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Fußball : Bochum vor viertem Abstieg

  • -Aktualisiert am

Au weia: Rolf Schafstall ist bestürzt Bild: dpa

Vier Wochen arbeitet Rolf Schafstall beim VfL Bochum. Erfolg hat er keinen gebracht. Der Club steht vor dem vierten Abstieg in acht Jahren.

          3 Min.

          Der vierte Abstieg des VfL Bochum aus der Bundesliga innerhalb von acht Jahren ist kaum noch abzuwenden. Bei den Westfalen, die im Sommer nach einem Jahr in der zweiten Liga zurückgekehrt waren, vergrößert sich die Krisenlage. Die Maßnahme, vor vier Wochen den unerfahrenen Trainer Ralf Zumdick durch „Oldie“ Rolf Schafstall zu ersetzen, hinterlässt nicht wie erhofft die Wirkung.

          Beim 2:3 (2:1) im Aufsteigerduell am Samstag gegen den 1. FC Köln verloren die Bochumer trotz einer 2:0-Führung und einer personellen Überlegenheit. Denn in der emotionsgeladenen, sehr kampfbetonten Partie vor 21.683 Zuschauern schickte Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich vier Spieler vom Platz: Die Kölner beendeten nach den Platzverweisen für Moses Sichone (33.), Christian Springer (82.) und Dirk Lottner (85.) die Begegnung nur mit acht Spielern. Bei Bochum sah Zdravko Drincic (40.) die gelb-rote Karte.

          Schafstalls Maßnahmen fruchten nicht

          „In der zweiten Halbzeit spürte man, dass die Angst wieder umging, weil wir im Keller stehen“, sagte Schafstall. Nach der ersten Hälfte, in der die Bochumer eine ihrer besten Saisonleistungen geboten hatten, kam wieder große Verunsicherung auf. Auch der 64-Jährige hat es noch nicht geschafft, das Team zum ersten Sieg des Jahres zu führen. Nach den 0:0 in Wolfsburg und gegen Stuttgart gab es nach dem 1:2 in Unterhaching gegen den 1. FC Köln die zweite Niederlage. „Wir müssen uns nichts vormachen“, erklärte Verteidiger Axel Sundermann, dass die prekäre Situation mit hoher Wahrscheinlichkeit wie 1993, 1995 und 1999 in der zweiten Liga enden wird.

          Selbst die rigorosen Maßnahmen des in der Branche als „harter Hund“ bekannten Schafstall fruchten nichts. Vor dem Spiel verbannte er Peter Peschel und Marijo Maric aus dem Kader und verschärfte seinen Umgangston. Sieben Umstellungen nahm der Coach im Vergleich zur Vorwoche in der Mannschaft vor, doch die beiden entscheidenden Schwachstellen blieben: Erstens ist die Abwehr nicht erstliga-reif, zweitens sprechen Präsident Werner Altegoer und Schafstall neuerdings von „konditionellem“ Nachholbedarf. „90 Minuten sind für einige Spieler doch sehr lang. Das kann man sich in der Bundesliga nicht leisten“, umschrieb der Trainer das Problem nach dem Abpfiff des turbulenten Duells gegen Köln. Auch Altegoer hatte zuletzt wiederholt den früheren Chefcoach Zumdick gerügt, er habe die Mannschaft nicht in beste Verfassung gebracht.

          Sorgen um den VfL-Manager - Kranker Hilpert vor Abschied

          Doch Altegoer, der Patriarch des Vereins, hat noch andere große Sorgen. Sein Weggefährte Klaus Hilpert steht seit vier Wochen in der großen Krise nicht mehr an seiner Seite. Der Manager des VfL ist erkrankt, offenbar zermürbt durch die aggressive Stimmung, die ein paar „Hardcore“-Fans entfachen. Hilpert wurde permanent angefeindet, erhielt sogar mehrfach Morddrohungen und musste sich aufgrund von nicht genau bekannten gesundheitlichen Problemen, die durch psychosomatische Störungen hervorgerufen wurden, in eine Klinik begeben. „Das belastet uns sehr“, sagte Altegoer zum Ausfalls Hilperts, „denn wir müssen seine Aufgaben auf andere Schultern legen.“ Am Dienstag will der Präsident eine Entscheidung bekannt geben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Hilpert aus seiner Funktion ausscheidet. Allerdings hat der zermürbte Manager, der sich in 15 Jahren VfL-Tätigkeit insgesamt drei Monate Urlaub gestattete, sich aus einem Essener Krankenhaus zu Wort gemeldet: „Ich bin auf dem besten Weg, gesund zu werden.“ Er wolle an seinen Arbeitsplatz zurückkehren.

          Cullmann: „Es war ziemlich leer auf dem Platz“

          Dass sich das Bochumer Team noch einmal sportlich zurück meldet und einen Nichtabstiegsplatz erreicht, gilt indes nach der Niederlage gegen Köln als ausgeschlossen. „So ein Spiel habe ich noch nie erlebt. Am Ende habe ich gezählt, wieviel wir waren“, berichtete der Kölner Verteidiger Carsten Cullmann. Das Ergebnis der Zählaktion schilderte der Sohn von Ex-Nationalspieler Bernd Cullmann so: „Es war ziemlich leer auf dem Platz.“ Die Ereignisse hatten sich zuvor im Ruhrstadion überschlagen, die Partie wurde zu einem der heißesten Duelle dieser Saison. Das Team von Schafstall schaffte es nicht, einen 2:0-Vorsprung durch Delron Buckley (23.) und Sebastian Schindzielorz (30.) zu verteidigen, wobei es den ersten Gegentreffer von Archil Arveladze (38.) sogar einstecken musste, als die Kölner schon ein Spieler weniger waren.

          Die Elf von Trainer Ewald Lienen kam bei der personell ausgeglichenen Auseinandersetzung von zehn gegen zehn Spielern durch Markus Kreuz (61.) und dem eingewechselten Darko Pivaljevic (80.) noch zum Ausgleich und zum Siegtreffer. „Es ist unglaublich, eigentlich hatten wir nach dem 0:2 und der Roten Karte gegen uns schon verloren. In der Kabine zur Halbzeit haben wir gesagt, wir spielen alles oder nichts“, berichtete Kreuz. „Es war ein hochspannendes Fußballspiel, aber wohl kein hochklassiges. Es gab viel Durcheinander, viel Hektik“, meinte Lienen, der auf seinen Leistungsträger Markus Kurth verzichten musste, der wegen einer Grippeerkrankung ausfiel. Dafür rückte kurzfristig Pivaljevic ins Team, den Sportmanager Hannes Linssen am Morgen vom Training der Ersatzspieler in Köln abholte und zur Mannschaft brachte. „Er wurde zu einem echten Joker. Er ist unser Held von Bochum.“

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