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Kapriolen bei French Open : Nadal muss auf seinen Final-Gegner warten

  • -Aktualisiert am

Wind und Regen verhinderten die Beendigung des zweiten Halbfinales der Männer. Bild: AFP

Der spanische Dominator greift bei den French Open in Paris nach seinem zwölften Titel. Im Duell mit Roger Federer setzt sich Rafael Nadal durch. Doch auf wen er im Endspiel treffen wird, ist noch unklar.

          Rafael Nadal kann es überhaupt nicht gut leiden, wenn man seine Ordnung durcheinander bringt. Zu dieser Ordnung gehört, beizeiten den Namen des nächsten Gegners zu erfahren, doch damit konnte ihm aktuell in Paris nicht geholfen werden. Als der Tag zu Ende ging, wusste er, dass er im Finale der French Open um seinen zwölften Titel spielen wird, aber er wusste nicht, gegen wen. Er selbst hatte im stürmischen Wind und unter schwierigsten Bedingungen alles getan, um das Halbfinale gegen Roger Federer 6:3, 6:4, 6:2 zu gewinnen.

          Doch dem Wind im ersten Halbfinale folgte Regen im zweiten zwischen Novak Djokovic und Dominic Thiem, das Mitte des dritten Satzes angebrochen und auf Samstagmorgen um 12 Uhr vertagt wurde. Es gehört zu den Kuriositäten dieses Turniers, dass nach der Absage der Partie noch eine Weile die Sonne schien, aber ob diese Weile für den Rest des Spiels gereicht hätte, weiß natürlich nur der Himmel, und gegen Abend gab der Sturm auch noch mal mächtig Gas.

          Es scheint immer noch nicht ganz klar zu sein, ob das Dach über dem Court Central schon im nächsten Jahr oder erst 2021 fertig sein wird; es wäre jedenfalls diesmal schon eine Hilfe gewesen. Federer und Nadal kamen ohne Regen durch, aber mehr Positives ist über die äußeren Bedingungen nicht zu sagen. Der Wind machte beiden zu schaffen, aber selbst unter diesen Umständen war die Qualität des Spiels phasenweise umwerfend gut. Und es war auch diesmal wieder faszinierend zu sehen, wie sich Nadal auf diesem Terrain bewegt, wie er in scheinbar aussichtslosen Situationen den minimalen Hauch einer Chance nutzt.

          Sicher, Federer tat alles, was in seiner Macht stand, um auf dem Court Philippe Chatrier nach fünf Niederlagen zum ersten Mal gegen den Lieblingsrivalen zu gewinnen. Es gab vor allem im zweiten Satz diverse Gelegenheiten, in denen er Chancen nicht nutzte, aber zwei Naturgewalten machten ihm von Anfang bis Ende das Leben schwer. Es ist ja schon unter blauem Himmel und bei perfekten Bedingungen eine Herkulesaufgabe, in diesem Stadion gegen Nadal zu spielen, aber dieser hundsgemeine Wind machte es noch kniffliger; die Böen trieben seinen Spielplan und die Idee von filigranen Varianten vor sich her.

          „Du kommst irgendwann an einen Punkt“, meinte er hinterher, „an dem du einfach nur glücklich bist, wenn du den Ball irgendwie übers Netz bringst und nicht lächerlich dabei aussiehst.“ Selbstverständlich die Bedingungen für beide gleich schlimm gewesen, aber Nadal habe prinzipiell einfach so unglaubliche Fähigkeiten auf Sand, dass die Sache für ihn kaum noch zu lösen gewesen sei. An diesem Tag war definitiv zu viel Gelb im Spiel; das gemäßigte Gelb der Regenjacken vieler Fans auf den Rängen, und das leuchtende aggressive Gelb des Hemdes vom Mannes auf der anderen Seite des Platzes. Nach knapp zweieinhalb Stunden Spielzeit verwandelte Nadal seinen zweiten Matchball und landete damit zum zwölften Mal im Finale der Internationalen Tennismeisterschaften von Frankreich.

          Auch ein so vergleichsweise entspannter Mensch wie Federer geht nicht jedes Mal gleich mit Niederlagen um. Sicher hätte er sich den Verlauf und das Ende der 39. Begegnung mit dem Lieblingsspanier anders vorgestellt. Doch es gab nach der 24. Niederlage nicht viel, was er sich vorzuwerfen hatte. Für den Schweizer stand die Niederlage im Halbfinale als Schlusspunkt seiner Wochen auf Sand, und er fand, es gebe nichts zu bereuen. „Es war ein tolles Turnier für mich. Und die Unterstützung vom Publikum hätte kaum besser sein können, es war vielleicht die beste, die ich in den 20 Jahren auf der Tour bei einem Grand-Slam-Turnier hatte. Iich glaube, ich habe mich selbst überrascht, wie weit ich hier gekommen bin und wie gut ich die ganze Zeit gespielt habe.“ Er schloss nicht aus, sich die Tour durch die Sandkästen Europas noch mal zu gönnen. Er wird sich nun eine kurze Pause genehmigen, bevor er mit dem Auftritt bei den Gerry Weber Open in Halle in die Rasensaison startet.

          Für Djokovic und Thiem endete der Tag im Stade Roland Garros im Frust. Als die Partie nach der zweiten Regenpause abgebrochen wurde, führte der Österreicher 6:2, 3:6 und 3:1, und auf der Basis diesen minimalen Vorteils wird er am Samstag zur Mittagszeit versuchen, wie im vergangenen Jahr im Finale zu landen. Natürlich gegen Rafael Nadal.

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