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French Open : Historischer Grand-Slam-Titel für deutsches Doppel

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Völlig umgehauen: Kevin Krawietz (links) und Andreas Mies holen den Titel bei den French Open im Doppel. Bild: EPA

Am Ende ihrer wundersamen Reise holen Kevin Krawietz und Andreas Mies den Titel bei den French Open. Im Finale in Paris zeigen die Deutschen eine besondere Leistung. Im Damen-Doppel reicht es immerhin für eine Französin zum Titel.

          Nach der Ewigkeit von 82 Jahren haben sich für den „Tennis-Baron“ Gottfried von Cramm und dessen Partner Henner Henkel endlich erfolgreiche Erben gefunden. Kevin Krawietz aus Ahorn-Witzmannsberg im Landkreis Coburg und Andreas Mies aus Köln gelang bei den French Open zum Abschluss ihrer wundersamen Reise auch noch der historische Coup: Als erstes deutsches Doppel seit 1937 gewannen die beiden bisherigen Nobodys den Grand-Slam-Titel in Roland Garros.

          Nach dem Matchball plumpsten die beiden nahezu synchron auf den Boden, als sie sich erhoben, konnten sie ihre Fassungslosigkeit nicht verbergen. Auch der wortgewaltige Mies wusste zunächst nicht, was er sagen sollte. „Ich bin absolut sprachlos, das passiert nicht oft, ich kann es nicht glauben“, sagte er, versicherte aber: „Unser Traum ist in Erfüllung gegangen.“ Der ruhigere Krawietz sprach ins Stadionmikrofon: „Was für eine Reise, ich weiß nicht, was ich sagen soll.“

          Krawietz (27) und Mies (28) setzten sich beim „Auswärtsspiel“ auf dem Court Philippe Chatrier gegen die Franzosen Jeremy Chardy und Fabrice Martin durch – mit 6:2, 7:6 (7:3). „Wir waren immer fest davon überzeugt, dass wir das Zeug dazu haben, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen“, hatte Mies vor dem Finale betont – mit einer beeindruckenden Souveränität ließen er und Krawietz den Worten Taten folgen. Dafür gab es ein gemeinsames Preisgeld von 580.000 Euro.

          Der Sieg für Krawietz und Mies ist durchaus ein historischer. In der Open Era (seit 1968) war es nur Marc-Kevin Goellner und David Prinosil 1993 ebenfalls in Paris gelungen, als deutsches Doppel das Finale eines Grand-Slam-Turniers zu erreichen – sie unterlagen den Brüdern Luke und Murphy Jensen (Vereinigte Staaten) in drei Sätzen. Der letzte Sieg bei einem der vier großen Turniere war im Jahre 1937 ebenfalls von Cramm und Henkel in New York gelungen.

          Bei den Damen setzten sich am Sonntag die Ungarin Timea Babos und die Französin Kristina Mladenovic gegen das chinesische Duo Duan Yingying Zheng Saisai durch. Die an zweiter Stelle gesetzten WTA-Champions hatten auf dem Court Philippe Chatrier mit 6:2 und 6:3 wenig Mühe gegen die ungesetzten Chinesinnen. Babos und Mladenovic, die ein gemeinsames Preisgeld von 580.000 Euro erhielten, hatten bereits die Australian Open 2018 gewonnen. Für Mladenovic ist es der dritte Grand-Slam-Titel. Mit der Französin Caroline Garcia siegte sie auch 2016 in Roland Garros. Darüber hinaus übernimmt Mladenovic am Montag auch die Nummer eins der Doppel-Weltrangliste.

          Deutsche Grand-Slam-Sieger im Doppel gab es seitdem dennoch: 1992 gewann Michael Stich ein Jahr nach seinem Erfolg im Einzel gegen Boris Becker an der Seite von John McEnroe (Vereinigte Staaten) auf dem heiligen Rasen von Wimbledon. Ebenfalls an der Church Road siegte 2010 Philipp Petzschner, er spielte zusammen mit dem Österreicher Jürgen Melzer. Beide waren ein Jahr später dann auch bei den US Open in Flushing Meadows erfolgreich.

          Krawietz und Mies spielen erst seit eineinhalb Jahren zusammen, sie haben zusammen sechs Titel auf der zweitklassigen Challenger-Tour gewonnen und im Februar in New York zum ersten mal ein Turnier auf der ATP-Tour. Schon einmal hatten sie gemeinsam ein Grand-Slam-Turnier bestritten, im Vorjahr erreichten sie in Wimbledon die dritte Runde. „Wir wissen, wir haben noch Luft nach oben“, hatte Mies bereits vor dem Einzug ins Finale von Roland Garros versichert.

          Ihr Erfolg ist mehr als überraschend. In der Weltrangliste standen sie im Doppel bisher auf Rang 49 (Krawietz) und 50 (Mies), im Einzel lag Krawietz zuletzt auf Rang 269 – Mies ist dort nicht mehr aufgeführt. Er war mal die Nummer 781, aber das ist fünf Jahre und ein paar Knieverletzungen her.

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