Punkte. Letzte Woche mussten wir noch den Mund halten, da waren es sieben, da hätten alle gelacht.“ Oliver Kahn machte sich sogar etwas lustig über das turbulente Titelrennen. „Also, wenn die beiden anderen keine Lust haben, dann nehmen wir das auch noch mit.“

          Scholl vor WM-Absage

          Und damit die Konkurrenz aus Leverkusen noch ein Stückchen nervöser wird, berichtete Kahn, wie schlecht sich die Bayer-Akteure nun fühlen müssen. „Das ist die absolute Psychohölle“, sagte er. „Unmenschlich ist der Druck jetzt. Das ist kaum auszuhalten, ein kleiner Fehler noch und du bist weg, hast alles verloren“, sagte er und zog die Brauen hoch: „Ich weiß, wovon ich spreche.“

          Nur einer im Lager der Bayern schien irgendwie bedrückt. Mehmet Scholl, der nach wochenlanger Verletzungspause wieder spielte, "was ungefähr so war wie wenn ein Auto nach drei Jahren wieder fährt und auf die Autobahn muss, dann dampft das ein bisschen". Was Scholl aber wirklich beschäftigte, war die Frage, ob er mit zur WM nach Korea und Japan fahren kann. „Ich habe für mich meine Entscheidung schon getroffen, will sie aber erst dem Teamchef mitteilen", sagte Scholl. Er klang wenig optimistisch. Es dürfte keine Überraschung mehr sein, wenn Scholl in der nächsten Woche seinen Verzicht verkündet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ob er gerade spielt? Ramelow im Juli 2020 im Thüringer Landtag

          PR-Profis auf Clubhouse : Besser als „Bodo“

          Clubhouse gilt als Trend-App und hat in Deutschland nun das erste PR-Desaster verursacht. Wie verhält man sich richtig in den virtuellen Quasselrunden? Wie aktiv sind die PR-Agenturen schon? Und lohnt es sich, dabei zu sein?
          „Die Antikörper-Medikamente eignen sich vor allem für Risikopatienten wie Heimbewohner oder Immunsupprimier“:Virologin Sandra Ciesek.

          Virologin Sandra Ciesek : „Schnell gegen Coronavirus-Mutanten eingreifen“

          Coronavirus-Varianten herrschen hierzulande noch nicht vor. Nach Ansicht der Virologin Sandra Ciesek müssen sie aber rasch bekämpft werden. Im Interview spricht die Frankfurter Wissenschaftlerin auch über die neuen Antikörper-Medikamente.
          Der frühere britische Premierminister Gordon Brown im September 2014, wenige Tage vor dem Referendum, im schottischen Clydebank

          Schottische Unabhängigkeit : Ein gescheitertes Königreich?

          Der frühere britische Premierminister Gordon Brown schlägt Alarm: Die Pandemie hat den Unabhängigkeitsdrang vieler Schotten nicht gebremst. Es drohe das Ende des Vereinigten Königreichs.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.