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Frauen-Finale bei French Open : Die besondere Faszination des Tennisspiels

  • -Aktualisiert am

Überwältigt: Barbora Krejčiková nach ihrem Sieg über Maria Sakkari Bild: AFP

Barbora Krejčiková und Anastassija Pawljutschenkowa stehen im Finale der French Open. Vor dem Duell stellen sich zwei Fragen: Wer sind die beiden? Und: Wo sind die anderen Favoritinnen geblieben?

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          Auch blumige, intensiv duftende Geschichten können einen nüchternen Anfang haben, und dies ist so ein Fall. Wenn Anastassija Pawljutschenkowa und Barbora Krejčiková an diesem Samstag (15.00 Uhr bei Eurosport) in Paris um den Titel spielen, dann stecken in der Beschreibung nicht nur viele Buchstaben in herausfordernder Reihenfolge, sondern auch zwei Fragen. Die eine lautet: Wer sind diese beiden? Die andere: Und wo sind die Favoritinnen geblieben?

          Ashleigh Barty, die Nummer eins aus Australien, gab verletzt in der zweiten Runde auf; Naomi Osaka, die Nummer zwei, zog nach dem ersten Spiel zurück mit einem eindringlichen Appell, mehr Verständnis für psychische Probleme zu entwickeln; Simona Halep fehlte verletzt, Serena Williams verlor in Runde vier, und als es so aussah, als könnte es eine erfolgreiche Titelverteidigung geben, verlor Iga Świątek aus Polen im Viertelfinale gegen die beste Griechin, Maria Sakkari.

          Vergebene Chancen und Matchbälle

          Aber die Faszination des Tennisspiels hat nicht nur mit bekannten Namen und vertrauten Szenarien zu tun. Wer einen Blick auf die Statistik wirft, in der ebenjene Griechin und Krejčiková einen Platz im Finale ausspielten, der könnte auf die Idee kommen, das wäre eine wenig erbauliche Angelegenheit gewesen. Auf beiden Seiten standen mehr als 50 unerzwungene Fehler und nur rund halb so viele sogenannte Winner zu Buche, vergebene Chancen und Matchbälle inklusive – das hört sich nicht gut an. Aber in Wirklichkeit war es großartig, mitreißend, spannend und hochinteressant, was aus dieser Konstellation entstand.

          Auf der einen Seite Athletik, wilde Entschlossenheit und brodelndes Temperament, auf der anderen beste tschechische Technik, List, scheinbar stoische Ruhe und selbst am Rande der Erschöpfung immer noch genug Sauerstoff für einen Geistesblitz. Mehr als drei Stunden lang standen die beiden abwechselnd mit dem Rücken zur Wand, dann drehte sich die Sache wieder, die Hatz begann von vorn. Es war deutlich zu sehen und fast noch deutlicher zu spüren, wie sich Sakkari und Krejčiková gegen die Last der Nervosität wehrten; wie es manchmal so aussah, als wäre alles zu viel, und wie genau in diesen Momenten ein Gesamtwerk entstand, das einen nicht kaltlassen konnte.

          Verdiente Siegerin

          Denn sie gaben nicht auf, beide nicht, und es war lange vor dem Ende klar, dass es so oder so eine verdiente Siegerin geben würde. Am Ende, nach drei prallvollen Sätzen mit großer Amplitude, machte die Tschechin den letzten Punkt und schickte danach wie immer einen Gruß zum Himmel. Dorthin, wo sie Jana Novotná vermutet, ihre langjährige Trainerin und Mentorin, die Ende 2017 mit 49 Jahren gestorben ist. Zu gern würde sie hören, was Novotná zu ihren Spielen zu sagen hätte. Zu einem Lauf, mit dem sie alle überraschte, auch sich selbst.

          Vor 40 Jahren gewann zuletzt eine Tschechin im Einzel den Titel im Stade Roland Garros, Hana Mandlíková. Aber nun ist es ja nicht so, dass die neue, junge Kandidatin nicht wüsste, wie man sich Trophäen schnappt. Im Doppel steht Barbora Krejčiková mit ihrer Partnerin Katerina Siniaková ebenfalls im Finale. 2018 gewannen sie sowohl in Paris als auch ein paar Wochen später in Wimbledon.

          Sie habe sich damals und auch danach aber nie als Spezialistin im Doppel gesehen, sagt sie, das Etikett habe ihr nie gefallen. „Ich wollte immer gegen die Besten im Einzel spielen.“ Falls sie den Titel gewinnt, wird sie in der neuen Weltrangliste am Montag zu den Top 20 gehören und Anastassija Pawljutschenkowa überholen.

          „Warum brauchst du so lange?“

          Die Russin wird Anfang Juli 30 und gehört zum Stammpersonal bei Grand-Slam-Turnieren, allerdings immer nur bis zu einer gewissen Grenze, dem Viertelfinale. Zu Beginn ihrer Karriere, als sie mit 14 den ersten von drei Grand-Slam-Turnier-Titeln bei den Juniorinnen gewann, hatte es so ausgesehen, als stünde ihr eine große Zukunft bevor.

          Doch bevor eine Rechnung aufgehen kann, müssen alle Faktoren stimmen, und sie sagt selbst, irgendwas habe immer irgendwie gefehlt. Was wohl die 14 Jahre alte Nastja gesagt hätte angesichts der Vorstellung, noch mal 15 Jahre auf das erste Spiel um einen der vier großen Titel des Tennis zu warten? Die Antwort kommt wie aus der Hüfte geschossen: „Warum brauchst du so lange?“

          Jeder, so sagt sie, gehe halt einen eigenen Weg. Aber egal, wie lange es dauert, Abkürzungen gibt es ohnehin nicht. So steht an diesem Samstag eine vermeintliche Doppelspezialistin, die alles draufhat, um einen Tennisplatz auch allein mit Klasse und Mut zu füllen, im Finale gegen ein ehedem großes Talent, das selbst nach einem halben Leben auf der Tour nie so weit weg vom Ziel war, wie es von außen aussehen mochte. Eine Sommergeschichte mit Aromen aus vier Jahreszeiten.

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