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Tennis-Profi Alexander Zverev : Der Zauber des Anfangs

  • -Aktualisiert am

Alexander Zverev trifft am Samstag bei den French Open auf einen guten Freund Bild: AFP

Der letzte Deutsche: Alexander Zverev trifft an diesem Samstag in Roland Garros auf seinen Kumpel Dominic Thiem. Die Tendenz der beiden Youngster geht nicht nur in Paris steil nach oben.

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          Worüber die Welt des Tennis in der ersten Woche der French Open 1989 sprach? Über die Chancen von Ivan Lendl auf den Gewinn des dritten Coupe des Mousquetaires, über die Aussichten von Boris Becker oder Stefan Edberg auf den ersten und vor allem über die schrillen Schreie einer 15 Jahre alten Debütantin namens Monica Seles. Die stillen Kenner warfen derweil interessierte Blicke auf ein Spiel zweier junger Amerikaner, des 17 Jahre alten Michael Chang gegen den ein paar Monate älteren Pete Sampras.

          Chang galt in den Vereinigten Staaten als großes Talent, und in Paris ließ er keine Zweifel an der Reihenfolge; er gewann ziemlich überzeugend 6:1, 6:1, 6:1. Ein paar Tage danach besiegte er in einem der spektakulärsten Auftritte der Tennisgeschichte mit List und Tücke den großen Lendl, und am letzten Tag des Turniers hielt der so unscheinbar wirkende Chang den Pokal im Arm.

          Am Ende der parallel verlaufenden Karrieren der beiden Amerikaner herrschten klare Verhältnisse. Sampras verabschiedete sich 2003 mit 14 Grand-Slam-Titeln, darunter sieben aus Wimbledon und keiner aus Paris. Chang, der im selben Jahr sein letztes Spiel machte, beendete die Karriere mit einem Grand-Slam-Titel, jenem einen aus Paris, und mit zwölf Niederlagen in insgesamt 20 Begegnungen mit Sampras. Die Quintessenz der Geschichte? Was am Anfang passiert, hat keinerlei Aussagekraft darüber, wie die Sache weitergehen könnte.

          Es gibt für Alexander Zverev also nicht den geringsten Grund zu glauben, der Anfang seiner gemeinsamen Geschichte mit Dominic Thiem wäre ein schlechtes Omen. Nun mag der Vergleich der beiden mit Sampras und Chang auf den ersten Blick ein wenig hochgegriffen wirken. Aber in der Welt des Tennis herrscht Konsens, dass sich der 19 Jahre alte Hamburger und der gut drei Jahre ältere Niederösterreicher in Zukunft regelmäßig auf höchstem Niveau begegnen werden. Thiem gewann die ersten beiden Spiele, Ende April bei den BMW Open in München und in der vergangenen Woche im Finale des Turniers in Nizza. An diesem Samstag werden sie in Roland Garros von 11 Uhr an (live bei Eurosport) wieder das Vergnügen haben, und das ist nicht nur so dahingesagt. Die beiden sind Freunde geworden.

          Tendenz nach oben

          Thiem ist mit 22 Siegen der erfolgreichste Sandplatzspieler bisher in diesem Jahr, er steht in der Weltrangliste auf Platz 15, und mit einem weiteren Sieg könnte er in der Nähe der Top Ten landen. Zverev könnte nach den ersten beiden Siegen seiner Karriere im Hauptfeld der French Open nach dem Ende derselben zu den besten 40 der Welt gehören. Tendenz steil nach oben.

          Dominic Thiem

          Aber nicht nur Anfänge, Zauber hin oder her, auch Tendenzen sind nichts, worauf man sich verlassen kann. Vor zwei Jahren sah es so aus, als melde Grigor Dimitrov Ansprüche als Herausforderer des Quartetts an der Spitze an. Es sah so aus, als habe er dank der Hilfe des australischen Coachs Roger Rasheed eine vielversprechende Ebene erreicht; in der Weltrangliste stand er im Sommer vor zwei Jahren auf Platz acht. Rasheed gehört nun schon seit einer Weile nicht mehr zu seinem Team, auch seine Beziehung mit Maria Scharapowa zerbrach, und mittlerweile zählt Dimitrov nicht mehr zu den besten 30 der Welt. Er habe, sagte er, völlig das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten verloren.

          Es lauern viele Gefahren am Wegesrand, und eine Karriere ohne Krisen gibt es nicht. „Sascha“ Zverev meinte vor der dritten Begegnung innerhalb weniger Wochen mit seinem Freund aus Österreich, es komme nicht darauf an, wie erwachsen, sondern wie gut man sei. Stimmt nicht ganz; das eine hat mit dem anderen bisweilen schon was zu tun. Novak Djokovic und Rafael Nadal stehen mit 49 gemeinsamen Spielen an der Spitze der Duell-Liste in der Zeit des Profitennis; sie brauchten dafür zehn Jahre. Kein Vergleich mit Werten aus der alten Zeit des weißen Sports. Die Australier Rod Laver und Ken Rosewall brachten es in 13 Jahren auf 142 Spiele. Thiem und Zverev fehlen also nur noch 139.

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