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Viertelfinale der French Open : Zweites Date in Paris

  • -Aktualisiert am

Nicht schon wieder! Djokovic trifft abermals einen Linienrichter am Kopf, darf diesmal aber weiterspielen. Bild: AP

Novak Djokovic trifft nach dem Eklat bei den US Open wieder auf Pablo Carreño Busta. Auch im anderen Viertelfinale in Paris gibt es ein Wiedersehen in einer unwahrscheinlichen Konstellation.

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          Irgendwie lässt es sich ja nicht vermeiden, in diesem Job immer wieder dieselben Leute zu treffen; nicht nur in der Kantine und im Hotel, sondern auch auf dem Tennisplatz. Die Zahl der Profis, die auf der höchsten Ebene spielen, ist nicht astronomisch hoch, und natürlich kommt es auch vor, dass man ausgerechnet wieder jenem Typen gegenübersteht, der einen gerade erst besiegt hat. Aber eine solche Konstellation wie mit Stefanos Tsitsipas und Andrej Rubljow sprengt den Rahmen dennoch.

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          Die beiden spielen an diesem Mittwoch genaugenommen zum zweiten Mal während der French Open gegeneinander, wenn auch nicht in derselben Stadt. Am ersten Tag, einem Sonntag, waren der Grieche und der russische Konkurrent im Finale der European Open in Hamburg beschäftigt, und Rubljow gewann. Danach flitzten sie ins Hotel, packten ihre Sachen, düsten zum Flughafen, flogen nach Paris und hätten beinahe zwei Tage später gleich weiterfliegen können; beide lagen in im ersten Spiel mit 0:2 Sätzen zurück. Doch die Sache ging gut, und hier sind sie nun im Viertelfinale von Roland Garros, zehn Tage nach dem Spiel um den Titel am Rothenbaum.

          Diesmal, sagt Tsitsipas, müsse er noch mehr kämpfen als in Hamburg, wo er das Finale trotz einer 5:3-Führung im entscheidenden dritten Satz verloren hatte; nicht ganz auszuschließen, dass er in diesen Momenten von der Erinnerung an die sechs vergebenen Matchbälle in der dritten Runde bei den US Open heimgesucht worden war, damals gegen den Kroaten Borna Coric. Rubljow sagt, hinter ihnen beiden liege eine harte Zeit mit schwierigen Spielen unter harten Bedingungen, und gerade deshalb sei es jetzt eine schöne Sache, dass nun umgehend eine Fortsetzung der gemeinsamen Geschichte auf dem Spielplan stehe.

          Das seien schon verrückte Wochen, findet auch Pablo Carreño Busta, der im zweiten Viertelfinale gegen Novak Djokovic spielen wird. Bei den US Open in New York hatte der Spanier vor vier Wochen nahezu ungläubig beobachtet, was auf der anderen Seite des Platzes passierte, als Djokovic mit einem im Zorn über den Spielverlauf leichtfertig weggeschlagenen Ball eine Linienrichterin an der Kehle traf und danach disqualifiziert wurde. Es folgte das nicht weniger einschneidende Erlebnis des verlorenen Halbfinales gegen Alexander Zverev nach einer 2:0 Satzführung, danach flog er zum nächsten Turnier nach Rom, hatte kaum Zeit, weder die innere Uhr bei sechs Stunden Zeitunterschied umzustellen noch das Spiel von Hartplatz auf Sand. Er war chancenlos gegen den Kollegen und Landsmann Rafael Nadal und verlor 1:6, 1:6. Danach fuhr er für ein paar Tage nach Spanien. Um durchzuatmen und sich auf Roland Garros vorzubereiten. Nun steht er zum dritten Mal in seiner Karriere im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers.

          „Wieder ein Match gegen die Nummer eins der Welt“

          Während der Partie gegen den deutschen Überraschungsmann Daniel Altmaier ging es ihm zu später Stunde am Montag phasenweise sichtlich nicht gut – wie viele Spieler dieser Tage plagt er sich mit Magenschmerzen –, und wer weiß, wie die Sache ausgegangen wäre, hätte ihm der junge Mann auf der anderen Seite Ende des zweiten Satzes nicht ein wenig geholfen. Altmaier war klar der bessere Spieler gewesen in diesem zweiten Satz, hatte dann aber beim Stand von 5:3 nervös ein paar teure Fehler gemacht und den Satz und schlussendlich das Match verloren (2:6, 5:7, 2:6). Was an ein paar grundsätzlich positiven Erkenntnissen und Altmaiers Versprechen, er werde konzentriert weiterarbeiten, das alles sei erst der Anfang gewesen, aber nichts ändert.

          Und wie Carreño Busta nun die Neuauflage gegen Djokovic sieht, einen Monat nach Eklat in New York? „Wieder ein Match gegen die Nummer eins der Welt. Er gewinnt seine Spiele in Paris nicht leicht, aber bequem, und ich nehme an, dass er wieder zum Kampf bereit sein wird.“ Beim Sieg im Achtelfinale gegen den Russen Karen Chatschanow in drei Sätzen wirkte Djokovic phasenweise nicht bei der Sache, aber als er am Ende noch einmal Gas gab, sah er wieder aus wie der Mann, der in diesem Jahr nur ein Spiel verlor. Jenes eine, in dem er sich selbst geschlagen hatte. Aber nicht nur wegen der Geschichte in New York ist Novak Djokovic inzwischen der Meinung, Profitennis brauche keine Linienrichter mehr, die elektronische Technik sei weit genug fortgeschritten, um deren Job übernehmen zu können. Für die tapferen Leute an den Linien wäre das immerhin eine Option. Auch im Spiel gegen Chatschanow wurde ein Linienrichter von einem Ball der Nummer eins getroffen, diesmal allerdings komplett aus dem Spiel heraus. Nicht nur dem Serben blieb in diesem Moment fast das Herz stehen.

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