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„Double“ bei French Open : Krejcikovas Garten blüht

  • -Aktualisiert am

Barbora Krejcíková erinnert sich immer an Jana Novotna Bild: AFP

Die Tschechin Barbora Krejcíková gewinnt bei den French Open nach dem Einzel auch im Doppel mit Katerina Siniaková. Die Saat säte einst die große Jana Novotná.

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          Als sie am nächsten Tag an den Ort ihres Triumphes zurückkehrte, war noch viel Platz auf den Tribünen des Courts Philippe Chatrier; um die Mittagszeit sitzt der Franzose traditionell beim Essen und nicht beim Tennis, und dass die große Siegerin des Tages zuvor auch im Doppel dabei sein würde hatte ja keiner ahnen können. Aber Barbora Krejcíková hätte sicher auch auf Court 14 ohne Ballkinder und Schiedsrichter um ihren zweiten Titel gespielt, beseelt und getragen von den Ereignissen dieses sonnigen Sommerwochenendes an der Seine.

          In Paris wurden gerade in der jüngeren Vergangenheit im Frauentennis viele Träume wahr; vor fünf Jahren gewann die Spanierin Garbiñe Muguruza ihren ersten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier, zwölf Monate später stürmte völlig überraschend Jelena Ostapenko aus Lettland zum Sieg. 2018 belohnte sich Simona Halep im dritten Anlauf bei einem großen Finale, es folgten die aktuelle Nummer eins des Frauentennis, Ashleigh Barty, und schließlich im vergangenen Jahr Iga Swiatek mit frischem Wind und der Kraft des positiven Denkens. Nun also setzt die 25 Jahre alte Barbora Krejcíková die Reihe fort, und wäre man auf der Suche nach einem Begriff als Grundlage für das bemerkenswerte Ereignis, dann müsste es dieses sein: Vermächtnis erfüllt.

          Die Tennisfamilie hatte ein paar Mal feuchte Augen an diesem Wochenende, weil so viele Erinnerungen an die Mentorin und frühere Trainerin der tschechische Siegerin beschworen wurden, die vielgeliebte Jana Novotná. Mit 18 und unsicher, was ihre Zukunft als Spielerin betraf, war Barbora Krejcíková mit ihren Eltern bei der Wimbledonsiegerin des Jahres 98 in der gemeinsamen Heimatstadt Brünn mit der Bitte um einen Ratschlag vorstellig geworden. Ein paar Tage später trafen sie sich zu einem gemeinsamen Spiel, und zur großen Freude und Überraschung der jungen Spielerin entstand daraus eine dauerhafte Verbindung. Jana Novotná versprach, sich zu kümmern, und in den drei gemeinsamen Jahren bis zu ihrem frühen Tod im Dezember 2017 säte sie die Saat.

          Hol dir einen Grand-Slam-Titel

          In diesem Garten fühlt sich Barbora Krejcíková bis heute gut aufgehoben und beschützt. Vor jedem Spiel und nach jedem Spiel denkt sie an Novotná, fragt sich, was die Freundin da oben im Himmel zu ihrem Auftritt sagen würde. Deren letzte persönliche Worte auf Erden (hol dir einen Grand-Slam-Titel) klangen immer wieder in ihren Ohren, aber vor allem merkte sie sich einen Ratschlag fürs Leben an sich: Es kommt nicht darauf, wie viele Titel du gewinnst. Du musst immer hallo, bitte und danke sagen; es ist wichtig, dass du dich gut benimmst.

          Mit ihrer bodenständigen, direkten und freundlichen Art überzeugt die aktuellste Erbin der großen tschechischen Tradition abseits des Platzes, im Spiel blieb sie in den beiden Wochen des Turniers auch in kniffligen Situationen ihrer Linie treu, auch beim Sieg in drei Sätzen im Finale gegen Anastassija Pawljutschnkowa.

          Und ebenso wie bei Iga Swiatek vor einem Jahr wurde auch diesmal wieder deutlich, dass die schnellsten Beine und eine gute Hand wenig nützen, wenn man sich nicht darum kümmert, die Gedanken zu trainieren und zu kontrollieren. Bemerkenswert offen berichtete Krejcíková in Paris, wie sie vor ihrem Viertelfinale in Tränen aufgelöst in der Kabine gesessen hatte, von Versagensängsten geplagt, und wie ihr in dieser Situation wie auch später vor dem Finale Gespräche mit ihrer Psychologin geholfen hätten.

          Umarmung nach dem Sieg: Barbora Krejcikova (l) und Katerina Siniakova gewinnen French Open
          Umarmung nach dem Sieg: Barbora Krejcikova (l) und Katerina Siniakova gewinnen French Open : Bild: dpa

          Ruhig und im Vertrauen auf ihre Fähigkeiten nahm sie die Aufgabe im ersten großen Einzelfinale ihrer Karriere an, empfing den Pokal nach dem Sieg stolz aus den Händen der legendären Martina Navratilova und hätte die Trophäe am liebsten mit ins Bett genommen. Sie schaffte es irgendwie, nach all den Ereignissen des größten Tages ihrer Karriere ein paar Stunden später wieder mit den Gedanken bei der Sache zu sein.

          Erstes „Double“ seit Mary Pierce

          Nach kurzen Schlaf und auf müden Beinen kehrte sie Sonntagmittag mit ihrer langjährigen Partnerin Katerina Siniaková auf den Court Philippe Chatrier zurück und schnappte sich mit einem souveränen Sieg gegen Swiatek und die Amerikanerin Bethanie Mattek-Sands die nächste Trophäe im Doppel, die dritte bei einem Grand-Slam-Turnier. Acht Jahre, nachdem es die beiden an gleicher Stelle bei den Juniorinnen zum ersten Mal miteinander versucht und prompt gewonnen hatten. Sie ist damit die erste Spielerin seit Mary Pierce im Jahr 2000, die in Paris beide Titel in einem Jahr holte. Im Doppel rückt Barbora Krejcíková wieder an die Spitze der Weltrangliste vor, im Einzel steht sie nun auf Rang 15 und damit um rund hundert Plätze besser als vor einem Jahr um die gleiche Zeit.

          Und was sie zum Abschied zu sagen hatte? „Nach allem, was hier in diesen zwei Wochen passiert ist und vor allem an den letzten zwei Tagen, fühle ich mich erleichtert und entspannt. Ich weiß einfach, dass ich von jetzt an wirklich genießen kann, weil ich alles erreicht habe, was ich jemals haben wollte. Es kann nun nur noch besser werden.“ Im Garten des Vermächtnisses blühen Blumen.

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