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Fußball : Bayern-Jäger Schalke bleibt vorerst bescheiden

  • Aktualisiert am

Schalke feiert - in diesem Fall Stürmerstar Ailton Bild: AP

Schalke siegt und siegt und siegt - und wagt es dennoch nicht, den großen Bayern den Kampf anzusagen. Die Wunden der Vergangenheit sind noch nicht ganz verheilt.

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          Der FC Schalke 04 hat die Rolle als Bayern-Jäger Nummer 1 angenommen, doch zu einer offenen Kampfansage an den Rekordmeister lassen sich die Verantwortlichen nicht verleiten.

          Zu frisch sind die schmerzhaften Erinnerungen an die Saison 2000/2001, als nach der „Vier-Minuten-Meisterschaft“ nur der fragwürdige Titel „Meister der Herzen“ blieb und die Münchner in Hamburg die Schale jubelnd in die Höhe reckten. Noch heute wird Stürmer Ebbe Sand ungern an die „bitterste Stunde meiner Karriere“ erinnert. Manager Rudi Assauer wagt sich daher (noch) nicht aus der Deckung: „Ich habe im Fußball schon so viel erlebt. Ich weiß, was alles passieren kann“, sagt er vergleichsweise brav. „Ich wäre zufrieden, wenn wir am Ende Fünfter werden.“

          „Hoffnung auf mehr“

          Doch auch Assauer traut seinem Team mehr zu: „Wir haben im Moment eine gute Truppe. Wenn sie weiter konstant spielt, müßte sie mit oben dabei sein. Die Qualität hat sie.“ Trainer Rangnick, der gegen Bielefeld den zwölften Sieg im 14. Pflichtspiel feierte, formulierte etwas forscher: „Ich bin nicht nach Schalke gekommen, um nur irgendwo mitzuspielen. Natürlich wollen wir irgendwann auch einen Titel gewinnen. Wenn sich die Chance bietet, wollen wir sie nutzen.“

          Die Knappen haben nach der beeindruckenden Serie von acht Siegen aus neun Bundesliga-Partien unter Trainer Ralf Rangnick allen Grund, forschere Töne anzuschlagen. Platz zwei - zwei Zähler hinter den Bayern sind eine mehr als solide Basis. Doch bis auf Sand („Ich will Meister werden“) ringen sich alle nur nebulöse Andeutungen ab, wenn es um Titelambitionen geht. „Dieser Sieg macht Hoffnung auf mehr“, sagte zum Beispiel Kapitän Frank Rost nach dem glücklichen 2:1 über den starken Aufsteiger aus Bielefeld.

          Selbst der unterlegene Arminia-Coach Uwe Rapolder geht offensiver mit Schalkes Chancen um und freut sich, „daß sie auf dem richtigen Weg sind, unserem großen Freund aus dem Süden Konkurrenz zu machen“. Obwohl er gern drei Punkte geholt hätte, konnte Rapolder damit leben, daß „nicht die spielerisch bessere Mannschaft“ gewann. „Wir wollten vor allem ein gutes Spiel machen. Das haben wir getan.“ Der attraktive Tempofußball, den die Arminen unter Rapolder praktizieren, hätte bei besserer Chancenverwertung vor 61.524 Fans durchaus zum ersten Sieg nach 33 Jahren in Gelsenkirchen führen können. „Ich hätte nicht geglaubt, daß Bielefeld eine so hervorragende Mannschaft hat“, lobte Assauer nach „einem der besten Spiele, die ich in den letzten Monaten gesehen habe“.

          Schonung im Uefa-Pokal

          Daß es für Bielefeld nicht zumindest für einen Punkt langte, lag nicht nur an der mangelnden Chancenauswertung, sondern auch an Schalkes Keeper. Frank Rost bot eine Weltklasseleistung und setzte mit dem gehaltenen Elfmeter von Detlev Dammeier (55.) beim Stand von 2:1 das entscheidende Signal. Letztlich gab die individuelle Klasse der Königsblauen den Ausschlag. Zwar war nach dem 0:1 von Rüdiger Kauf (20.) der Ausgleich durch Lewan Kobiaschwili (28.) vom Glück begünstigt, doch am Siegtor von Ailton (38.) gab es nichts zu deuteln. Selbst Rangnick zeigte sich nach dem 29. Saison-Pflichtspiel vom Leistungswillen seiner Akteure überrascht: „Ich hätte nicht gedacht, daß sie noch in der Lage sind, über 90 Minuten ohne großen Einbruch so zu spielen.“

          „Es zählten nur die drei Punkte“, betonte Rangnick, der aus den restlichen zwei Ligaspielen vor Weihnachten bei Borussia Dortmund und gegen den SC Freiburg „mindestens drei Punkte“ anstrebt. Mit Rücksicht auf das Revierderby am Sonntag im Westfalenstadion wird der Schwabe seinen angeschlagenen Profis am Mittwoch im sportlich bedeutungslosen Uefa-Pokalspiel bei Feyenoord Rotterdam eine Pause gönnen: „Es macht keinen Sinn, manche Spieler schon wieder in das nächste Spiel zu jagen.“

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