https://www.faz.net/-gtl-9nuej

Tennis-Doppel siegt in Paris : „Geil, ist das krank!“

  • Aktualisiert am

Die French-Open-Sieger Kevin Krawietz und Andreas Mies mit dem Coupe Jacques Brugnon Bild: dpa

Erstmals seit 82 Jahren gewinnt ein deutsches Doppel einen Grand-Slam-Titel. Kevin Krawietz und Andreas Mies gelingt bei den French Open ein Sieg, den sie selbst kaum fassen können.

          2 Min.

          Da lagen sie nun, alle viere von sich gestreckt, zeitgleich überwältigt und umgehauen von der Wucht ihres unfassbaren Sieges. Rechts vorne am Netz Andreas Mies, links dahinter auf der T-Linie Kevin Krawietz. Geplant war das nicht. „Ich hab dich nicht gesehen“, sagte Mies später lachend zu Krawietz, „ich dachte: Wo bleibst du denn, warum springst du nicht auf mich drauf?“ Sekunden später lagen sich die ersten deutschen Grand-Slam-Sieger im Doppel seit 82 Jahren dann immerhin in den Armen.

          Die Szene nach dem Matchball ging um die Welt, verewigt wie ihre Namen auf dem „Coupe Jacques Brugnon“, der benannt ist nach einem der vier französischen Tennis-“Musketiere“. Brugnon war einst Doppel-Spezialist, so wie Mies und Krawietz es heute sind. Nur: Ihr Sieg bei einem Grand Slam, der erste eines deutschen Doppels seit den Erfolgen 1937 in Paris und New York von „Tennis-Baron“ Gottfried von Cramm und Henner Henkel, kommt aus dem Nirgendwo und einer Sensation gleich. „Geile Scheiße, ist das krank“, entfuhr es Mies.

          Die Champions aus dem Nirgendwo

          Es ist in der Tat unfassbar: Krawietz und Mies spielen erst seit eineinhalb Jahren zusammen, sie haben sechs Titel auf der zweitklassigen Challenger-Tour gewonnen und im Februar in New York zum ersten mal auf der ATP-Tour. Schon einmal spielten sie gemeinsam bei einem Grand-Slam-Turnier, im Vorjahr erreichten sie in Wimbledon die dritte Runde. Nun, in Roland Garros, besiegten sie im Finale die Franzosen Jeremy Chardy und Fabrice Martin abgebrüht wie große Champions mit 6:2, 7:6 (7:3).

          „Wir waren immer fest davon überzeugt, dass wir das Zeug dazu haben, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen“, hatte Mies vor dem Endspiel betont, als es so weit war, waren beide freilich nicht darauf vorbereitet. Wie auch? Krawietz (27) und Mies (28) standen in der Doppel-Weltrangliste bisher auf Rang 49 (Krawietz) und 50 (Mies). Im Einzel lag Krawietz zuletzt auf Rang 269, Mies ist dort nicht mehr aufgeführt. Er war mal die Nummer 781, aber das liegt fünf Jahre und ein paar Knieverletzungen zurück.

          „Dieser Titel ist wichtiger als das Geld“

          Nun werden sie wohl ein paar Tage brauchen, um alles zu verarbeiten. Und sich zum Beispiel zu überlegen, was sie mit den jeweils 290.000 Euro Preisgeld anfangen. „So viel?!“, rief Mies, als er die Summe hörte – und wieder wurden ihm die Augen feucht. „Jetzt bekommt man auch mal was wieder“, sagte er mit leicht bebenden Stimme. Er hat bei drittklassigen Turnieren als Sieger im Doppel 200 Euro mitgenommen, bei zweitklassigen Turnieren 1100. Und dennoch, versicherte er: „Dieser Titel ist wichtiger als das Geld.“

          Warum sie den Titel gewonnen haben, was sie können und andere nicht, wussten sie nicht so recht zu erklären. Der Coburger Krawietz sagte zum Kölner Mies: „Ich kann Fränkisch, und du siehst gut aus.“ Mies sagte zu Krawietz: „Ich sehe nur gut aus, und du spielst auch noch gut.“ Und im Ernst? Als Doppel, erklärte Krawietz, „haben wir wenig Schwächen“.

          Schwerer taten sie sich da schon mit Plänen für die Feierlichkeiten. „Ich trinke sonst nicht“, sagte Mies, aber diesmal „werde ich mich mit dem Kevin mal richtig abschießen“. Und dann, ergänzte er übermütig, „reißen wir noch den Eiffelturm ab“.

          Der Eiffelturm steht noch. Die Tennis-Welt aber ist im Doppel plötzlich ins Wanken geraten.

          Weitere Themen

          Plötzlich Volleyballprofi

          Kurioser Wechsel im Sport : Plötzlich Volleyballprofi

          Ohne jemals ein Spiel auf Spitzenniveau absolviert zu haben, bekommt Fabian Sagstetter einen Profi-Vertrag in der Volleyball-Bundesliga. Das liegt an den besonderen Fähigkeiten des 29-Jährigen – und seiner Vergangenheit.

          Topmeldungen

          Mick Mulvaney am Donnerstag bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte

          Ukraine-Affäre : Stabschef Mulvaney bringt Trump in Erklärungsnot

          Der geschäftsführende Stabschef des Weißen Hauses sagt vor der Presse etwas, das er später bereut: Die amerikanische Regierung habe 400 Millionen Dollar Militärhilfe für die Ukraine zurückgehalten. Damit liefert Mulvaney den Demokraten eine Steilvorlage.
          „Erdogans Krieg – wie machtlos ist Europa?“ war das Thema der Sendung von Maybrit Illner.

          TV-Kritik zu „Mabrit Illner“ : Die Härten der Realpolitik

          Der Einmarsch der Türkei in Syrien beherrscht die öffentliche und politische Debatte auch in Deutschland. „Wie machtlos ist Europa?“ fragte Maybrit Illner ihre Gäste und erhielt eine nüchterne Bestandsaufnahme der deutschen Außenpolitik.
          „Nationalspieler sind Vorbilder“ – Emre Can im Tunnel.

          DFB-Generalsekretär Curtius : „Eine deutliche Distanzierung“

          Der Fußball diskutiert über politische Gesten: DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius spricht im Interview über seinen Verband als Integrationsmotor, die Wirkung zurückgenommener Likes – und warum Gündogan und Can ihn überzeugt haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.