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Nadal gewinnt French Open : „Ich bin fertig, meine Freunde“

  • -Aktualisiert am

Platt und glücklich: Rafael Nadal gewinnt wieder die French Open. Bild: EPA

Rafael Nadal ist auch in diesem Jahr der König von Paris. Das Endspiel gegen Dominic Thiem ist vor allem zu Beginn faszinierend. Nadal holt schon zum zwölften Mal den Pokal bei den French Open.

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          Nachdem er auf Englisch und Französisch in vielerlei Worten erklärt hatte, wie sehr er sich freue und er die Leistung des Gegners bewundere, meinte Rafael Nadal lächelnd mit dem Siegerpokal, dem berühmten Coupe des Mousquetaires, im Arm schließlich irgendwann: „Ich bin fertig, meine Freunde.“ Das allerdings bezog sich, wie in den drei Stunden zuvor beim Sieg über Dominic Thiem (6:3, 5:7, 6:1, 6:1) jeder gesehen hatte, nur auf die Siegerrede. Mit der Form vom Pfingstsonntag in Paris ist der Spanier, wenn ihn die Beide weiter tragen, noch lange nicht fertig, weder an diesem Ort noch sonst irgendwo.  

          Im vergangenen Jahr hatte Thiem in drei Sätzen verloren, doch er hätte schon damals den Gewinn eines Satzes verdient gehabt. Nach seinen starken Auftritten auf dem Weg ins Spiel um den Titel diesmal, vor allem dem Halbfinale an zwei Tagen gegen Novak Djokovic, deutete manches auf eine nicht ganz so klare Sache hin. Martina Navratilova schrieb zum Beispiel in einer Kolumne für die „Times“ in London, sie gebe Thiem eine realistische Chance. Mit seinem starken Aufschlag, der großartigen einhändigen Rückhand, dem Top-Spin, einem feinen Stoppball und extrem guter Beinarbeit habe er die Mittel, um Nadal weh zu tun.

          Thiem selbst meinte, die Tatsache, dass er in den Tagen zuvor im Vergleich mit Nadal öfter spielen musste und härter gefordert wurde, werde sicher nicht entscheidend sein. „Ich denke, das sollte kein Problem sein. Ist ja nicht das erste Mal, dass so was im Tennis passiert, wird auch nicht das letzte Mal sein; so ist das nun mal in unserem Sport.“ Wirklich wichtig sei es, dass er mit der Zuversicht antrete, dieses Spiel wirklich gewinnen zu können.

          Aber es ist ja nicht ganz leicht, zuversichtlich zu sein, wenn man weiß, dass der andere auf diesem Platz in 14 Jahren genau zwei Spiele verlor; eines 2009 im Achtelfinale gegen den Schweden Robin Söderling und eines sechs Jahre später im Viertelfinale gegen Novak Djokovic. 2016 zog Nadal vor der dritten Runde mit einer Sehnenscheidenentzündung zurück, aber den Rest hatte er im eisernen Griff; von elf Endspielen verlor er keines. Als der Sprecher im Stadion bei der Vorstellung der Spieler sämtliche Titel des Spaniers einzeln aufzählte, da musste sich das für Thiem wie eine Drohung anhören.

          Was die Zuschauer in den nächsten beiden Stunden sahen, waren unerbittliche Ballwechsel und schwer zu überbietende physische Präsenz. Normalerweise werden die Bälle während einer Partie nach sieben oder neun Spielen gewechselt, weil der gelbe Filz dann deutlich dünner geworden ist, doch bei diesen beiden mit ihrem mächtigen Drall hätte ein schnellerer Wechsel nicht schaden können; welcher Ball hält sowas lange aus?

          Schon zum zwölften Mal stemmte Nadal den Pokal in Paris in die Höhe. Bilderstrecke

          Thiem versuchte alles, das Publikum merkte bald, dass es ihm vertrauen konnte, und es war eine faszinierende Zeit in den ersten beiden Sätzen dieses Spiels. Und auch als der Herausforderer den ersten auf nahezu gleicher Ebene wie der Herrscher verlor, senkte sie die Waagschale noch nicht. Im zweiten Satz rückte Thiem dem Spanier noch ein wenig näher, mit Sprechchören vom Publikum unterstützt, und man konnte es bis hinauf in die oberste Reihe des Courts Philippe Chatrier fühlen, wie sehr er entschlossen war, um seine Chance zu kämpfen.  

          Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, als Thiem den zweiten Satz gewann. Der letzte Satz davor, den der Spanier im Finale verloren hatte, stammte aus dem Jahr 2014 gegen Djokovic. Fünf Sätze spielte er in alle den Jahren im Spiel um den Titel nie, auch das ein Beweis seiner unfassbaren Dominanz. In der Box des Österreichers sprangen begeistert alle auf, auch Thiems französische Freundin Kiki Mladenovic, die ein paar Stunden zuvor mit Partnerin Timea Babos aus Ungarn dem Titel im Doppel gewonnen hatte und ab Montag die Nummer eins der Welt im Doppel sein wird.

          Doch der Gewinn eines Satzes war alles, was der König dem Herausforderer erlaubte. Geschwächt von den Anstrengungen der beiden stählern harten Sätze entwich die Luft aus Thiems Spiel, während Nadal mit der gleichen Intensität weitermachte. Die beiden letzten Sätze dauerten zusammen nicht mehr als 74 Minuten. Nach drei Stunden und einer Minute landete der letzte Return des Österreichers im Aus, und Nadal lag wie immer in Nullkommanix auf dem roten Boden. Der besiegte Mann machte bei der Siegerehrung kein Hehl daraus, wie traurig er nach der zweiten Niederlage im Finale an dieser Stelle war, und es half nur ein bisschen, dass ihm Nadal versicherte, er werde dieses Turnier ganz bestimmt irgendwann gewinnen. Irgendwann, aber nicht an diesem Tag.

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