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Nadal bei French Open : Herrscher auf der roten Asche

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Unbarmherzig gegen sich selbst und andere: Rafael Nadal gibt in jedem Training alles – und im Spiel sowieso. Bild: Reuters

Zehn Grand-Slam-Titel bei einem Turnier sind unerreicht in der Ära des Profitennis. Rafael Nadal kann zum zehnten Mal die French Open gewinnen – in einem denkwürdigen Finale gegen Stan Wawrinka.

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          Die Sonne scheint, das große Stadion ist noch leer, und der ganze leere Raum wird von Tönen gefüllt. Da unten auf dem Platz trainiert Rafael Nadal mit reichlich Rumms und Gestöhne, ein paar Meter neben ihm steht Onkel Toni mit verschränkten Armen, von der anderen Seite schlägt Carlos Moya die Bälle zurück. Moya ist Mallorquiner wie Nadal, er gewann dieses berühmteste aller Sandplatzturniere Ende der neunziger Jahre und wird Ende des Jahres alle Aufgaben von Toni Nadal übernehmen, der sich aus dem Trainerteam des Neffen zurückziehen will. Aber noch sind sie zu dritt Teil einer Szenerie, die sich nur in Uhrzeit und Stand der Sonne von jener am Vortag unterscheidet. Eines ist immer gleich: die unfassbare Intensität, mit der Nadal im Training noch immer jeden Ball schlägt, als hinge davon sein Leben ab.

          Die kleinen Siege über sich selbst in jeder Minute sind ihm so viel wert wie Titel, und deshalb kann er auch nicht zur Gänze nachvollziehen, warum der zehnte in Paris, den er diesen Sonntag im Stade Roland Garros gegen den Schweizer Stan Wawrinka gewinnen will, mehr wert sein soll als die neun zuvor. La Decima, eine Reminiszenz an den zehnten großen internationalen Titel von Real Madrid nach zwölf Jahren Wartezeit. Nadal ist leidenschaftlicher Fan von Real, er weiß also genau, wie viele Emotionen mit La Decima verbunden waren. Aber wenn jetzt alle darüber reden, welch historische Tat der Zehnte sei, muss es sich in seinen Ohren nicht so anhören, als seien neun nichts Besonders? „Neun sind mehr als genug“, sagt er, „außerdem ist neun meine Lieblingszahl.“ Sie steht aber vermutlich nicht in Blau deshalb auf der Rückseite seiner Tennisschuhe, sondern weil es in diesem Spiel auch um Geschichte geht. Zehn Grand-Slam-Titel bei einem Turnier sind unerreicht in der Ära des Profitennis, neun gewann nur Nadal selbst in Paris und Martina Navratilova in Wimbledon.

          „La Decima“ ist zum greifen Nahe, im Finale der French Open gegen Stan Wawrinka.

          Den ersten schnappte er sich 2005, ein paar Tage nach seinem 19. Geburtstag, gegen den Argentinier Mariano Puerta; er trug ein grünes, ärmelloses Hemd über der knielangen Hose und lange Haare. Dieser Sieg hatte als Signal die gleiche Bedeutung wie der erste von Roger Federer zwei Jahre zuvor in Wimbledon, der erste von Pete Sampras 1990 in New York oder der erste von Steffi Graf 1987 in Paris.

          Den vielleicht wichtigsten der neun gewann er im Jahr danach im ersten seiner insgesamt vier Endspiele gegen Roger Federer. Sich als großer Favorit hinzustellen und nach all den Aufregungen, Ehrungen und Elogen in den Monaten zuvor den gleichen magischen Trick aus dem Hut zu zaubern, dazu bedarf es besonderer Qualitäten. Roger Federer kam an Nadal in Paris nicht vorbei. Meist gewann er nicht mehr als einen Satz, im schlimmsten Fall nicht mal das. Die Niederlage von 2008 – 1:6, 3:6, 0:6 in einer Stunde und 48 Minuten – traf den Schweizer heftig. Und nicht nur ihn. Als sich der Trainer/Onkel des Sieger und der Vater des Verlierers danach im Spielerzentrum begegneten, da bat Robert Federer: „Toni, rede bitte nicht zu viel mit der Presse. Sei nett; das ist schon hart genug für uns.“

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