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Krawietz/Mies bei French Open : Märchenhafter Aufstieg eines deutschen Doppels

  • -Aktualisiert am

Kevin Krawietz (rechts) und Andreas Mies aus Deutschland jubeln nach dem Matchgewinn. Bild: dpa

Es war ein kleines Turnier in Meerbusch, das sie als Doppel zusammenbrachte. Jetzt könnten Andreas Mies und Kevin Krawietz bei den French Open deutsche Tennis-Geschichte schreiben.

          Manchmal braucht man eine Weile, um zu begreifen, was passiert, auch wenn es genau das ist, was man sich immer gewünscht hatte. Als Andreas Mies aus Köln und Kevin Krawietz aus Coburg vor zwei Jahren bei einem kleinen Turnier in Meerbusch zum ersten Mal miteinander Doppel spielten, hatten beide das Gefühl, aus dieser Verbindung könne was werden.

          Als sie vor einem Jahr in Wimbledon nur knapp in fünf Sätzen gegen die späteren Sieger Mike Bryan und Jack Sock verloren, sahen sie beide darin einen deutlichen Hinweis, dass es für die ganz großen Ambitionen reichen könnte, und nun fehlt ihnen tatsächlich nur noch ein Schritt zu einer historischen Tat. An diesem Samstag (17.00 Uhr/Eurosport) spielen die beiden im Finale der French Open um einen der großen Titel des Tennis, und das kommt ihnen nun doch irgendwie surreal vor.

          „Wie fühlst du dich?“, fragte der eine den anderen, als sie nach dem Sieg im Halbfinale gegen die Argentinier Pella/Schwartzman unter der Dusche standen. Aus Deutschland trafen derweil Glückwünsche und Nachrichten vieler Freunde ein, die das Spiel live im Fernsehen verfolgt hatten. Andreas Mies sagt, er habe früher allen erzählt, wenn die großen Turniere übertragen wurden, eines Tages werde er da auch mitspielen, dann werde auch er im Fernsehen zu sehen sein, und auf einmal sei das alles wahr. Verrückt.

          „Heben uns gegenseitig auf ein höheres Niveau“

          Aber irgendwie auch nicht. Er wolle jetzt wirklich nicht arrogant klingen, „aber wir waren von Anfang an überzeugt, dass wir das Zeug dazu haben, auch mal ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen und in die Weltspitze zu kommen. Wir mussten einfach die Geduld aufbringen, bis wir die Chance dazu bekommen haben, in die ATP-Tour reinzukommen.“ Am Anfang spielten sie zunächst bei Challenger-Turnieren, in Wimbledon nutzten sie die Chance, sich für das Hauptfeld im Doppel zu qualifizieren, und mit den Punkten, die sie später bei drei Siegen sammelten, öffneten sie sich quasi selbst die Tür zur nächsten Ebene. Mies, der vier Jahre in den Vereinigten Staaten studierte und dort College-Tennis spielte, entschied sich schon nach einer Knie-Operation, nur noch Doppel zu spielen, Krawietz spielte bis vor ein paar Wochen auch Einzel, doch inzwischen sind sie sich einig, dass das Doppelspiel nun doppelt zählt.

          Im Februar gewannen sie beim einem Turnier der 250er-Kategorie den ersten Titel auf der ATP-Tour, und ein großes Ziel haben sie schon erreicht, bevor der letzte Ball in Paris gespielt ist: Mit den Punkten für das Finale werden beide ab Montag in der Doppel-Weltrangliste zu den besten 30 gehören. Die Chemie zwischen dem Franken und dem ein Jahr älteren Rheinländer stimmt. „Wir heben uns gegenseitig auf ein höheres Niveau“, sagt Mies, der mit den Antworten immer ein bisschen schneller ist. Im Spiel versuchen beide, beizeiten Gas zu geben, lange Ballwechsel von der Grundlinie zu vermeiden und am Netz möglichst energisch dazwischenzugehen. Über die historischen Dimensionen ihres Auftritts an diesem Samstag im Spiel gegen die Franzosen Jérémy Chardy und Fabrice Martin sind sie sich inzwischen im Klaren. Zuletzt spielten Marc-Kevin Goellner und David Prinosil 1993 im Finale, der einzige deutsche Titelgewinn in Paris stammt aus dem Jahr 1937 von Herren in langen weißen Hosen – Henner Henkel und Gottfried von Cramm.

          Ebenso überraschend wie Mies und Krawietz landeten die französischen Gegner im Finale, sie besiegten auf ihrem Weg die an Nummer eins und drei gesetzten Kombinationen. Kurios an der Geschichte ist, dass Andreas Mies erst vor drei Wochen beim Turnier in Genf gemeinsam mit Fabrice Martin spielte, über den er sagt, das sei einer seiner besten Freunde auf der Tour. In Genf waren sie sich einig, der Auftritt sei eine gute Vorbereitung für die Aufgaben mit ihren anderen Partnern für die French Open, und damit lagen sie offensichtlich nicht falsch. Als sich die beiden nach dem Halbfinale am Donnerstag im Umkleideraum zufällig trafen, umarmten sie sich und wünschten sich gegenseitig viel Glück für das Spiel um den Titel.

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