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Fußball-Bundesliga : „Arroganter“ BVB verliert gegen „taktisch perfekten“ FC Bayern

  • -Aktualisiert am

Kopfsache: Der Dortmunder Koller (l.) und Bayern-Verteidiger Kuffour Bild: dpa

Hektik und hässliche Jagdszenen blieben aus, Dortmunder Tore aber auch. Anders die Bayern: kühl bis ans Herz und mit 2:0 erfolgreich.

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          Vorab ein Dankeschön an die Spieler. Ein Dankeschön dafür, dass sie sich an ihre Aufgabe, Fußball zu spielen, erinnerten und die Hauerei und Treterei der vergangenen Saison vergessen liessen. Die war schließlich im Vorfeld des fünften Spieltages hinreichend genug wieder aufgewärmt worden.

          Dortmund gegen Bayern, der Kampf der Giganten, das Giftduell, der Lehrling gegen den Meister, Deutschlands Nummer eins im Tor gegen die Nummer zwei, das Treffen der Riesen Jancker und Koller, und, und, und. Wie schön, dass es am Samstag nicht nur gesittet, sondern sogar anschaulich zur Sache ging. Anschaulich jedenfalls aus Münchner Sicht. Denn was der Meister gegen den bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer bot, war mal wieder typisch. Rationell, unterkühlt, aber mit disziplinierter Umsetzung der Strategie des Trainers.

          Kahn schaut irritiert

          Ottmar Hitzfeld hatte sie alle genarrt mit seiner Aufstellung. Obwohl die Kreativabteilung mit Effenberg und Scholl verletzt fehlte, ließ Hitzfeld auch noch die Offensivkräfte Giovane Elber und Claudio Pizzarro auf der Bank sitzen. Dafür standen mit Willy Sagnol, Thorsten Fink und Stürmer Roque Santa Cruz drei Akteure auf dem Feld, die keiner erwartet hatte.

          Siegertyp: Hasan Salihamidzic
          Siegertyp: Hasan Salihamidzic : Bild: dpa

          Selbst Bayern-Kapitän Oliver Kahn war überrascht: „Ich habe in der Mannschaftssitzung schon irritiert geguckt.“ Gegen das Traumtrio Amoroso, Koller und Rosicky wollte Hitzfeld laufstarke Spieler aufbieten. Elber (29) sei von seinem Trip zur brasilianischen Nationalmannschaft müde zurückgekehrt. Santa Cruz (20) war zwar auch für Paraguay unterwegs, „ist aber jünger und verkraftet das besser.“

          Dortmund ohne meisterliche Reife

          Doch entscheidend war das Überangebot defensiver Spieler in Münchner Reihen. „Die haben doch fast mit zwei Viererketten gespielt“, klagte Dortmunds Kapitän Stefan Reuter, „die waren so kompakt, da haben wir uns schwer getan.“ Dabei schien es nie so einfach gewesen zu sein, die Münchner endlich mal wieder zu bezwingen. Seit 1996 hofft der BVB auf einen Sieg, Trainer Matthias Sammer wartet auf den ersten Sieg gegen Ottmar Hitzfeld.

          Dortmund stand nach einem Traumstart mit vier Siegen glänzend da und Torwart Jens Lehmann hätte so gerne auch nach fünf Spielen ohne Gegentor dagestanden. Es wäre Bundesliga-Rekord gewesen. Doch als alle im schwarz-gelben Umfeld nur noch davon sprachen, mit einem Sieg hätten sie acht Punkte Vorsprung vor den Bayern, da offenbarte die Mannschaft, obwohl in Bestbesetzung angetreten, wie weit sie noch von meisterlicher Reife entfernt ist.

          Fehlpass und versuchter Beinschuss

          „Wir haben ständig versucht, das goldene Ei zu legen und den tödlichen Paß zu spielen“, sagte Sammer. Torchancen gab es wenige, und wenn, dann machte sie Oliver Kahn zunichte oder die Schüsse gingen knapp am Tor vorbei. Des Trainers Zorn traf nach Spielende vor allem Tomas Rosicky und Mauricio Amoroso. Die Superstars blieben blass und verloren mit grober Fahrlässigkeit im Mittelfeld (Rosicky) und vor des Gegners Strafraum (Amoroso) den Ball, und leiteten so die Tore von Hasan Salihamidzic (22.) und Roque Santa Cruz (58.) ein.

          „Dem ersten ging ein katastrophaler Fehlpass voraus“, schimpfte Sammer. Als der Rotschopf mit gerötetem Kopf versuchte, den Ballverlust Amorosos anzusprechen, stockte seine Stimme und die Miene verhieß nichts Gutes: „Ich muss mich jetzt zusammenreißen.“ Mit den Worten, seine Mannschaft sei längst nicht so organisch gewachsen, drückte er sich bei der Pressekonferenz noch gewohnt diplomatisch aus.

          FC Bayern wie FC Liverpool

          Später, vor der Umkleidekabine, wählte Matthias Sammer deutlichere Worte, ungewohnt deutliche: „Wir haben arrogant gespielt. Das Leben ist gerecht.“ Letzterer Satz ist wohl an die Adresse all jener gerichtet, die seine mahnenden Worte nicht ernst nehmen wollen. Erst die Bayern, jetzt nach Kiew, dann zu Schalke, bevor Liverpool und Leverkusen kommen. Die Wochen der Wahrheit haben schlecht begonnen. Den Münchnern kann es nur recht sein.

          Von Krise keine Rede mehr, die Champions League kann beginnen mit dem Auswärtsspiel am Mittwoch bei Feyenoord Rotterdam. „Es war gut für uns, dass alle von den acht Punkten Vorsprung der Dortmunder gesprochen haben“, sagt Torschütze Hasan Salihamidzic. „Jetzt sind es nur noch zwei.“ Und der kleine Franzose Bixente Lizarazu freute sich über die gute Teamarbeit: „Das war taktisch perfekt. Wir haben ein bisschen wie Liverpool gespielt.“ Arme Dortmunder, über deren rosa Himmel sich dunkle Wolken zusammenziehen.

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