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French Open : Nun ruhen alle Hoffnungen auf Görges

  • -Aktualisiert am

Darf sich freuen: Julia Görges zieht in die nächste Runde ein Bild: Reuters

Zehn deutsche Tennis-Damen starten bei den French Open in Paris, nun bleibt nur noch Julia Görges übrig. Andrea Petkovic scheidet aus – und ist froh, dass der „Eiertanz“ vorbei ist.

          Auf der Rückseite ihres leuchtend gelben Oberteils zeugten ein paar Dreckspritzer von der Arbeit des Tages; Spuren des Erfolges. Mit einem Sieg gegen Irina Falconi aus den Vereinigten Staaten (6:4, 6:1) landete Julia Görges am Samstag in Paris zum ersten Mal in ihrer Karriere im Achtelfinale der French Open.

          Von den ursprünglich zehn deutschen Spielerinnen waren fünf in Runde drei gelandet, aber nur Julia Görges wird nun in der zweiten Woche des Turniers noch im Spiel sein. Nachdem Angelique Kerber, Sabine Lisicki und Annika Beck am Freitag verloren hatten, schied Andrea Petkovic 24 Stunden später aus, sichtlich gehandicapt durch die wieder schlimmer gewordene Oberschenkelzerrung.

          Bereits bei den Australian Open zu Beginn des Jahres hatte Julia Görges aus den Reihen des deutschen Fed-Cup-Teams am längsten mitgespielt. Zweimal Achtelfinale bei den ersten beiden Grand-Slam-Turnieren – das ist die beste Bilanz ihrer Karriere zu einer Zeit, in der es manchmal so ausgesehen hatte, als trete sie auf der Stelle. Beim Sieg gegen die Amerikanerin erwischte sie zwar nicht den besten Start und lag nach zwei Aufschlagverlusten schnell 0:3 zurück, doch diese Phase überwand sie schnell.

          Das sei nicht leicht gewesen nach diesem holprigen Start, sagte sie hinterher, aber nach den Schwierigkeiten habe sie solide weitergespielt. Vom Moment des Ausgleichs an diktierte die Deutsche das Geschehen mit Souveränität; Falconi, Nummer 85 der Welt, hatte nicht die Mittel, sich gegen die druckvollen Grundlinienschläge der Gegnerin zu wehren, und nachdem sie zu Beginn des zweiten Satzes schnell klar in Rückstand geraten war, hatte sie keine Chance mehr.

          Andrea Petkovic merkt, dass es kompliziert wird

          An der nächsten Station wird Julia Görges das versuchen, was Andrea Petkovic am Samstag nicht gelang – Sara Errani zu besiegen. In der bisherigen Bilanz steht es 2:2, die letzte gemeinsame Begegnung gewann Görges bei den Australian Open 2014, das einzige Spiel auf Sand aber gewann die Italienerin. Auf dem Papier, sagt Görges, sei Errani (Nummer 17), sicher die Favoritin, aber wenn sie es schafft, mit der gleichen Entschlossenheit bei ihrer Linie zu bleiben wie beim Sieg in Runde zwei gegen Caroline Wozniacki und schließlich auch gegen Falconi, dann sollte das Papier nicht viel zu bedeuten haben.

          Andrea Petkovic merkte am Samstagmittag im Spiel gegen Errani bald, dass die Sache kompliziert werden würde, denn nach der Begegnung in der zweiten Runde gegen die Spanierin Dominguez Lino war ihre Oberschenkelzerrung wieder schlimmer geworden. Dass sie dennoch später am Tag noch das Doppel mit Sabine Lisicki spielte, war vielleicht nicht die beste aller Ideen, aber sie sagt, sie habe die Partnerin nicht hängenlassen wollen, zumal die ja auch eine Freundin sei.

          Schluss, Aus, Vorbei: Andrea Petkovic scheitert in Paris

          Auf längere Ballwechsel, das spürte sie, konnte sie sich wegen der Blessur nicht einlassen, und beim Versuch, die Sache schneller zu lösen, fehlten ihr sowohl das Timing als auch die Zuversicht. „Ich wollte zu viel, weil ich wusste, dass ich nicht bis zum Ende mithalten kann.“ Mit gelegentlichen Wutausbrüchen versuchte sie, in der Zwangsjacke des ungeliebten Spiels wenigstens ein bisschen Luft zu finden, zwischendurch haderte sie mit ihrem Schicksal – und den Rest erledigte die Gegnerin mit ebenso routiniertem wie konsequentem Spiel.

          Andrea Petkovic verlässt Paris in einer Mischung aus Frust, Enttäuschung und Erleichterung. Frust über das Missgeschick der in Nürnberg zugezogenen Oberschenkelzerrung; noch vor einer Woche hatte sie sich nicht vorstellen können, mitspielen zu können. Zwischendurch war es besser geworden, aber das Ende sei dann doch extrem frustrierend gewesen. „Es sollte nicht sein“, meinte sie hinterher, „ich hab’s nicht hingekriegt. Das war alles ein Eiertanz, sinnlos. Aber irgendwie bin ich jetzt auch erleichtert, dass es vorbei ist.“

          „Vielleicht habe ich mir das ja immer nur eingeredet“

          Jetzt wird sie sich erst mal eine Pause gönnen und versuchen, die Verletzung auszukurieren. Mitte Juni beim Turnier in Birmingham soll es dann weitergehen, danach eventuell in Eastbourne und auf jeden Fall in Wimbledon. Bis zum vergangenen Jahr hatte sie immer gedacht, das Spiel auf Rasen sei nichts für sie. „Aber vielleicht“, sagt sie, „hab ich mir das ja immer nur eingeredet.“ Bis zur Reise nach England soll es dem Oberschenkel dann wieder gutgehen. Hundert Prozent besser als in Paris.

          Und was machen die Herren in Paris?

          Bei den Herren haben Novak Djokovic und Andy Murray mit Siegen gegen zwei aufstrebende Australier das Achtelfinale erreicht. Der Weltranglistenerste Djokovic besiegte in der dritten Runde den 19 Jahre alten Thanasi Kokkinakis mit 6:4, 6:4, 6:4. Mitfavorit Murray bezwang den 20 Jahre alten Nick Kyrgios mit 6:4, 6:2, 6:3. Auch Titelverteidiger Rafael Nadal erreichte mühelos das Achtelfinale. Der neunmalige Paris-Champion gewann gegen den Russen Andrej Kusnezow mit 6:1, 6:3, 6:2.

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