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Kernsport-Kolumne : Entweder athletenfreundlich oder telegen

Zuviel Zeit zwischen Vorlauf und Finale: Paul Biedermann zeigt breite Brust Bild: dapd

Starschwimmer Paul Biedermann kritisiert den Modus der deutschen Meisterschaften. Der Deutsche Schwimm-Verband lehnt Änderungen ab. Und das Fernsehen ist schuld: ARD und ZDF wollen kompakt berichten.

          Da wollen die Olympischen Sportarten immer ins Fernsehen - und wenn sie es dann geschafft haben, ist es auch nicht recht. Am Rande der deutschen Schwimm-Meisterschaften in Berlin hat Doppel-Weltmeister Paul Biedermann den „athletenunfreundlichen“ Modus der Wettkämpfe kritisiert. Der Starschwimmer stört sich daran, dass er Mittwochs und Donnerstags Vorläufe bestreiten muss, die Finalläufe der gleichen Strecken aber erst am Wochenende stattfinden. Nach Biedermanns Meinung sollten die nationalen Wettkämpfe, bei denen neben Meisterehren auch die Tickets für die WM in Schanghai (16. bis 31. Juli) vergeben werden, als Programmkopie der internationalen Titelkämpfe durchgezogen werden. Vor- und Endläufe einer Disziplin sollten demnach am gleichen Tag über die Bühne gehen. Nur so könne man die „Belastung nachspielen“, sagte der Vielstarter am Rande des Hauptstadtbeckens, und meinte vorwegnehmen. Im Stile eines Nachwuchspolitikers fordert Biedermann nun einen „Runden Tisch“ für die künftige Zeitplangestaltung unter Einbeziehung der Athleten.

          Leistungssportdirektor Lutz Buschkow zeigt sich verständnisvoll über die Nöte seines Stars, aber machtlos: Die Wünsche des Fernsehens hätten den Zeitplan diktiert. ARD und ZDF wollten „kurze, knackige Final-Wettkämpfe“, damit sie alle relevanten Sportler binnen einer Stunde in ihren Sendungen „Sportschau“ und „Sport extra“ zeigen können. Man habe einen Kompromiss finden müssen, meinte Buschkow. Also werden bei der DM alle wichtigen Entscheidungen für Samstag und Sonntag aufgehoben, damit der Spannungsbogen am Wochenende ansteigt - und das Fernsehen genügend zu berichten hat.

          „Jetzt hat es keinen Sinn mehr, sich darüber aufzuregen“

          Freistilschwimmer Biedermann ist einer der Athleten, die im Mittelpunkt stehen. Das ehrt ihn, verdichtet seinen Zeitplan aber ungeheuer, da er neben seinen Paradestrecken (200 und 400 Meter Freistil) auf nationaler Ebene auch die 100 Meter angeht und zudem in den Staffeln gefragt ist. Der Modellathlet aus Halle/Saale musste in Berlin also einen Kompromiss mit sich selbst abschließen, um über die Runden zu kommen. Er qualifizierte sich für die Finalläufe, ohne zu glänzen, oder gar Normen zu erfüllen. Andere Athleten gehen pragmatischer mit den Zeitplänen um. „Jetzt hat es keinen Sinn mehr, sich darüber aufzuregen“, sagte der mehrmalige Kurzbahn-Europameister Steffen Deibler - der freilich nur Sprintstrecken absolviert. Und Helge Meeuw meldete nach einjähriger Wettkampfpause wegen der Geburt seiner Tochter gleich mal mit geschaffter WM-Norm im Vorlauf zurück: „Ich bin wieder da, ich mach wieder mit“, sagte der Wiesbadener nach seinem Coup über 100 Meter Rücken. Auch Hendrik Feldwehr blieb über 50 Meter Brust auf Anhieb unter der Norm.

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          Vielleicht sollte sich Meister Biedermann am Pragmatismus der Kollegen ein Beispiel nehmen. Auch in Schanghai wird der Zeitplan möglicherweise nicht nach seinem Gusto sein. Bei Großereignissen in Asien - wie zuletzt bei den Olympischen Spielen in Peking - werden Finalläufe im Schwimmen schon mal vormittags absolviert, damit sie zur besten Sendezeit in Amerika über die Bildschirme flimmern können. Nicht athletengerecht - aber werbewirksam.

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