https://www.faz.net/-gtl-a3x2p

Tennis-Star Serena Williams : Au revoir!

  • -Aktualisiert am

„Ich bin draußen, aber nicht für lange“: Serena Williams in Paris Bild: Reuters

Serena Williams verabschiedet sich in Paris von den French Open. Ihre Schmerzen sind zu groß. Für die Zukunft der 39 Jahre alten Mutter stellen sich nun wichtige Fragen.

          2 Min.

          Der Knall war nicht zu überhören. Spieler auf den Außenplätzen des Stade Roland Garros blickten fragend gen Himmel, und sie waren nicht die Einzigen, die sich in diesem Moment Sorgen machten. Wie sich nicht lange danach herausstellte, war die Ursache des Lärms vergleichsweise harmloser Natur, ausgelöst durch einen Düsenjäger beim Durchbrechen der Schallmauer. Eine andere Erklärung für den Knall hätte es allerdings auch gegeben, denn fast zeitgleich mit dem Düsenjäger bretterte die Nachricht übers Stadion, Serena Williams werde zum Spiel der zweiten Runde nicht antreten.

          Nach dem Sieg im ersten Spiel zwei Tage zuvor war die Amerikanerin gefragt worden, wie es der Achillessehne am linken Fuß gehe, die ihr seit ein paar Wochen zu schaffen macht, genauer gesagt seit dem verlorenen Halbfinale der US Open in New York. Wegen dieser Verletzung hatte sie danach auf den geplanten Start beim Sandplatzturnier in Rom verzichtet, hatte versucht, in der Tennisakademie ihres Coaches in Südfrankreich wieder in Form zu kommen. Doch schon nach dem ersten Spiel in Paris gab sie zu, es gehe der Sehne nach wie vor nicht gut, jede Menge Behandlung sei notwendig und entsprechend viele Gebete.

          Humpeln statt Gehen

          Doch am Ende half offensichtlich weder das eine noch das andere. Sie habe es wirklich versuchen wollen, erklärte sie am Mittwoch vergleichsweise gefasst zur gleichen Zeit, als das Spiel in Runde zwei gegen Tsvetana Pironkova aus Bulgarien hätte beginnen sollen. Aber die Sehne habe nach den US Open einfach nicht genug Zeit gehabt, in Ruhe zu heilen.

          Nach eine kurzen Einheit zum Aufwärmen vor dem Spiel, bei der sie mehr humpelte als ging, beriet sie sich kurz mit ihrem Coach Patrick Mouratoglou, und die beiden waren sich schnell einig, dass es unter diesen Umständen nicht die beste Idee wäre, die Sehne weiter zu strapazieren und zu reizen. Die Ärzte meinen, es werde vier bis sechs Wochen dauern, ehe sie wieder unter voller Belastung trainieren könne. Der Zeitpunkt für eine längere Pause könnte unpassender sein, denn in diesem Jahr finden für die Frauen ja ohnehin kaum noch Turniere statt.

          Kein Glück in Paris: Serena Williams muss wegen Problemen mit den Achillessehnen aufgeben.
          Kein Glück in Paris: Serena Williams muss wegen Problemen mit den Achillessehnen aufgeben. : Bild: AFP

          Nun kommen solche Pausen im Profisport ja regelmäßig vor, aber wenn es bei jemandem passiert, der wie Serena Williams nach einer gloriosen Karriere und zehn Sternen mit 39 Jahren im Herbst derselben steht, dann ergeben sich doch ein paar Fragen. Drei Monate vor ihrem 17. Geburtstag hatte sie 1998 zum ersten Mal in Paris gespielt, hatte seither drei Titel im Stade Roland Garros gewonnen, den letzten vor fünf Jahren. Kann es also sein, dass der erzwungene Abschied von der Herbstauflage der French Open 2020 ein Abschied für immer gewesen ist, nicht nur bei diesem Turnier? Als Antwort postete sie auf Instagram die kämpferische Mitteilung: „Paris – ich liebe dich, mach dir keine Sorgen – liebe euch alle und danke für die Unterstützung. Ich bin draußen, aber nicht für lange.“

          Nach allem, was in Serena Williams’ Leben und Karriere bisher passierte – lebensgefährliche Krankheiten, üble Verletzungen, diverse lange Pausen, die längste nach der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia Anfang September 2017 –, sie kehrte immer wieder mit Motivation und Leidenschaft zurück. Nach der Babypause erreichte sie vier weitere Finals bei den Grand-Slam-Turnieren, zwei in Wimbledon und zwei bei den US Open – und jedes Mal ging es dabei um den ominösen 24. Titel, mit dem sie gleich viele der wichtigsten Tennistitel der Welt in ihrem Portfolio hätte wie die Australierin Margaret Court.

          Sie braucht diesen Titel nicht, um der Welt irgendwas zu beweisen; das hat sie auf so vielen Ebenen hinlänglich getan. Aber sie will ihn haben. Das ist auch der Antwort auf die letzte Frage der kurzen Pressekonferenz am Mittwochmittag in Paris zu entnehmen, als es um die Frage ging, was sie immer noch antreibe und motiviere. „Ich liebe Tennis“, sagt Serena Williams. „Ich liebe den Wettbewerb. Das ist mein Job, und den kann ich immer noch ziemlich gut. Und ich bin sehr nah dran an gewissen Dingen. Ich denke, das alles hält mich in Gang.“

          Weitere Themen

          Einreise nur mit zwei negativen PCR-Tests Video-Seite öffnen

          Olympische-Spiele in China : Einreise nur mit zwei negativen PCR-Tests

          Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele versucht China die Ausbreitung von Corona-Fällen mit strikten Maßnahmen zu verhindern. 72 Corona-Infektionen im Zusammenhang mit den Spielen wurden bereits bestätigt. Die breite chinesische Öffentlichkeit wurden vom Kauf der Tickets ausgeschlossen.

          „Ihr seid alle korrupt“

          Aufregung bei Nadal-Sieg : „Ihr seid alle korrupt“

          Während des Spiels geht es Rafael Nadal schlechter und schlechter, sein Gegner Denis Shapovalov kritisiert den Schiedsrichter mit deutlichen Worten. Nadal gewinnt, und Shapovalov erneuert seine Kritik.

          Topmeldungen

          Liefert, was erwartet wurde: Fed-Chef Jerome Powell

          Zinsentscheidung der Fed : Geldpolitik im Inflations-Nebel

          Leitzinserhöhung im März und beschleunigter Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm: Fed-Chef Jerome Powell liefert wie erwartet. Gleichzeitig darf die Zinswende im März als Eingeständnis der Notenbanker gewertet werden.
          Ukrainische Soldaten in Kiew

          Ukraine-Konflikt : Mehrheit der Deutschen gegen Waffenlieferungen

          Die Bundesregierung hat mit ihrer Ablehnung von Waffenlieferungen an die Ukraine großen Rückhalt in der Bevölkerung. Kanada sagt die Lieferung militärischer Ausrüstung zu. Großbritannien erwägt laut einem Bericht die Verlegung von Soldaten nach Osteuropa.