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Kuriosum bei French Open : Die besonderen Turniere in den Neuner-Jahren

  • -Aktualisiert am

Wie sind die Aussichten für Alexander Zverev bei den French Open? Bild: AFP

Bei den Männern gibt es die üblichen Verdächtigen, bei den Frauen enorm viele Favoritinnen. Die French Open versprechen einige Spannung – zumal die Turniere in Jahren mit einer Neun am Ende immer ganz speziell waren.

          Zur offiziellen Auslosung hatte sich Simona Halep fein gemacht; die Titelverteidigerin trug ein rotes Spitzenkleid zum Rendezvous mit Suzanne Lenglen. Der Pokal der Internationalen Tennismeisterschaften von Frankreich, die Halep vor einem Jahr gewonnen hatte, trägt den Namen der legendären Französin Lenglen, 1925 erste Gewinnerin des Turniers. Was es bedeutet, zu dieser Ruhmeshalle zu gehören, das drückte sie nicht nur mit ihrer Wahl für die Spitze aus, sondern vor allem mit besonderen Worten. „Ich wollte diesen Sieg mit aller Kraft, und ich wollte ihn so sehr, dass ich nun, da ich es geschafft habe, vor allem glücklich sein und lächeln will.“ Wer wissen will, was ein einziger der großen Titel des Tennis bedeutet, der musste auf dieses Lächeln und auf die stille Zwiesprache mit Suzanne Lenglen achten.

          Simona Halep gehört auch diesmal zum Kreis der Favoritinnen beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres – eines Kreises, der mindestens so groß ist wie Mitte Januar bei den Australian Open. Da sind die Siegerinnen der beiden wichtigsten Sandplatzturniere der vergangenen Wochen, Kiki Bertens aus den Niederlanden (Madrid) und die Tschechin Karolina Pliskova (Rom); da ist die unberechenbare Finalistin aus dem vergangenen Jahr, Sloane Stephens (Vereinigte Staaten), oder die vielgeliebte Petra Kvitova (Tschechien). Und natürlich kann es bei keinem großen Turnier der Welt eine Liste ohne Serena Williams geben, wie auch immer die Lage gerade sein mag. Kürzlich in Rom hatte Williams nach einem guten Auftritt im ersten Spiel vor dem zweiten wegen akuter Schmerzen im Knie aufgegeben, und es ist offen, wie diese Geschichte weitergeht.

          Angelique Kerber, die im vergangenen Jahr im Viertelfinale gegen Halep verlor und ein paar Wochen danach bekanntlich in Wimbledon den größten Titel von allen gewann, ist froh, überhaupt dabei zu sein. Anfang Mai war sie in Madrid umgeknickt und hatte sich dabei eine Bänderverletzung im rechten Sprunggelenk zugezogen. Am Freitag sagte sie in Paris, noch vor zwei Wochen habe sie kaum laufen können und habe Zweifel gehabt. Der Titel in Paris ist der einzige, der in ihrer Sammlung der Grand-Slam-Titel noch fehlt, und der stand zu Beginn des Jahres ganz oben auf der Wunschliste. Doch nach den Schwierigkeiten in den vergangenen Wochen – zunächst eine langwierige Virusgrippe im April, dann der Ausrutscher in Madrid – muss sie nun auf dem roten Boden wieder Tritt fassen, zuerst im Spiel der ersten Runde gegen die junge Russin Anastasija Potapowa.

          Kaum weniger undefinierbar sind die Aussichten für Alexander Zverev, der in der ersten Runde auf den Australier John Millman trifft. Nach einer Reihe von Niederlagen in diesem Jahr hatte sich Zverev kurzfristig zum Start beim Turnier in Genf entschlossen, wo er am Freitagnachmittag im Halbfinale gegen den Argentinier Federico Delbonis 7:5, 6:7 (6:8), 6:3 siegte und ins Finale einzog, das er nach 2:35 Stunden und zwei Regenunterbrechungen gegen den Chilenen Nicolas Jarry mit 6:3, 3:6, 7:6 (10:8) gewann. Er war damit der einzige der Spitzenspieler, der vor dem ersten Spiel im renovierten Stade Roland Garros ohne größere Trainingseinheiten auskommen musste, und es gibt kaum einen, bei dem eine Prognose für die beiden Wochen in Paris schwerer fällt.

          Die üblichen Verdächtigen? Logisch, vor allem Rafael Nadal, der beim Sieg im Finale von Rom gegen Novak Djokovic einen unwiderstehlichen Eindruck hinterließ. Titel Nummer zwölf im Stade Roland Garros oder Nummer zwei für Djokovic? Der erste vielleicht für Dominic Thiem aus Österreich, der vor einem Jahr im Finale gegen Nadal verloren hatte? Oder womöglich noch einer für Roger Federer, der sich in Rom zwar nach einem Tag mit zwei Spielen vor der nächsten Runde verabschiedete, der aber bis dahin voller Freude Spuren im roten Sand hinterlassen hatte?

          20 Jahre sind vergangen seit Federers erstem Auftritt in Paris mit 17 bei den Großen und vier Jahre seit dem bisher letzten, der Niederlage im Viertelfinale 2015 gegen den Landsmann und späteren Sieger Stan Wawrinka. Vor zehn Jahren gewann er seinen einzigen Titel in Paris – es war das Jahr, in dem Nadals erste Serie nach vier Titeln bei einer Niederlage im Achtelfinale gegen den Schweden Robin Söderling mit lautem Knall zerriss.

          Überhaupt, die Jahre mit einer 9 am Ende hatten es in sich in Paris. Federers ersehnter Titel 2009, das legendäre Finale von Steffi Graf und Martina Hingis 1999 an einem der faszinierendsten Tage der Tennisgeschichte. Und wieder zehn Jahre zuvor der Siegeszug des 17 Jahre alten Amerikaners Michael Chang mit dem spektakulären Sieg im Achtelfinale gegen Ivan Lendl und dem Triumph im Spiel um den Titel gegen den Schweden Stefan Edberg. Mal sehen, was 2019 passiert. Im renovierten Stadion Philippe Chatrier, wo um alte Pokale gespielt wird, die nicht nur Frauen in Spitzenkleidern sehr, sehr glücklich machen.

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