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French Open 2016 : Bei den Damen ist alles möglich

  • -Aktualisiert am

2015 holte Serena Williams den Titel bei den French Open. Bild: AP

Es ist wie in der Achterbahn. Beim Damen-Turnier der French Open gibt es in diesem Jahr keine große Favoritin. Die Formkurven verlaufen sehr verwirrend – selbst bei der Titelverteidigerin.

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          Es wird heftig gegraben im Stade Roland Garros. An einer der beiden Längsseiten des Court Central, der nach dem früheren Präsidenten des französischen Tennisverbandes, Philippe Chatrier, benannt ist, klafft ein großes, braunes Loch. Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Bauarbeiten im Rahmen der Modernisierung der Anlage begonnen. Man kann deshalb davon ausgehen, dass das Gedränge auf der Anlage, wenn das Turnier am Sonntag beginnt, nicht kleiner sein wird als in den vergangenen Jahren. Manche Wege auf der traditionell verstopften Anlage führen in die pure Ratlosigkeit, aber nicht anders verhält es sich am Tag vor dem Beginn des Turniers mit der Frage, wer denn wohl in zwei Wochen mit dem Coupe Suzanne Lenglen im Arm posieren könnte, der Trophäe für die Siegerin des Turniers.

          Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wäre die Antwort leichter geworden, und das hat eine Menge mit Serena Williams zu tun. Vor einer Woche gewann die Amerikanerin in Rom den 70. Titel ihrer unvergleichlichen Karriere, wobei es in diesem Fall weniger auf die 70 ankam; es war Williams‘ erster Titel seit August 2015. In den Monaten dazwischen hatte es bisweilen so ausgesehen, als habe ihr die völlig überraschende Niederlage im Halbfinale der US Open in New York gegen Roberta Vinci aus Italien einen Knacks gegeben. Und sie selbst hatte ja auch zugegeben, dieses Spiel und diese Niederlage hätten sie lange beschäftigt.

          Ende Januar verlor sie das Finale der Australian Open gegen Angelique Kerber, im März verlor sie die Endspiele in Indian Wells (gegen Victoria Asarenka) und in Miami (gegen Swetlana Kusnezowa), und für das Turnier in Madrid Anfang Mai sagte sie ab. Eine Reihe von Niederlagen, aber vieles ist halt auch eine Frage der Perspektive. „Für jede andere wären vier Finals nicht schlecht“, sagte sie am Freitag nach der Auslosung in Paris, „andererseits bin ich aber nicht jede andere.“ Eine nicht ganz untypische Antwort, die vielleicht so zu deuten wäre: Ich war nicht so schlecht, wie ihr glaubt, aber ich war auch nicht so erfolgreich, wie ich es gern gewesen wäre.

          Den Fehler früherer Jahre werde sie jedenfalls nicht mehr machen, sagt Serena Williams. Früher habe sie Druck empfunden, wenn sie als Titelverteidigerin zu einem Turnier zurückgekehrt sei, jetzt sehe sie die Sache anders: „Okay, ich bin Titelverteidigerin, Ich bin in Paris, das ist cool, und ich hab ’ne tolle Zeit. Ich bin einfach glücklich, hier zu sein.“ Der Sieg in Rom hat vielleicht manches wieder ins Lot gebracht, aber es ändert nichts an der Einschätzung, dass die Tür zum Titel bei den Frauen in diesem Jahr angesichts verwirrender Formkurven der potentiellen Kandidatinnen weit offen steht.

          Wie schlägt sich Angelique Kerber bei ihrem ersten Grand Slam seit dem Sieg von Melbourne?

          Und zu diesem Kreis gehört die bisher Beste dieses Jahres, Angelique Kerber. Beim Triumph in Australian mit dem großartigen Sieg gegen Williams im Finale hatte es so ausgesehen, als wäre die Phase des Zweifelns vorbei. Diverse Ausschläge in der Leistungskurve in den Wochen danach waren leicht zu erklären als Folge einer Kombination aus intensiver Belastung und neuer Position. Im Frühling schien sie sich wieder dem australischen Niveau zu nähern, kämpferisch schaffte sie den Übergang vom souveränen Auftritt beim Fed Cup in Rumänien zur Titelverteidigung beim Porsche Grand Prix in Stuttgart.

          Doch danach sackte die Kurve wieder ab; danach verlor sie sowohl in Madrid als auch in Rom in Runde eins. Und vor allem bei der Niederlage kürzlich im Foro Italico gegen Eugenie Bouchard aus Kanada sah es so aus, als seien die alten Zweifel wieder da. Vergeblich versuchte Trainer Torben Beltz während der Coaching-Auszeiten, ihr Mut zuzusprechen und sie an die kämpferischen Auftritte von Stuttgart zu erinnern, aber sie sah an ihm vorbei und murmelte: „Ich weiß, dass ich es kann, aber es geht nicht. Seit Tagen nicht.“ Den geplanten Start in der Woche danach beim Nürnberger Versicherungscup sagte Angelique Kerber wegen einer Schulterverletzung ab und zog sich bis zum Abflug nach Paris zurück. Natürlich sei es zuletzt nicht gut gelaufen, meinte sie am Freitag in Paris, aber solche Phasen gebe es in jedem Jahr. „Das ist kein mega Drama. Ich bin selbstbewusst hergekommen, und bin auf einem guten Weg. Sieht alles gut aus.“

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          Allzu viel Zeit wird sich Angelique Kerber nicht nehmen können, um wieder ins Spiel zu kommen. Ihre Auslosung hat es in sich, angefangen mit der ersten Gegnerin, Kiki Bertens aus den Niederlanden, die am Wochenende in Nürnberg sowohl im Einzel als auch im Doppel das Finale erreicht hat. Bei der Auslosung landete Kerber in jener Hälfte des Tableaus, die mit Serena Williams, Victoria Asarenka und Timea Bacsinszky aus der Schweiz deutlich besser besetzt ist als die untere Hälfte mit Agnieszka Radwanska und Garbiñe Muguruza aus Spanien an der Spitze.

          In der Kerber-Hälfte stecken auch Andrea Petkovic, der es zuletzt nicht besonders gut ging, und Laura Siegemund, die kürzlich in Nürnberg zugegeben hatte, die viele Spiele in den vergangenen Wochen hätten reichlich Kraft gekostet. Die Eindrücke vor dem ersten Ballwechsel der French Open 2016 auf einen Nenner gebracht? Keiner weiß Bescheid, alles ist möglich.

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