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Viertelfinale der French Open : Siegemund ist bereit für den nächsten Gang

  • -Aktualisiert am

Durchschlagender Erfolg: Laura Siegemund steht im Viertelfinale. Bild: AFP

Laura Siegemund holte bei den US Open im Doppel den Titel. In Paris ist sie nun im Einzel schon im Viertelfinale – nach einem ordentlichen Auf und Ab. Nun wartet eine Wimbledon-Siegerin auf die Deutsche.

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          Man glaubt ja manchmal, schon alles gesehen zu haben in diesem Sport, aber das stimmt natürlich nicht. Die Sammlung wächst mit jedem Turnier, und gerade wegen der besonderen Umstände in diesen Zeiten kann es gut sein, dass die French Open dereinst in der Kollektion eine gewisse Rolle spielen werden. Doch manche dieser scheinbaren Nebensächlichkeiten sind auf den zweiten Blick mehr als das. Als Novak Djokovic neulich selbst zum Besen griff, weil das Dach im Regen wieder mal zu spät geschlossen wurde und der rote Platz nicht in bester Verfassung war, da stand die Hand am Besen stellvertretend für den bekannten Perfektionismus des Serben.

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          Und als Laura Siegemund während einer Behandlungspause ihrer Gegnerin am Montag zur Mittagszeit zur Gabel griff und ein kleines Essen zu sich nahm, da war das auch mehr als nur ein ungewöhnlicher Anblick. Denn was wie und warum getan werden muss, um ein Ziel zu erreichen – sie wird es tun.

          Weil sie während des wechselvollen Spiels gegen Paula Badosa das Gefühl hatte, ihr Körper brauche dringend Kohlenhydrate – das Essen im Spielerzentrum ist wohl nicht so toll dieser Tage –, nutzte Laura Siegemund die Gelegenheit, als die Spanierin während eines Seitenwechsels bei einer Behandlung am Boden lag. „Du musst einfach auf deinen Körper hören“, meinte sie hinterher zu dieser Szene. Meist bedankt sich der Körper ja tatsächlich fürs Mitdenken.

          Entschlossener, ideenreicher, engagierter

          Obwohl sie fand, dieses Achtelfinale sei ein ziemliches Auf und Ab gewesen, weil sie es lange Zeit nicht geschafft habe, eine gewisse Konstanz zu finden, war sie zumindest im zweiten Satz der Partie (7:5, 6:2) die deutlich bessere Spielerin; entschlossener, ideenreicher, engagierter. Wieder war es kalt und windig, wieder war sie dick eingepackt im Vergleich zur eher luftig angezogenen Gegnerin, aber auch das gehört eben dazu, um ein Ziel zu erreichen. Kürzlich bei den US Open in New York und dem Titelgewinn im Doppel hatte Siegemund mit ihrem Freund und Coach Antonio Zucca darüber gesprochen, wie toll es wäre, zum ersten Mal in ihrer Karriere endlich auch im Einzel in der zweiten Woche eines Grand-Slam-Turniers zu landen.

          Diesen Plan hatte sie ja schon mit dem Spiel gegen Badosa erfüllt. Der Schritt ins Viertelfinale ist eine Bestätigung und der Beweis, dass sie unter komplizierten Bedingungen nicht nach Ausreden gesucht und jede Herausforderung angenommen hat. Kälte, Regen, Mistwetter? Klar, sagt sie. „Es macht echt keinen Spaß, hier zu spielen. Aber entweder man ist Profi oder nicht, und dann kann man nicht jammern. Ich versuche, positiv zu bleiben.“

          Zumindest vor Regen wird sie im Viertelfinale am Mittwoch weitgehend sicher sein, denn die Partie wird auf dem Court Central gespielt, und auf der anderen Seite wird Petra Kvitova stehen. Die zweimalige Wimbledon-Siegerin ist eine der wenigen gesetzten Spielerinnen, die bei diesem verwirrenden Turnier noch im Rennen sind, nachdem im Achtelfinale die Favoritin Simona Halep gegen die 19 Jahre alte Polin Iga Swiatek ausgeschieden war. Die hatte zu Beginn des Turniers verraten, sie habe einen Zeitplan, um unter den Top Ten zu landen, und falls sie den nicht erfülle, werde sie Tennis sein lassen und lieber studieren. Ein Plan, den Laura Siegemund sicher versteht; sie hatte dem Tennis ja auch mal den Rücken gekehrt, als sie das Gefühl hatte, anderswo sei mehr zu erreichen.

          Doch das Beispiel von Laura Siegemund, die mit Stolz auf den kurvigen Weg zurückblickt, den sie hinter sich hat, und mit Freude auf die Strecke, die vor ihr liegt, könnte allen Mut machen, die das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten. Früher hätte es sicher Momente gegeben, in denen sie nicht in der Lage gewesen wäre, mit so komplizierten Bedingungen wie diesmal in Paris umzugehen, sagt die Siegerin mit der Gabel. Sie ist bereit für den nächsten Gang.

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