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DFB-Pokal in Kaiserslautern : Wieso sich Mainz mit neuen Fans so schwer tut

Augenhöhe ist Vergangenheit: 2010 kämpften Eugen Polanski (rechts) und seine Mainzer gegen Kaiserslautern mit Martin Amedick (Mitte) noch in der Bundesliga um Punkte. Bild: Reuters

Mainz 05 will das Pokalduell in Kaiserslautern nutzen, um das Profil zu schärfen. Der Nachbar aus der Pfalz hat trotz des Absturzes in die Dritte Liga noch eine größere Fanbasis als der sportlich enteilte Klub. Wieso ist das so?

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          Stefan Hofmann wohnt im rheinhessischen Schornsheim. Nur 20 Kilometer sind es ins Stadion nach Mainz, dreimal so weit bis zum Kaiserslauterer Betzenberg. Und dennoch sind die Fans des 1. FC Kaiserslautern trotz der Turbulenzen um den Verein noch deutlich in der Überzahl in seiner kleinen Heimatgemeinde. Der Präsident des Fußball-Bundesligaklubs Mainz 05 weiß also, was es heißt, als „Nullfünfer“ unter FCK-Fans zu leben.

          In ganz Rheinland-Pfalz gilt eine noch deutlichere Übermacht in Bezug auf Zuneigung. „Das ist eben noch immer die Wirklichkeit. Kaiserslautern hat Fans in der fünften, sechsten oder gar siebten Generation, wir sind eben erst in der ersten und zweiten Generation“, sagt Hofmann. Er selbst könnte aus seiner Verbandsgemeinde heraus sogar mit einem Bus, der seit Jahrzehnten an Spieltagen in verschiedenen benachbarten Dörfern Anhänger der „Roten Teufel“ aufgabelt, am Samstag zum Betzenberg fahren, wenn sein Verein um 15:30 Uhr (F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und Sky) zum Erstrundenspiel im DFB-Pokal vor gut 40.000 Zuschauern auf dem Betzenberg antreten muss. „Ich fahre mal lieber mit dem eigenen Auto“, sagt Hofmann schmunzelnd.

          DFB-Pokal
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          Erstmals seit dem letzten Abstieg des FCK aus der Bundesliga vor sieben Jahren spielen die beiden besten Fußballklubs aus Rheinland-Pfalz wieder in einem Pflichtspiel gegeneinander, so sehr zugunsten der vor zwei Jahrzehnten sportlich noch bedeutungslosen Rheinhessen waren die Kräfte freilich noch nie verschoben, wenngleich Mainz 05 seit seiner ersten,  damals noch gemeinsam mit dem FCK bestrittenen Bundesligasaison 2004/05 in jeder Spielzeit am Ende vor dem FCK plaziert war – entweder um ein paar Plätze in der gleichen Spielklasse oder eben neuerdings um gleich zwei Ligen.

          Erstmals überhaupt geht der ruhmreiche, 119 Jahre alte FCK, der Klub von Fritz Walter und weiteren vier Weltmeistern von 1954, vierfacher deutscher Meister und zweimaliger Pokalsieger, nach dem Abstieg bis hinab in die Dritte Liga als eindeutiger Außenseiter in ein Duell mit dem Klub aus der Landeshauptstadt, der vermutlich allein in dieser Woche bei den Verpflichtungen von Stürmer Taiwo Awoniyi und Innenverteidiger Jeremiah St. Juste einen Jahresetat des Drittligaklubs in die Verstärkung des Kaders investieren konnte. Bis in die neunziger Jahre hinein war das Kräfteverhältnis genau umgekehrt zwischen dem bis dahin meist drittklassigen Mainzern und dem Bundesligagründungsmitglied aus der Pfalz. Noch bis zur Jahrtausendwende gab es selbst in Mainzer Stadtgrenzen vermutlich noch mehr FCK- als 05-Fans, ganz zu schweigen von der Lage in den 50er Jahren, als die deutschen Meister aus Kaiserslautern um Fritz Walter bei der Durchfahrt durch Mainz auf dem Rückweg vom Endspiel im Hauptbahnhof gefeiert wurden, woran die Mainzer Allgemeine nun erinnerte.

          In Rückstand geraten

          Diesen Nachbarn hatten die Pfälzer Fans bei dessen Aufstieg von der grauen Maus zu einem etablierten Bundesligaverein lange zu ignorieren versucht. Gepeinigt durch immer neue Führungskrisen innerhalb des Vereins müssen die Kaiserslauterer mittlerweile indes neidisch hinaufschauen zu den Rheinhessen. „Mittlerweile erkennen die meisten FCK-Fans wohl immerhin an, dass wir in Mainz ganz ordentlich gearbeitet haben“, sagt Hofmann, der vor dem Spiel darum bemüht ist, Brisanz aus dem Duell zu nehmen. „Bei mir in Schornsheim freuen sich ohnehin auch die Lautern-Fans für mich, wenn Mainz 05 erfolgreich ist.“

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