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Fußball : 45-Millionen-Verteidiger Ferdinand erwägt Zivilklage

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Unverzeihlich vergeßlich: Rio Ferdinand Bild: AP

Der englische Nationalspieler Rio Ferdinand von Manchester United, der bislang teuerste Verteidiger der Welt, ist acht Monate gesperrt worden, weil er zu einer Dopingprobe nicht erschienen war - aber er will sich wehren.

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          Die achtmonatige Sperre für Englands Nationalspieler Rio Ferdinand wird möglicherweise noch die Zivilgerichte beschäftigen. „Das ist noch nicht das Ende. Er wird vor Gericht ziehen, wenn es sein muß. Es ist sein Recht, das Gericht anzurufen, um sein Ansehen wieder herzustellen. Der Klub steht hinter ihm“, sagte Manchester Uniteds Temmanager Sir Alex Ferguson, der Trainer des Weltklasse-Verteidigers. Außerdem deutete er an, daß Ferdinand möglicherweise nie mehr für England spielen werde.

          Sperre ab Januar 2004

          Die Disziplinarkommission des englischen Fußball-Verbandes (FA) hatte am Freitag abend jene drastische Sperre gegen den Verteidiger von Manchester United verhängt, weil er am 23. September nicht zu einer Dopingkontrolle beim Training erschienen war. Die Sperre tritt am 12. Januar 2004 in Kraft. Damit kann Ferdinand auch bei der EM-Endrunde in Portugal (12. Juni bis 4. Juli 2004) nicht spielen. Trotz des Urteils trat der Abwehrspieler mit ManU am Sonntag zum Premier-League-Spiel bei Tottenham Hotspur an.

          Ferdinand, der sich 36 Stunden nach der versäumten - weil vergessenen - Urinkontrolle einem nachträglichen Dopingtest mit negativem Ergebnis unterzog und bis zuletzt die Einnahme verbotener Substanzen bestritt, kann innerhalb von zwei Wochen Einspruch gegen die Entscheidung der Kommission einlegen. Der 25jährige muß außerdem 70.000 Euro Geldstrafe zahlen. Ähnlich lange war 1996 nur ManU-Stürmer Eric Cantona nach einem Kung-Fu-Tritt gegen einen Zuschauer gesperrt worden. Der Franzose wurde sogar neun Monate aus dem Verkehr gezogen.

          Blatter erhöhte den Druck

          Der englische Verband FA hatte Ferdinand nach der verpaßten Kontrolle zwar zunächst für Länderspiele gesperrt, für Einsätze für seinen Klub aber bis zur Verkündung eines Urteils die Spielerlaubnis erteilt. Der teuerste Abwehrspieler der Welt - Manchester überwies 2002 45 Millionen Euro an Leeds United - hatte unter anderem im wichtigen EM-Qualifikationsspiel am 11. Oktober in der Türkei nicht spielen können. Die englische Auswahl um Kapitän David Beckham hatte wegen der von der FA ausgesprochenen vorläufigen Suspendierung Ferdinands sogar mit Streik gedroht.

          Erst am Rande der Gruppen-Auslosung für die WM-Qualifikation in Frankfurt hatte Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA), schwere Vorwürfe gegen die FA erhoben und dem englischen Verband eine Verschleppung des Falles Ferdinand vorgeworfen. Bitter stellte er fest: „Unser Spiel ist nicht mehr sauber.“ Er kündigte an, in Zukunft keine Laxheit der Verbände bei der Behandlung von opingfällen mehr zu dulden: „Wer unter Dopingverdacht steht, gehört gesperrt, bis der Fall geklärt ist.“ Zwei Wochen nach der harschen Blatter-Kritik wurde Ferdinand gesperrt.

          Mitleid mit Ferdinand hat indes Englands schwedischer Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson: „Ich bin sicher, daß er den Fußball in den kommenden acht Monaten sehr vermissen wird. Es wird außerdem ein herber Rückschlag sein, die EM 2004 in Portugal zu verpassen. Aber auch ich muß die Entscheidung der Disziplinarkommission respektieren.“

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