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Kernsport-Kolumne : „Als Hochspringer musst du wie ein Puma sein“

Rumliegen und zuschnappen wie ein Puma: Hochspringer Raul Spank Bild: ddp

Schon von der äußerlichen Erscheinung haben Hammerwerfer, Hürdensprinter und Hochspringer nicht viel miteinander gemein. Doch auch vom Naturell her unterscheiden sich die Typen. Interessant, dass dieses Sortiment als Mannschaft funktioniert.

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          „Der liebe Gott hat einen großen Tiergarten“, sagt der Volksmund, und meint damit, dass es eine ziemlich große Vielfalt unter den Menschenkindern gibt. Besonders bunt ist dieser Zoo in der Welt der Leichtathletik. Hier gibt es Pfauen und Hasen, Pumas und Bären und noch ganz viele weitere Exemplare, die der Gattung Hochleistungssportler zugerechnet werden.

          Schon von der äußerlichen Erscheinung haben Hammerwerfer, Hürdensprinter und Hochspringer nicht viel miteinander gemein. Die einen sind wuchtig und muskulös, die anderen athletisch und schnell, die dritten feingliedrig und schmal. Doch auch vom Naturell her unterscheiden sich die einzelnen Typen - selbst unter scheinbar verwandten Arten.

          So gelten die Hochspringer als Luftikusse, die Weitspringer dagegen als Arbeitstiere. Während Weitspringer Reif akribisch an sich und seinem Stil tüftelt, lässt es Hochspringer Spank gerne locker angehen. „Als Hochspringer musst du wie ein Puma sein“, sagt er: „den ganzen Tag rumliegen und dich ausruhen und dann, wenn es drauf ankommt, aufspringen und zubeißen.“ Am liebsten beißt er übrigens in Pizza - die Sportlernahrung schlechthin - doch das nur am Rande.

          Einzelkönner als Kollektiv stark: Russische Leichtathleten

          Selbsternannte Könige der Athleten - also Löwen - sind die Zehnkämpfer. Sie können zwar nichts richtig, aber alles so gut, dass sie sich von den anderen für ihre Vielseitigkeit bewundern lassen können.

          Den Werfern, zu denen auch die Stoßer zählen, wird das Naturell von Bären nachgesagt. Tapsig und auf den ersten Blick gutmütig, aber wo sie zuschlagen, wächst kein Gras mehr. Weil sie immer latent im Schatten der Läufer und Springer stehen, sind die typischen Vertreter der Kugel-Art oder Diskus-Sorte wie „der Harting“ mitunter leicht reizbar und deshalb mit Vorsicht zu genießen.

          Auch Läufer ist nicht gleich Läufer. Der „Sprinter-Typ“ unterscheidet sich extrem vom „Ausdauer-Typen“. Langstreckenläufer müssen viel Zeit haben, um ihrer Sportart nachgehen zu können, die Reichweite ihrer Reviere ist beachtlich. Trainingswochen mit 200 Kilometern Distanzüberwindung sind keine Seltenheit. Die Sprinter sind dagegen eher faul - im Wettkampftempo trainieren sie keine zwei Minuten am Tag - und gelten als Zocker. Kaum ist der Sprint beendet, spielen sie schon wieder Karten, hat ein gut informierter Beobachter festgestellt.

          Die Dauerläufer neigen zu Understatement, die Kurzbrenner dagegen zur Angeberei. Gerne entblößen die schnellen, starken Jungs ihre muskulösen Oberkörper und übertreffen sich mit Pfauengehabe auf der Kunststoffbahn. Vor den Sprints strotzt die Startblockecke vor Testosteron. Und auch hinterher wird geprotzt oder gekaspert. Die Pfeil- und Bogengeste von Superstar Bolt ist schon ins allgemeine Bewegungs-Repertoire übergegangen ist.

          So bescheiden wie schmal sind dagegen die Langstreckenläufer unterwegs. Manche übertönen dies mit lautem Geplapper. Doch Sabrina Mockenhaupt bezeichnet sich selbst als „kleines Häschen, das die Bahn entlang hoppelt.“

          Interessant, dass dieses Sortiment an Sportlern als Mannschaftsgefüge funktioniert. Am vergangenen Wochenende bei der Team-EM haben die deutschen Leichtathleten sich als erfolgreiches und homogenes Team präsentiert und den zweiten Platz hinter Russland belegt (siehe: Deutsche Leichtathletik: Die Jugend rechtfertigt das Vertrauen). Es war der gemeinsame Sieg des Kollektivs - und ersetzte das übliche „fressen und gefressen werden“ zwischen den einzelnen Teildisziplinen.

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