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Andrea Petkovic : „Ich darf jetzt nicht verzagen“

  • -Aktualisiert am

Licht und Schatten in Paris: Andrea Petkovic scheidet aus. Bild: Imago

Die Leistung stimmt, aber nicht das Ergebnis bei den French Open: Für Andrea Petkovic ist Paris diesmal keine Reise wert. Demnächst stehen zwei Auftritt bei Turnieren in Deutschland an.

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          Roland Garros. Paris! Für Andrea Petkovic ist das ein besonderer Ort. Eines der größten Turniere der Welt, keine sechs Stunden entfernt von Darmstadt mit dem Auto – und nur vier, schwer beladen mit Tennistaschen und Klamotten, mit dem Zug. Französisches Flair atmen auf der Anlage im Bois de Boulogne, sich auf rotem Sand Kämpfe liefern, vor der Abreise noch mal durch Museen streifen, auf dem Dach des Centre Pompidou mit Familie und Freunden im Restaurant feiern – für die 33 Jahre alte Darmstädterin, Tennisprofi seit 2006, ist Paris immer ein Saison-Höhepunkt gewesen.

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          2014 erreichte sie dort erstmals das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers. Das wahrscheinlich beste Match, das sie je spielte, gelang ihr ebenfalls in Paris. 2019 rang sie in der zweiten Runde die Taiwanerin Hsieh Su-Wei 4:6, 6:3, 8:6 nieder, vor vollen Rängen, enthusiastisch gefeiert vom Publikum.

          Diesmal, im bunten Herbst ihrer Tenniskarriere, in dem sie auch Buchautorin und Sportmoderatorin ist, war Paris für Andrea Petkovic, keine Herzensangelegenheit, sondern eine Pflichtübung. Ins Hauptfeld des Turniers kam sie als aktuelle Nummer 115 der Weltrangliste durch ein sogenanntes „Protected Ranking“, das nach einer Verletzung den zuvor erreichten Ranglistenplatz für eine bestimmte Anzahl von Turnieren schützt. Ihr Vater Zoran – Betreuer, Seelenarzt, Teilzeitcoach – und ihre Mutter Amira waren erstmals seit Jahren in Paris nicht dabei.

          „Ich bin zufrieden“

          Auch die Karawane aus Freunden und Fans, die zu besseren Zeiten zwischen Darmstadt und Paris hin- und herfuhr, war in Hessen geblieben. Tickets für einen Tag im Stade Roland Garros zu bekommen war ja schier unmöglich, und wer hat in Zeiten von Corona schon wirklich Lust auf Paris, wo es noch immer eine Ausgangssperre nach 21.00 Uhr gibt. Statt mit großer Entourage war Andrea Petkovic mit ihrem Trainer unterwegs. Sportlich lief es so lala. Sie schied in Runde eins gegen die an Nummer 18 gesetzte Tschechin Karolina Muchova mit 6:1, 3:6, 4:6 aus.

          Die Leistung stimmte, das Ergebnis nicht. „Ich bin zufrieden“, sagte sie nach dem Match gegenüber Eurosport. Es war ein enges Match im dritten Satz. Petkovic hatte ihre Chancen, aber bei den entscheidenden Ballwechseln wirkte ihre Gegnerin entschlossener, druckvoller, mutiger. „Es sind noch diese engen Momente, in denen die Selbstverständlichkeit fehlt“, analysierte Petkovic. „Ich muss da mit mehr Natürlichkeit hingehen.“

          Das Vertrauen, den Ausgang eines Matches aus eigener Kraft zu bestimmen, käme mit gewonnenen Spielen. Die aber waren für Petkovic die Ausnahme in den vergangenen Wochen. „Leider hatte ich immer Auslosungen gegen Mädels, die am Ende das Turnier gewinnen und sehr weit kommen. Ich darf jetzt nicht verzagen, ich muss dranbleiben. Die spielerische Leistung ist da.“ Von einem baldigen Karriereende ist nicht die Rede. „Ich war mit meiner Leistung zufrieden, aber der Sieg hat gefehlt, daran muss ich weiter arbeiten, und daran werde ich weiter arbeiten.“

          Nach ihrem Ausscheiden ist Petkovic schnell abgereist. Corona hat die Traumstadt und ihr Tennisturnier immer noch im Griff. „Insgesamt“, sagt Petkovic, „ist das nicht die ideale Zeit, auf einen Tourismusbus zu steigen. Ich werde mich jetzt daheim regenerieren und mich dann auf die kommenden Turniere vorbereiten, auf Rasen, was ja mein absoluter Lieblingsbelag ist.“ Ein Anflug von Galgenhumor, denn auf Rasen ist der Darmstädterin bislang kaum etwas gelungen.

          Dass es in Paris keine einzige Deutsche in Runde zwei schaffte, sieht Petkovic als „Momentaufnahme“, aber auch als prinzipiellen Grund zur Sorge, wenn man bedenke, „dass wir alle schon über dreißig sind“. Irgendwann müsse die nächste Generation die Ablösung schaffen. „Wir können ja nicht mit 43 noch mit dem Gehstock in Paris auftauchen und versuchen, Spiele zu gewinnen.“

          Doch ganz trübe sieht Petkovic die Zukunft des deutschen Damentennis nicht. „Das Schöne ist, dass wir mit unserer Generation, die so viele Erfolge hatte, es ermöglicht haben, dass wir jetzt viele Turniere in Deutschland haben, die es der neuen Generation ermöglichen, Matches auf höchsten Niveaus zu spielen.“ Zwei finden demnächst in Bad Homburg und Hamburg statt. An beiden wird Andrea Petkovic teilnehmen.

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