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Tennisprofi Ana Ivanovic : Frühlingsgefühle in Paris

  • -Aktualisiert am

Sie weiß, wie sich Erfolge in Paris anfühlen: 2008 gewann Ana Ivanovic die French Open schon einmal Bild: dpa

Ana Ivanovic spielt bei den French Open so gut wie lange nicht mehr. Die Serbin hat ihr Gleichgewicht wieder – und wird dabei gestützt von einem neuen Gast auf der Tribüne: Fußball-Weltmeister Bastian Schweinsteiger.

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          Wie immer sah Ana Ivanovic den Fragesteller sehr freundlich und interessiert an, nickte kurz und antwortete dann, als habe sie die Frage nach dem schwierigen Beginn ihrer Karriere in einem kleinen Land wie Serbien noch nie gehört und als sei die Idee dahinter wirklich was Besonderes: „Wissen Sie, die Sache ist so . . .“ Es gibt wenige Tennisspielerinnen, die die Kunst der liebenswürdigen Konversation derart perfekt beherrschen wie Ivanovic und die ganz normale Sätze mit einem Lächeln in ein kleines Geschenk mit Schleife verwandeln können.

          Man kann ihn schon verstehen, den Mann in Schwarz, der seit einer Woche im Kreise des Teams der Serbin auf der Tribüne sitzt. Wobei er am Anfang rein kleidungstechnisch noch nicht ganz auf der Linie zu sein schien; bei seinem ersten Gastspiel auf der Tribüne in Paris trug Bastian Schweinsteiger ein Ringelshirt wie Maria Scharapowa. Aber der Fehler wurde schnell korrigiert, seither taucht er passend zum Spielkleid der Freundin in Schwarz auf.

          Die „das-geht-Sie-gar-nichts-an-Botschaft“

          Und man kann es nicht anders sagen: Schweinsteiger gibt alles. Er trägt die schwere Schlägertasche der Freundin, er feuert sie von der Tribüne aus an, zeigt die Faust, wenn sie die Faust zeigt, und am Sonntag, nach ihrem Sieg gegen Jelena Makarowa, wusste er sich vor Begeisterung kaum zu fassen. Er jubelte, als sei er gerade zum zweiten Mal Fußball-Weltmeister geworden; mit dem Unterschied, dass er dabei deutlich besser aussah als seinerzeit in Rio, als er die Spuren eines für ihn brutalen Spiels im Gesicht trug.

          Spielerinnenmann: Bastian Schweinsteiger sieht den Sieg von Ana Ivanovic

          Die französische Sportzeitung „L’Équipe“ widmete ihm am nächsten Tag unter der Überschrift „Ana auf den Flügeln der Liebe“ ein kleines Foto und teilte ihrer Leserschaft mit, Schweinsteigers Absicht, bis zum 7. Juni in Paris zu bleiben, sei der Beweis dafür, dass er an die Chance „seiner Dulcinea“ glaube; das Finale der Frauen findet am 6. statt. Mademoiselle Dulcinea wurde natürlich schon des Öfteren nach der besonderen Unterstützung gefragt. Sie hörte interessiert zu, lächelte freundlich und kleidete die Botschaft das-geht-Sie-gar-nichts-an in die Worte: „Es ist toll, ein tolles Team mit positiven Menschen um sich zu haben; es gibt nichts Besseres als das.“

          Lassen wir mal die Sache mit dem chanson d’amour; aber selbst unpoetisch betrachtet erlebt Ana Ivanovic dieser Tage in Paris Frühlingsgefühle wie lange nicht mehr. Seit sie vor sieben Jahren auf dem Court Central ihren bisher einzigen Grand-Slam-Titel gewann, hatte sie nie mehr das Viertelfinale erreicht. Damals, im Juni 2008, hatte es so ausgesehen, als sei dies der Beginn einer wunderbaren Karriere; mit dem Sieg landete sie an der Spitze der Weltrangliste, wo sie insgesamt zwölf Wochen blieb.

          In gewisser Weise sei es großartig gewesen, in so jungen Jahren einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen, sagte sie dieser Tage. Auf der anderen Seite sei sie quasi unter dem Blick der Öffentlichkeit groß geworden. „Da lernst du eine Menge über dich, was dir gefällt und was dir nicht gefällt, was du brauchst und was du nicht brauchst. Natürlich bin ich jetzt, sieben Jahre später, nicht mehr dieselbe Person.“

          Tennis-Star Ivanovic: „Ana auf den Flügeln der Liebe“

          Es hatte etliche Jahre lang so ausgesehen, als gehöre Ivanovic nicht mehr zum Kreis der Favoritinnen. 2009 gewann sie keinen einzigen Titel, ebenso wenig 2012 und 2013, zwischenzeitlich gehörte sie nicht mehr zu den besten 50 der Welt und verschwand irgendwie vom Radar. Manchmal wurde diskutiert, ob sie zu viel abgenommen habe, für große Siege schien ihre Kraft nicht mehr zu reichen. Doch dann meldete sie sich zurück.

          Mit einem Turniersieg in Auckland/Neuseeland startete sie ins Jahr 2014, drei weitere folgten in den Monaten danach, und im Sommer kehrte sie nach mehr als fünf Jahren unter die Top zehn zurück. Ende des Jahres standen 58 Siege zu Buche, so viele wie bei keiner anderen Spielerin, und sie beendete ihre mit Abstand beste Saison - sieht man vom Titel damals in Paris ab - auf Platz fünf der Weltrangliste.

          Mit aller Kraft und Konzentration

          Was passiert war? Sie hatte ihr Gleichgewicht gefunden. Viele Jahre lang habe sie geglaubt, nur an Tennis und an Tennis und an sonst nichts denken zu müssen, erzählte sie vor ein paar Monaten während des Turniers in Indian Wells, und bei jedem Ausflug aus dem Käfig habe sie ein schlechtes Gewissen gehabt. Aber das sei nun vorbei; sie sei beim Training und im Spiel mit aller Kraft und Konzentration bei der Sache, aber sie genieße den wunderbaren Rest ganz anders als früher.

          Das kann man nun auf die Flügel der Liebe übertragen oder nicht. Fest steht, dass Ana Ivanovic dieser Tage ganz gute Aussichten hat, zum ersten Mal seit sieben Jahren im Halbfinale oder womöglich im Finale der Internationalen Tennismeisterschaften von Frankreich zu landen. Im Viertelfinale wird sie an diesem Dienstag (14 Uhr) gegen Elena Svitolina aus der Ukraine spielen (Nummer 19), im Falle eines Sieges danach im Halbfinale gegen die Siegerin der Partie zwischen Garbine Muguruza (Nr. 21) aus Spanien und Lucie Safarova (Nr. 13).

          Die Tschechin beeindruckte am Montag beim Sieg gegen Titelverteidigerin Maria Scharapowa (7:6, 6:4), und die nominell beste Spielerin der unteren Hälfte des Tableaus ist damit nicht mehr im Spiel. Damit verschwindet auch das Ringelshirt; aber der äußerst engagierte Freund in der Box von Ana Ivanovic trägt ja inzwischen ohnehin Schwarz.

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