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Fußball : Blatter attackiert deutsche WM-Planer

  • Aktualisiert am

Stimmungstief: Beckenbauer und Blatter Bild: dpa

Joseph Blatter, Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes, hat die Strukturen der deutschen WM-Planer um Franz Beckenbauer kritisiert und sie mit dem Chaos vor der WM 2002 in Asien verglichen.

          Der Streit zwischen dem Internationalen Fußball-Verband (FIFA) und dem Organisations-Komitee für die Weltmeisterschaft 2006 droht zu eskalieren.

          FIFA-Präsident Joseph Blatter kritisierte in ungewohnter Schärfe die Strukturen der deutschen WM-Planer und verglich sie sogar mit dem Organisations-Chaos vor der WM 2002 in Asien. „In Deutschland wird mit zwei Büros gearbeitet, da haben wir die Schwierigkeit der Ansprache, wie wir sie schon bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea hatten“, sagte Blatter der Fachzeitschrift „Kicker“. In dem Interview sprach er sich zudem erstmals entschieden gegen die von der FIFA-Exekutive empfohlene Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 32 auf 36 Teams aus.

          „Das Exekutivkomitee hat mit diesem Vorstoß einen klaren Fehler gemacht. In diesem Punkt kann ich Beckenbauers Verärgerung verstehen“, sagte Blatter, der ansonsten aber auf Distanz zum deutschen Chef des Organisationskomitees ging und die WM 2006 zur Chefsache erklärte. „Ab sofort werde ich mich selbst um die WM kümmern“, lautete seine vollmundige Ankündigung, die zugleich auch eine Kritik an der eigenen Verbandszentrale darstellt.

          In erster Linie aber sieht er die Ursache für die ins Stocken geratenen WM-Planungen im deutschen WM-OK, wo das Führungsquartett mit Präsident Franz Beckenbauer sowie den Stellvertretern Horst R. Schmidt, Fedor Radman und Wolfgang Niersbach auf zwei Büros in Frankfurt und München verteilt ist. „Wir möchten letztlich nur einen Ansprechpartner haben: Horst R. Schmidt oder Radman oder Beckenbauer oder Niersbach.“

          Die Angesprochenen waren am Donnerstag von Blatters Angriff völlig überrascht und zeigten sich verärgert. „Der Vergleich mit Japan und Südkorea ist absolut nicht angebracht“, sagte Niersbach, der derzeit mit einer FIFA-Kommission die WM-Stadien inspiziert. Auch Schmidt wies die Kritik zurück und ließ zugleich durchblicken, wie sehr die Atmosphäre zwischen den Verhandlungspartnern wegen unterschiedlicher Auffassungen in Grundsatzfragen und Kompetenzen belastet ist. „Es stimmt nicht, daß wir ein generelles Kommunikationsproblem haben. Es herrscht ein Dialog unter Wahrung der eigenen Positionen. Wir warten nicht einfach auf Direktiven aus Zürich.“

          Falsch sei Blatters Kritik an den OK-Strukturen. „Es ist klar festgelegt worden, daß ich erster Ansprechpartner bin. Und auch die einzelnen Arbeitsbereiche sind von Anfang an klargestellt worden. Ich denke, das weiß Herr Blatter“, so der seit 1974 mit der Organisation von WM-Großereignissen betraute Schmidt, gleichzeitig Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

          Auf der turnusmäßigen Präsidiumssitzung am Samstag in Frankfurt wollen die WM-Planer ihr weiteres Vorgehen besprechen. Schmidt plädiert dafür, daß zwischen FIFA und WM-OK umgehend die Gespräche wieder aufgenommen werden. „Es wird jetzt Treffen auf allen Ebenen geben, zwischen den Präsidenten, den Generalsekretären und in anderen Bereichen“, so der 60jährige. Er mahnt zur Eile. „Es muß weitergehen. Wir verlieren Zeit, die wir nicht haben.“

          Am 28. Juni wird nach der Sitzung der FIFA-Exekutive in Paris zumindest über die Teilnehmerzahl Klarheit herrschen. In diesem Punkt hat sich Blatter auf Beckenbauers Seite geschlagen und gibt sich nun als Kämpfer für den Status quo. „Die aktuellen 32 Teams sind optimal. Doch die Entscheidung liegt beim Exekutivkomitee. Wir werden dieses Thema fortan in der Tiefe bearbeiten.“

          Offenbar setzt Blatter darauf, daß es dem südamerikanischen Verband (CONMEBOL) nicht gelingen wird, einen akzeptablen Spielplan zu basteln, um die angestrebte Aufstockung durchzusetzen. Der Schweizer selbst hat sich schon festgelegt: „36 kann nicht das Modell der Zukunft sein.“ Zudem wäre es auch eine zusätzliche organisatorische Hürde für die geplante Vergabe der WM 2010 nach Afrika.

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