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Fußball : Andreas Herzog: Wien als einziger Ausweg

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Erlösung: Andreas Herzog Bild: AP

Es war der einzig verbliebene Ausweg: Mit dem sofortigen Wechsel zu Rapid Wien erspart Andreas Herzog sich und seinem bisherigen Arbeitgeber Werder Bremen weitere Probleme.

          Am Ende war er nur noch ein Problem: Andreas Herzog, der die letzten Spiele des Jahres 2001 nicht einmal für die Ersatzbank gut genug war, wurde laufend vom Training des SV Werder Bremen freigestellt, um seine vertrackte Situation zu klären. Lieber heute als morgen wollte man an der Weser einen Mann loswerden, der sich spätestens mit verbalen Attacken gegen die sportliche Leitung ganz ins Abseits manövriert hatte.

          Nun sind sie alle froh, dass noch eine Lösung gefunden wurde: Bremen hat gütigerweise ganz auf eine Ablöse verzichtet, Rapid Wien hat sich glücklicherweise noch mit dem Spieler selbst auf einen Transfer geeinigt. Bevor Werder Bremen ins türkische Trainingslager fliegt, packt der Österreicher die Koffer und kehrt in seine Wiener Heimat zurück.

          Abgang ohne Ablöse

          Nach einem monatelangen Verhandlungsmarathon konnten der Mittelfeldmann und sein Ex-Klub, Rekordmeister Rapid Wien, nun endlich den Vertragsabschluss bis zum 30. Juni 2003 verkünden.

          Darf wieder ran: Andreas Herzog

          Bisher war der Transfer daran gescheitert, dass Rapid und Herzog sich finanziell nicht einigen konnten. Auf Grund der gesparten Ablöse besaß Rapid einen größeren Verhandlungsspielraum. Abstriche bei seinem mit geschätzten zwei Millionen Euro fürstlich dotierten Vertrag hat Herzog machen müssen - dafür gibt es nun eine andere Form der Entschädigung.

          "Freue mich auf meine Heimatstadt"

          „Ich bin froh, dass ich endlich wieder spielen kann und freue mich in meiner Heimatstadt auf meine Freunde und meine Familie“, erklärte der 33-Jährige. Er ist erleichtert - wochenlang hat er für die bohrenden Fragen der Journalisten nur Wiener Schmäh übrig gehabt. Insgesamt knapp neun Jahre führte der sensible Spielmacher im Werder-Mittelfeld Regie, wurde deutscher Meister (1993) und gewann zweimal den DFB-Pokal (1994 und 1999).

          Was Thomas Schaaf nicht davon abhielt, nach einem missratenen Start 2001 eben an Herzog die Krise festzumachen. "Ich musste etwas ändern", erinnert sich Schaaf, der mit dem Auswärtsspiel am 8. September in Kaiserslautern auf die Dienste des Österreichs als Vollzeitkraft verzichtete. Mit Erfolg.

          Direkt ins Abseits

          Nur neun Bundesliga-Spiele bestritt der Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft in dieser Saison. Das letzte Mal lief er am 20. Oktober 2001 auf - in den anschließenden acht Partien mussten die Bremer keine Niederlage mehr hinnehmen, holten insgesamt 22 Punkte und schoben sich auf den dritten Tabellenplatz. Herzog hielt das ohne ihn funktionierende Gefüge nicht davon ab, im November verbale Attacken gegen Schaaf zu starten.

          Ende Oktober des vergangenen Jahres hatte er sich schließlich mit einem in der letzten Minute verwandelten Freistoß im WM-Qualifikationsspiel in Israel zum Liebling einer ganzen Nation geschossen. Doch daraus die Berechtigung auf einen Bremer Stammplatz abzuleiten, erwies sich als Trugschluss. Der in Teilen der Mannschaft ohnehin isolierte Herzog begab sich damit direkt ins Abseits.

          "Schaaf und ich haben Fehler gemacht"

          „Thomas Schaaf und ich haben beide Fehler gemacht. Ich will aber nicht nachkarten. Er ist mit der Mannschaft irrsinnig erfolgreich, das ist das Wichtigste“, meinte Herzog bei seinem Abschied.

          „Ich habe ein Drittel meines Lebens in Bremen verbracht. Es war die schönste Zeit meiner Karriere. Ich hinterlasse viele Freunde. Otto Rehhagel wird mir immer in Erinnerung bleiben, weil er ein ganz besonderer Trainer war. Er hat mir viel geholfen“, sagte Herzog zum Abschied. Von Schaaf spricht er in diesem Zusammenhang nicht.

          Rückennummer 22 in Wien

          Dafür aber künftig viel mit Lothar Matthäus, seinem neuen Trainer und Sportdirektor. „Ich bin sehr froh, dass er da ist und erhoffe mir viel von ihm. Er wird als Leitfigur eine große Verstärkung sein“, sagte der Rapid-Sportdirektor, der mit seinem Team derzeit nur auf dem neunten und damit vorletzten Tabellenplatz liegt. „Ich will die Mannschaft nach vorn führen und Verantwortung übernehmen. Das war schließlich schon immer eine meiner größten Stärken“, betont Herzog und zeigt sich für die neue Herausforderung bereit.

          Bei Rapid hat er bereits vor dem Wechsel nach Bremen von 1986 bis 1992 die Schuhe gespielt. Bei den Rapid-Anhängern ist der „verlorene Sohn“ bereits vor seinem ersten Auftritt im Trikot mit der Rückennummer „22“ der neue Publikumsliebling. In einer Umfrage der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ glauben 75 Prozent der Anhänger daran, dass die Liaison Rapid/Herzog eine „neue Erfolgsgeschichte“ wird. Erfolge will der Heimkehrer auch wieder mit der Nationalelf der Alpenrepublik feiern.

          „Ich möchte in Österreich auch Rekord-Nationalspieler werden. Dazu fehlen mir noch zwei Einsätze gegenüber Toni Polster. Dies wäre für mich eine Riesenauszeichnung." 93 Länderspiele hat er bisher gemacht. Seine beachtliche Bremer Bilanz bleibt nunmehr unverändert: 264 Einsätze, 61 Tore.

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