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Fußball-Bundesliga : Atempause für Pagelsdorf

  • Aktualisiert am

Handkuss für die Fans: Frank Pagelsdorf Bild: dpa

          2 Min.

          Mit dem ersten Sieg über Angstgegner VfL Wolfsburg hat sich der Hamburger SV aus der ärgsten Not befreit. Die abstiegsbedrohten Hanseaten triumphierten am Samstag vor heimischer Kulisse mit 3:2 (2:1) über die Wolfsburger und feierten damit nach bisher zwei Niederlagen und fünf Remis den ersten Sieg über den Nord- Rivalen in der Bundesliga-Geschichte.

          Zoltan Sebescen hatte die Gäste vor 35.355 Zuschauern im Volksparkstadion in Führung gebracht. Erik Meijer (31.), Sergej Barbarez mit seinem 15. Saisontor (45.) und Mehdi Mahdavikia (62.) drehten den Spieß um, ehe der eingewechselte Wolfsburger Sven Müller (72.) den 3:2-Endstand herstellte.

          Pagelsdorf kann durchatmen

          Nach neun Niederlagen in den letzten elf Spielen musste der in der Kritik stehende HSV-Trainer Frank Pagelsdorf die Partie unbedingt gewinnen. Zwar hatte Sportchef Holger Hieronymus unmittelbar vor dem Spiel versichert, dass selbst bei einer erneuten Niederlage keine Trainerdiskussion beim hanseatischen Renommierclub geführt werde. Doch selbst Vereinschef Werner Hackmann räumte ein, dass „irgendwann die Mechanismen im Bundesliga-Geschäft greifen“.

          Pagelsdorf hatte dem mit 43 Gegentoren als „Schießbude der Liga“ verhöhnten HSV eine neue Abwehrtaktik verordnet. Statt der bevorzugten Dreier-Kette spielte der Niederländer Nico-Jan Hoogma, der von Pagelsdorf zudem zum Mannschaftskapitän befördert worden war, einen klassischen Libero. Zudem hatte Pagelsdorf den Tschechen Milan Fukal und Marek Heinz sowie ausgerechnet dem Ex-Wolfsburger Roy Präger eine Denkpause verordnet.

          HSV startet schwach

          Der nach seiner Rot-Sperre erstmals wieder eingesetzte Regisseur Rodolfo Esteban Cardoso blieb blass. Die Hamburger begannen druckvoll wie lange nicht mehr. Die aus Verletzungsgründen mit einer Notabwehr spielenden Wolfsburger sahen sich pausenlos Angriffen der Hamburger ausgesetzt, hatten allerdings keine große Mühe, die Lage unter Kontrolle zu halten. Dagegen waren die Wolfsburger mit wenigen Kontern gefährlich.

          Die erste VfL-Chance überhaupt führte prompt zum Tor: Sebescen nutzte die abwartende Haltung der HSV-Abwehr, um den Ball aus 22 Metern ins linke untere Eck zu zirkeln. Torwart Hans-Jörg Butt hinterließ dabei nicht den besten Eindruck. Danach verloren die Gastgeber den Faden, während der VfL immer selbstbewusster wurde. Die Hanseaten konnten Abwehrchef Hoogma danken, dass er das 0:2 verhinderte, als er bei einem erneuten Konter den Schuss des eingewechselten Tomislav Maric für den geschlagenen Butt auf der Linie parierte (23.).

          Ein Fehler von Ex-HSV-Spieler Stefan Schnoor ermöglichte den Hamburgern den Ausgleich durch den vorbildlich kämpfenden Meijer. Das war das Sturmsignal für die Gastgeber. Als Barbarez kurz vor der Halbzeitpause VfL-Torwart Claus Reitmaier mit einem Lupfer überwand, stand das Stadion Kopf. Nach dem Seitenwechsel forcierten die Wolfsburger das Tempo. Die größte Möglichkeit zum Ausgleich vergab Jonathan Akpoborie (52.), der in sieben Partien gegen den HSV bereits zehn Tore erzielt hat. Nach der Druckphase der Gäste waren die Hamburger wieder am Zuge: Zunächst traf Mahdavikia die Latte (61.), 60 Sekunden später jagte er den Ball nach Barbarez-Zuspiel zum umjubelten 3:1 in die Maschen. Zwar drückten die Wolfsburger nach dem 3:2-Anschlusstreffer durch Müller noch einmal, doch der HSV überstand diese Phase mit Glück.

          Hamburger SV - VfL Wolfsburg: 3:2 (2:1)

          Hamburger SV: Butt - Hoogma - Hertzsch, Ujfalusi - Töfting (75. Fischer), Kovac, Cardoso (83. Kientz), Hollerbach - Barbarez, Meijer, Mahdavikia (90. Präger)

          VfL Wolfsburg: Reitmaier - Schnoor, Hengen, Ifejiagwa, Biliskov - Sebescen, Munteanu, Weiser - Kühbauer (70. Müller) - Juskowiak (16. Maric), Akpoborie (74. Rische)

          Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
          Zuschauer: 35 355
          Tore: 0:1 Sebescen (10.), 1:1 Meijer (31.), 2:1 Barbarez (45.), 3:1 Mahdavikia (62.), 3:2 Müller (72.)
          Gelbe Karten: Hoogma, Meijer / Kühbauer, Hengen, Weiser
          Beste Spieler: Hoogma, Meijer / Sebescen, Weiser



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